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Reichstag

Regierungssitz und historisches Denkmal

Reichstagsgebäude
© id praxis

Der Reichstag wurde von Paul Wallot, einem Architekten aus Frankfurt am Main, erbaut. Im Jahre 1882 legte er bei einem ausgeschriebenen Wettbewerb den Entwurf vor, der das Plenum überzeugen konnte. Die Planungs-und Bauphase verlief nicht ganz unkompliziert doch nach langem Hin und Her zwischen Kaiser, Behörden und Architekt, konnte das Gebäude 1894 feierlich eröffnet werden.
Eine eindrucksvolle Kuppel aus Glas und Stahl verlieh dem deutschen Regierungssitz nicht nur ein besonderes und prächtiges Aussehen sondern zeugte auch von der deutschen Ingenieurskunst.

Nur wenige Jahre später wurde das Gebäude Schauplatz eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Geschichte. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief am 9. November 1918 von einem Balkon des Reichstagsgebäudes aus, die Deutsche Republik aus.

Kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, in der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933, zerstörte ein Brand die Kuppel, den Plenarsaal und einige anliegende Räume. Heute vermutet man, dass die Nationalsozialisten den Brand selber gelegt haben, um mit diesem Brand auch symbolisch die noch junge, deutsche Demokratie zu beenden.
Die Kuppel wurde einige Monate nach dem Brand wieder notdürftig instand gesetzt, der Plenarsaal blieb jedoch weiterhin zerstört.

In den Folgejahren nutze man das Gebäude unter anderem als Ausstellungsraum für Modelle der von Albert Speer und Adolf Hitler erträumten "Welthauptstadt Germania", im Zweiten Weltkrieg dann als Festung und Krankenhaus. Als eines der wichtigsten Symbole des NS-Regimes wurde es 1945 Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen der Roten Armee und einigen letzten Widerstandskämpfern im Keller des Hauses. Diese kapitulierten endgültig am 1. Mai 1945. Die Kämpfe im Inneren des Gebäudes und intensive Bombadierungen zerstörten das ehemalige Prachtgebäude massiv.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war das zerstörte Reichtstagsgebäude nur eines von tausenden in Trümmern liegenden Häusern der Stadt. Auf den ehemaligen Grünflächen ringsherum baute die hungernde Bevölkerung nun Gemüse und Kartoffeln an.
Doch wollte man das ehemalige Prachtgebäude nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Nach einem Beschluss des Bundestages im Jahre 1955 wurde erneut ein Wettbewerb ausgeschrieben, um einen Architekten zu finden, der das Gebäude zu neuem Leben erwecken sollte.
Von 1961 bis 1973 wurde unter der Leitung des Architekten Paul Baumgarten die Wiedererrichtung und Umgestaltung des Reichtagsgebäudes durchgeführt. Dabei verschwanden die prachtvollen Verzierungen größtenteils hinter schlichten Abdeckplatten, der Plenarsaal wurde vergrößert und auf die Errichtung einer neuen Kuppel wurde gänzlich verzichtet. Die Größe des neu gestalteten Plenarsaales hätte ausgereicht, um eine Versammlung einer gesamtdeutschen Regierung zu beherbergen, jedoch fanden lediglich Fraktions- und Ausschusssitzungen in den neuen Räumlichkeiten statt.

Während der Teilung Deutschlands war der Reichstag erneut eng mit den geschichtlichen Ereignissen verknüpft. In den Jahren zwischen 1961 und 1989 lief die Berliner Mauer direkt an der Ostseite des Gebäudes entlang. Von den Terassen aus konnten ausländische Staatsgäste über die Mauer in die DDR schauen. So wurde das Reichstagsgebäude zunehmend zum Symbol sowohl für die Teilung als auch für die ersehnte Einheit Deutschlands.

Nach der Wiedervereinigung und einer intensiven Diskussion des Themas beschloss der Deutsche Bundestag im Juni 1991 den Umzug des Parlaments sowie der Regierung in die nun bundesdeutsche Hauptstadt Berlin. Zuvor musste jedoch das Reichstagsgebäude an die aktuellen Anforderungen angepasst werden.
Zu diesem Zweck wurde ein weiterer Wettbewerb ausgeschrieben, aus welchem der Engländer Sir Norman Foster im zweiten Versuch als Sieger hervorging. Obwohl sich der Architekt wiederholt gegen die Errichtung einer Kuppel ö. ä. ausgesprochen hatte, musste er sich letzendlich dem öffentlichen Druck beugen und seinen ursprünglichen Entwurf zugunsten einer gläsernen Kuppel überarbeiten.

Im Jahr 1995 dann, noch während des Umbaus, wurde der Reichstag Schauplatz einer Kunstaktion, die ihm zu weltweitem Ruhm und Berlin zu einer Anerkennung als Kulturmetrople verhalf. Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude verhüllte das gesamte Gebäude für zwei Wochen unter einem silberfarbenen Gewebe, und verschnürte das "Paket" mit einem blauen Seil. Fünf Millionen Besucher ließen sich dieses Kunstspektakel nicht entgehen.

Bei der Umgestaltung des Gebäudes nach den Plänen von Sir Norman Foster wurden die durch den Umbau Paul Baumgartens vorgenommenen Änderungen größtenteils wieder rückgängig gemacht.
So kamen einerseits die historischen Strukturen wieder zum Vorschein, es wurden aber auch Zeugnisse der Geschichte, wie beispielsweise Inschriften russischer Soldaten, die in den Maitagen 1945 für die Eroberung des Reichstages kämpften, entdeckt und sind nun an einigen Innenwänden des Gebäudes zu sehen.
Die begehbare Kuppel ist das architektonische Meisterstück des Gebäudes. Der von innen mit zahlreichen Spiegeln bestückte Lichtkegel, lenkt das Tageslicht auf geschickte Art in den Plenarsaal.

Nach dem vollständigen Um- und Ausbau des Gebäudes bietet es nun ausreichend Platz für die Mitglieder des deutschen Bundestages. Das bedeutungsvolle Gebäude mit seiner eindrucksvollen Kuppel ist einer der größten Touristenmagnete Berlins und lockt jährlich mehrere Millionen Besucher in den Sitz der deutschen Regierung. Führungen durch den Reichstag, Anhörungen von Plenarsitzungen sowie der Besuch der Kuppel und der Dachterasse sind lohnenswerte Stationen eines Berlin-Besuchs.

Quellen:

Geschichte des Reichstagsgebäudes

Der Berliner Reichstag

Deutscher Bundestag im Reichstagsgebäude



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