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Kurfürstendamm

Eine der berühmtesten Straßen der Welt

Der Kurfürstendamm ist die bekannteste Straße Berlins. Warum? Weil sich an keiner anderen Stelle der Stadt die Geschichte des Landes so spiegelt wie am Kurfürstendamm. Kaiser, Künstler, die Nazis und heute die Touristen prägten den Boulevard ebenso wie Zerstörung, Wiederaufbau und die Teilung Berlins -und die Straße hat die Eigenart, immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Heute blüht sie wirtschaftlich immer weiter auf und entwickelt sich architektonisch in rasantem Tempo. Der Kurfürstendamm ist einfach ein zentraler Punkt der Stadt.

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Hochhäuser erobern das Zentrum des Berliner Westens, wirtschaftlich prosperiert der Kurfürstendamm.

Wer die 3,5 Kilometer lange Straße besucht, nimmt unglaublich viele Eindrücke wahr. Bummelt man auf den breiten Gehwegen entlang, begegnet einem nicht nur eine unzählige Zahl von Menschen aus aller Welt, sondern auch eine nicht enden wollende Reihe eleganter Schaufenster und vor allem in der warmen Jahreszeit sehr, sehr viele gastronomische Anlaufpunkte. An der Ecke Joachimsthaler Straße wachsen die Häuser immer mehr in die Höhe, rund um die Gedächtniskirche reihen sich Warenhäuser und Modegeschäfte und Richtung Olivaer Platz begegnen einem fast alle bekannten Nobel-Marken. Es ist kein Wunder, dass der Ku'damm immer wieder die Menschen anzieht.

Zu der Faszination, die der bekannteste Boulevard Berlins ausübt, trägt auch der ständige Wandel der Straße bei, der bei einem Blick in die Geschichte deutlich wird. Mitte des 16. Jahrhunderts als Dammweg vom Stadtschloss zum Jagdschloss Grunewald angelegt, diente er den Kurfürsten als Reitweg. Den Namen erhielt er 100 Jahre später, 1767 tauchte erstmals ein Churfürsten Damm auf einer Karte auf. Entstanden ist die Straße aber erst im kaiserlichen Berlin: 1873 äußerte Otto von Bismarck die Idee, eine besondere Prachtstraße zu errichten. Da er Paris als Gesandter kennengelernt hatte, hatte er Vorbilder im Kopf, und als man eine 25 Meter breite Wohnstraße plante, erhob Bismarck Einspruch. "Die Straße am Kurfürstendamm wird nach den jetzt bestehenden Absichten viel zu eng werden, da dieselbe voraussichtlich ein Hauptspazierweg für Wagen und Reiter werden wird. Denkt man sich Berlin so wie bisher wachsend, so wird es die doppelte Volkszahl noch schneller erreichen, als Paris von 800.000 Einwohnern auf 2.000.000 gestiegen ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin das Bois de Boulogne und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin mit einer Breite wie die der Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein", schrieb der Reichskanzler im Jahre 1873. Zwei Jahre später wurde die Straßenbreite durch Kabinettsorder auf 53 Meter festgelegt.

Im Jahre 1882 begann der Ausbau der Straße, vier Jahre später war sie bereits fertig. Als offizieller Geburtstag des Kurfürstendammes gilt der 5. Mai 1886, damals wurde eine Dampfstraßenbahnlinie vom Zoologischen Garten nach Halensee eingeweiht. Besonders bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass bereits 1882 eine Elektromote-Versuchsstrecke in Halensee den Kurfürstendamm querte; Elektromote war die Bezeichnung für den weltweit ersten Oberleitungsbus, für den eine Dampfmaschine den Strom erzeugte. Auf dem Ku'damm gab es also schon Elektrofahrzeuge, als es die Straße überhaupt noch nicht gab - Berlin war seiner Zeit wieder einmal weit voraus.

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Der Kudamm war schon immer seiner Zeit voraus: 1882, noch bevor man mit dem Ausbau des Kurfürstendamms zur Prachtstraße begonnen hatte, kreuzte das "Elektromote" von Werner Siemens etwa in Höhe der heutigen Joachim-Friedrich-Straße die Trasse. Die Versuchsstrecke wurde aber wieder abgebaut, da Siemens damals vor allem die elektrische Straßenbahn weiterentwickelte.

Mit dem Bauen war man vor einem guten Jahrhundert auch schneller als heute. 1892 beschrieb Theodor Fontane das westliche Ende des Kurfürstendamms noch als "ein von Spargelbeeten durchsetztes Wüstenpanorama" (Frau Jenny Treibel),
1905 war der Prachtboulevard fertig - wobei kritische Stimmen von "Kurfürstendammarchitektur" sprachen, die pompös, protzend und geschmacklos wirke. Die heutigen Urteile fallen wesentlich besser aus.

