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BERLINALE SPEZIAL - Rückblick 2013

Rund 300.000 Besucher verfolgten in diesem Jahr die 63. internationalen Filmfestspiele von Berlin.

Am vergangenen Samstag und Sonntag, dem 16. und 17. Februar 2013, war es endlich soweit. Die voller Spannung erwartete Siegerehrung und Preisverleihung der Berlinale-Bären an die herausragenden Darsteller und Filmschaffende der diesjährigen Berliner Filmfestspiele sorgten für Überraschungen. Zum ersten Mal wurden gleich mehrfach Low-Budget Produktionen prämiert.

Die siebenköpfige Internationale Jury, darunter Berlinale Präsident Wong Kar Wai, krönten die Preisträger der brisanten Filmbranche in acht verschiedenen Kategorien. In diesem Jahr begeisterten besonders osteuropäische Filme aus Russland, Kasachstan, Polen, Rumänien und Bosnien-Herzegowina.

Mit dem Goldenen Bären der 63. internationalen Filmfestspiele von Berlin in der Kategorie „Bester Film“, wurde das rumänische Drama "Child's Pose" von Regisseur Călin Peter Netzer ausgezeichnet. Die Geschichte einer Mutter-Sohn-Beziehung wirft den Fokus auf eine krankhaft liebende Mutter, die Ihren Sohn, der für einen tödlichen Verkehrsunfall zur Verantwortung gezogen wird, vor dem Leben im Gefängnis bewahren will. Ein Blick auf verstrickte Geflechter familiärer Bindungen und gegenseitigen Abhängigkeiten begeisterte die Jury.

Den Großen Preis der Jury erhielt die Geschichte einer Roma-Familie
„An Episode in the life of an Iron Picker“ von Regisseur Danis Tanović, basierend auf der wahren Lebensgeschichte der Hauptdarsteller. Im täglichen Überlebenskampf stößt die Familie auf eine abweisende und verständnislose Gesellschaft. Trotz eines lebensbedrohlichen Zustandes der Frau, welche dringend medizinische Hilfe benötigt, wird das Paar in Kliniken abgewiesen, da das Geld für die notwendige Operation fehlt. Eine Koproduktion aus Bosnien-Herzegowina, Frankreich und Slowenien unterstützte die Familie, indem sie die Laienschauspieler vor die Kamera brachten und sich selbst spielen ließen.

Vater Nazif Mujic, der wie alle anderen Darsteller zum ersten Mal vor der Kamera stand, wurde für seine überzeugende Selbstdarstellung mit dem Silbernen Bären in der Kategorie „Bester Darsteller“ geehrt.

In der weiblichen Besetzung erhielt Paulina García den Silbernen Bären in der Kategorie „Beste Darstellerin“. In der Rolle der 58-jährigen Gloria des chilenischen Films „Gloria“ verkörpert sie eine Frau, die auf der Suche nach der wahren Liebe ihres Lebens ist und überzeugte die Jury mit ihrer einzigartigen Aura.

In der Kategorie „Beste Regie“ wurde der Regisseur David Gordon Green für die Komödie „Prince Avalanche“ mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Auf unendlich weiten Straßen in Texas erneuern zwei Arbeiter nach einem verheerenden Waldbrand die Straßenmarkierungen im Umland. Daraus entsteht eine intime Beziehung aus der sich Fragen nach dem Sinn des Lebens entwickeln.

Eine besondere Würdigung und Achtung gilt dem iranischen Regisseur Jafar Panahis. Für seinen Film  "Pardé" wurde er in Abwesenheit in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Da Panahis in seinem Heimatland einem Arbeits- und Reiseverbot unterliegt, nahm sein Kollege Kamboziya Partovi stellvertretend den Preis entgegen mit den Worten: "Es war noch nie möglich, einen Künstler und Denker aufzuhalten. Ich habe den Traum, dass jeder Künstler sich in seinem eigenen Land getragen von einem Gefühl der Sicherheit sich seinen Gedanken widmen kann - im Dienste des Friedens und der Menschlichkeit." Panahis bekennt sich offenkundig zur Opposition im Iran. Bereits im letzten Jahr konnte er wegen eines Ausreiseverbotes ebenfalls nicht als Berlinale Jurymitglied tätig werden.

