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Wieviel Wasser verbrauchen Unternehmen?

Neues Projekt der TU will auch bei den Folgen helfen

Privatpersonen verbrauchen in Deutschland etwa 130 Liter Wasser am Tag. Das ist nicht viel, und wenn man den Verbrauch noch weiter einschränken würde, würden sogar die Abwasserrohre langsam zuwachsen. Sparen ist also nicht angesagt. Allerdings ist die Zahl nicht ganz ehrlich, denn sie enthält nur den direkten Wasserbedarf des täglichen Lebens, es ist die Menge Wasser, die wir im Badezimmer, in der Küche und im Garten verbrauchen und die wir bei den Wasserbetrieben bezahlen müssen. Würde man aber den Wasserverbrauch dazurechnen, der für die Herstellung unserer Lebensmittel verwendet wird und der für die Produktion der Kleidung und der vielen Dinge des täglichen Lebens nötig ist, so sähe der Pro-Kopf-Wasserverbrauch ganz anders aus – man schätzt ihn auf etwa 3000 Liter pro Tag.

Nun werden Produkte heutzutage meist in grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten hergestellt. Die Folge: Ein Großteil unseres Wasserbedarfs wird außerhalb Deutschlands gedeckt, und das oft in unpassenden Gegenden. Manchmal wird das Wasser für die Herstellung unserer Produkte sogar in sehr wasserknappen Regionen der Erde verbraucht – wenn man zum Beispiel Baumwolle in Zentralasien anbaut, Getreide in Nordafrika oder Erz in Wüstenregionen gewinnt.

Die Unternehmen messen und managen ihren Wasserverbrauch dennoch in der Regel dort, wo sie produzieren, auch wenn das Wasser eher bei den Zulieferern verbraucht wird und in der vorgelagerten Energie- und Materialgewinnung. In der Folge weiß man in den Unternehmen und generell nicht recht, welche Folgen die Produktion hat und ob sie zum Beispiel irgendwo Wassermangel produziert. Und den Wassermangel zu reduzieren, ist dann auch kein Ziel mehr. 

An der TU Berlin hat man daher ein Projekt gestartet, das weltweite Wasserrisiken von Unternehmen analysieren soll. Es heißt „Wasserfußabdruck für Unternehmen – lokale Maßnahmen in globalen Wertschöpfungsketten (WELLE)“ und soll einen gesamten "Wasserfußabdruck" eines Unternehmens darstellen und Maßnahmen vorschlagen, die die Wasserknappheit an den Stellen der Welt lindern könnten, an denen globale Wertschöpfungsketten Schäden verursachen.

Laut Prof. Dr. Matthias Finkbeiner vom Fachgebiet Sustainable Engineering hat das Projekt zuerst das Ziel, einen Wasserfußabdruck von Unternehmen zu entwickeln und zu zeigen, wo welche lokalen Umweltauswirkungen entstehen. In einem zweiten Teil sollen dann in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren Wasserprobleme behoben werden, die aufgrund der alten Produktionsmethoden entstanden sind. Und dass die Firmen daran Interesse haben, zeigt schon die Liste der an dem Projektverbund WELLE beteiligten Unternehmen: das Deutsche Kupferinstitut e.V., Evonik Nutrition and Care GmbH, Neoperl GmbH, Thinkstep AG und Volkswagen AG. Und natürlich wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme „Globale Ressource Wasser“ gefördert.




veröffentlicht 19. 07 2017 15:06
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