Die bereits am Ku'damm stehenden Gebäude wurden damals übrigens rigoros abgerissen, um die großen Wohnhäuser schneller bauen zu können. Einzig das heutige Literaturhaus und die Villa Grisebach in der Fasanenstraße lassen die ursprüngliche Villenbebauung noch erahnen.

Kaiser-Wilhelm_Gedächtniskirche_Bundesarchiv_B_145_Bild-P014310,_.jpgDem Kaiser verdankte der Kurfürstendamm vor allem die Kaiser-Wilhelm-Kirche, die Wilhelm II. zur Erinnerung an seinen Großvater Wilhelm I. errichten ließ. Franz Schwechten konstruierte den neoromanischen Bau, der bei seiner Einweihung 1895 mit 113 Metern das höchste Gebäude Berlins war. Nach ihrer weitgehenden Zerstörung 1943 wurde die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zum Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Wie prächtig das Innere mit Mosaiken ausgestaltet war, kann man in dem kleinen Rest am Fuß des Turmes erahnen, den man besichtigen kann. Übrigens sollte nicht nur die Kirche, sondern die gesamte Randbebauung im romanischen Stil errichtet werden, ein romanisches Forum sollte entstehen. Zwei Gebäude, darunter das berühmte Romanische Café, wurden im Krieg zerstört, übrig blieb nur der 1915 entstandene Rundbau an der Ecke Rankestraße. Auf dem 1939 entstandenen Foto (Bundesarchiv) sind die romanischen Gebäude erkennbar, rechts befand sich das berühmte Romanische Café.

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An dem Mosaik mit den Hohenzollern in der Gedenkhalle der Gedächtniskirche kann man erkennen, wie prächtig die Kirche einst ausgestattet war. Die Reihe der früheren Regenten beginnt links mit Königin Luise, der vierte von rechts war der letzte Kaiser Wilhelm II.

Eine große Rolle spielten am Kudamm Intellektuelle und Künstler. Im "Café des Westens" sollen unter anderem Richard Strauss, Alfred Kerr, Christian Morgenstern, Frank Wedekind, George Grosz, John Heartfield oder Else Lasker-Schüler zu den Stammgästen gezählt haben. Man gründete Kabaretts und Zeitschriften, schrieb Pamphlete ebenso wie Autorenverträge, malte Künstlerportraits oder wetterte gegen den Kaiser und seine Politik - allerdings ohne weitreichende Folgen.

Am Kurfürstendamm wurde Berlin zu Kaisers Zeiten aber auch zur Kunstmetropole. Die Maler der Berliner Secession um Max Liebermann und Walter Leistikow, deren Arbeiten Kaiser Wilhelm II als "Rinnstein-kunst" diffamierte, bezogen 1905 ein neues Ausstellungsgebäude am Kurfürstendamm 208/209. Gezeigt und gehandelt wurden dort Werke von Corinth und Slevogt, Nolde und Kandinsky, Klee und Kokoschka, Monet und Manet, Munch, Picasso und vielen anderen.

Gleichzeitig entwickelte sich der Kurfürstendamm damals zur Einkaufsmeile. 1907 eröffnete das Kaufhaus des Westens, für das man acht große Mietshäuser abriss, die nur zwölf Jahre vorher erst gebaut wurden. Das besondere an dem riesigen Kaufhaus in einer bis dahin reinen Wohngegend war aber, dass sich sehr viele Geschäfte drumherum ansiedelten. Geschäfte aus der Stadtmitte eröffneten Filialen im Wohnbezirk, bis ein neues Geschäftsviertel entstanden war - Berlin W, heute meist City West genannt.

In der Weimarer Zeit boomte der Kurfürstendamm regelrecht. Hier gab es Tanzdielen und Kabaretts, Revuen und Theater, die einfach am angesagtesten waren. Sie galten als origineller und avantgardistischer, erotischer oder geistvoller - je nachdem, was zum Metier passte. Auch das Publikum erschien prominenter, die Künstler verrückter, die Autos schneller, jedenfalls strömten die Berliner und die Touristen immer häufiger zum Kudamm. Dass hier 1922 der erste Tonfilm lief, dass Josephine Baker hier auftrat, dass Max Reinhardt hier die "Komödie" eröffnete, war kein Wunder - es geschah auf dem hippesten Platz in Berlin, wie man heute sagen würde.

Dies änderte sich in der Zeit des Nationalsozialismus. Man "arisierte" erst den Kulturbetrieb und später das Geschäftsleben, die jüdische Bevölkerung wurde erst vertrieben und dann ermordet. Im November 1943 erreichte der Bombenkrieg den Kurfürstendamm, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Gloria-Palast, KaDeWe, Romanisches Café und viele Wohn- und Geschäftshäuser brannten völlig aus. Von 235 Häusern waren noch 43 bewohnbar, der Rest war zerstört.