Der erste kasachische Film auf der Berlinale „Uroki Garmonii“ (Harmony Lessons) verkörpert die Geschichte eines psychisch auffälligen Schuljungen, der unter den Drangsalierungen und brutalen Gewalteinflüssen seiner Mitschüler leidet. Der Film zeichnete sich durch die beeindruckende Kameraführung des Kameramanns Aziz Zhambakiyev aus, der  das Bild einer Gesellschaft ohne Werte und Moral noch prägnanter zum Ausdruck bringt. Aziz Zhambakiyev erhielt in der Kategorie „Herausragende Künstlerische Leistung“ in der Sektion „Musik, Schnitt, Kostüm, Kamera oder Set-Design“ den Silbernen Bären für die „Beste Kameraführung“.

In Erinnerung an den Gründer des Festivals verleiht die Internationale Jury zuletzt den Alfred-Bauer Preis an einen Film, welcher neue Perspektiven öffnet. Diesen Preis erhielt in diesem Jahr der kanadische Film „Vic+Flo haben einen Bären gesehen“ von Denis Côté.

Den Goldenen Bären für den besten Kurzfilm gewann der französische Regisseur Jean-Bernard Marlin für den Film „La Fugue“ (The Runaway). Über den Silbernen Bären konnte sich der deutsche Autor und Regisseur Stefan Kriekhaus mit seinem Kurzfilm "Die Ruhe bleibt" freuen.

Und nicht zu vergessen: der Kinder- und Jugendfilm.
Elf Kinder und sieben Jugendliche verliehen gemeinsam vier Gläserne Bären.
Die Kinderjury in der Sektion „Generation K+“ verlieh einmal einen Preis an den besten Spielfilm „The Rocket“ von Kim Mordaunt, welcher zugleich als bester Erstlingsfilm mit 50.000€ belohnt wurde. Er erzählt eine Geschichte über eine Familie aus Laos, die nach dem materiellen Verlust ihres Hauses eine Reise auf der Suche nach Glück und einem Neuanfang beginnt. Ein weiterer Gläserner Bär ging an den besten Kurzfilm „The Amber Amulet“ von Matthew Moore.

Die Jugendjury „Generation 14+“ hingegen, entschied sich für den Spielfilm „Baby Blues“ von Kasia Rosłaniec. Eine aufwühlende Geschichte über ein jugendliches Paar, welches bereits mit sehr jungen Jahren an die Pflichten elterlichen Daseins gebunden ist, sich aber eigentlich nach grenzenloser Freiheit sehnt. Als besten Kurzfilm kürten sie den Film „Rabbitland“ von Ana Nedeljković und Nikola Majdak.

Der Goldene Ehrenbär als Lebenswerkauszeichnung ging an den französischen Dokumentarfilm-Regisseur und Produzenten Claude Lanzmann. Abschließend erhielten drei weitere Persönlichkeiten, die mittlerweile Freunde und Förderer der Berlinale geworden sind, die Berlinale Kamera. Isabella Rossellini, Rosa von Praunheim und Richard Linklater wurden für eine außergewöhnliche Leistung im Filmschaffenden Sektor gekürt.

Neben den offiziellen Berlinale Preisvergaben beteiligten sich vom Festival unabhängige Jurys an der Verleihung von Sieger-Titeln. Organisationen und Institutionen vergaben nach eigenen Kriterien entsprechend des individuellen Anliegens ihre Preise.

Somit können die Veranstalter, Künstler und Besucher der 63. internationalen Berliner Filmfestspiele auf einen aufregenden und spannenden Ausgang des Festivals voll von unerwarteten Überraschungen zurückblicken. Ein politischer und gesellschaftskritischer Charakter war auch in diesem Jahr wieder erkennbar. Besonders die osteuropäische Prägung der filmischen Preisträger verlieh der Berlinale 2013 einen ganz eigenen Stil.
veröffentlicht 20. 02 2013 17:06
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