Nach dem Krieg eröffneten in den Ruinen zwar schnell wieder Restaurants, und wo es möglich war, begann wieder der Kulturbetrieb. Mit dem Aufbau ging es aber langsamer: 1950 eröffneten das Maison de France mit dem Cinema Paris und das wiederaufgebaute KaDeWe, danach folgten Neubauten wie das Café Kranzler 1951 oder das Kempinski 1952. Bauten wie das Bikini-Haus oder das schon wieder verschwundene Schimmelpfenghaus, das die Kantstraße abriegelte, wurden erst Ende der 50er Jahre fertig.

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Über Jahrzehnte fehlte das Bild des Cafés Kranzler auf kaum einem West-Berliner Prospekt. Es ist in doppeltem Sinne fast verschwunden.

Dennoch wurde der KuDamm schnell zum Schaufenster des Westens, und das nicht nur, weil mit den 1952 zurückgekehrten Filmfestspielen der Glanz der weiten Filmwelt wieder einzog. Je krasser die Auseinandersetzungen zwischen Ost und West wurden, desto mehr wurde aus dem Kurfürstendamm wieder ein ideologischer Begriff. Im Kalten Krieg wurde er im Osten als überflüssiger Auswuchs des Kapitalismus verstanden, im Westen galt er einfach als Vorzeigeobjekt, das den wirtschaftlichen Erfolg und den besseren Lebensstandard symbolisiert.

Dennoch waren die Kriegsschäden auf dem Kurfürstendamm fast noch überall sichtbar. Viele flache Behelfsbauten boten ein miserables Erscheinungsbild, das kaum jemand ändern wollte - die Eigentümer zogen nach dem Mauerbau oft in den Westen, die Immobilienpreise waren niedrig. Dies änderte sich erst, als die Bundesrepublik mit dem Berlinhilfe- und dem Berlinförderungsgesetz Geld in die Stadt lenkte. Mit den folgenden staatlichen Bauprogrammen wurde der Ku'damm aber auch nicht immer zum Positiven verändert. So entstand Mitte der 60-er Jahre das Europa-Center und in den 70-ern zum Beispiel Wertheim, Ku'damm-Eck und Ku'damm-Karree. Dass damit oft Bauskandale einhergingen, beschäftigte über Jahrzehnte die Öffentlichkeit. Inzwischen sind die damals entstandenen Bauten aber alle vollkommen renoviert oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

In den 80-er Jahren entdeckte man den Charme alter Zeiten dann wieder ein wenig. So wurden zum Beispiel die historischen Hardenberg-Leuchten wieder aufgestellt, an manchen Häusern richtete man die Stuckfassaden wieder her und es entstanden Neubauten wie die Schaubühne 1981 oder der neu gestaltete Breitscheidplatz mit dem Weltkugelbrunnen von Joachim Schmettau.

Und dann folgte der Fall der Mauer. Als fast alle Ost-Berliner den Ku'damm gesehen hatten, wandte sich das Interesse aller Berliner und der Touristen der Mitte der Stadt zu - Unter den Linden und Brandenburger Tor, Friedrichstraße und die Museumsinsel wurden wieder zum Zentrum der Stadt, dazu bekam der Potsdamer Platz als Neubauprojekt viel Aufmerksamkeit. Selbst die Filmfestspiele zogen dort hin, am Ku'damm machten aber die meisten Kinos zu - dafür gab es immer mehr Filialen von Bekleidungs-Ketten.
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Zurzeit wird viel gebaut am Kurfürstendamm. Die Gedächtniskirche muss man bald suchen ...

Die Menschen kamen aber dennoch weiter in das Stadtzentrum im Westen. Nirgendwo in der Stadt werden mehr Besucher gezählt und nirgendwo sind die Umsätze größer. Und dies wird sich wohl auch nicht so schnell ändern, denn der Kurfürstenddamm wandelt sich weiter in schöner Regelmäßigkeit: In Höhe der Joachimstaler Straße und am Breitscheidplatz entstanden und entstehen so beeindruckende Neubauten, dass man fast von einem neuen Stadtquartier sprechen kann. Im mittleren Bereich siedelten sich viele luxuriöse Firmen an, für die West-Berlin wirtschaftlich noch nicht interessant war. Und wenn die Berliner Glück haben, werden in Zukunft auch kulturelle Angebote nicht vergessen - sie sind einfach wichtig, wenn der Kurfürstendamm weiterhin die volle Aufmerksamtkeit der Menschen behalten soll. my



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