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Die Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin

... sammelt, repariert und fährt alte Bus-Veteranen

Wer etwas besonders mag, fängt gern an zu sammeln - und dies passiert nicht nur bei Briefmarken, Bilderserien oder Schuhen, es kann sich zum Beispiel auch um Busse handeln. Das klingt im ersten Augenblick unwahrscheinlich, wir verdanken der Liebe zu den großen Gelben aber einen wachsenden Fuhrpark museumsreifer Busse, die denen wir manchmal sogar fahren können.

Unterhalten und betrieben wird die betagte Flotte von der Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin (ATB), also einer Gruppe von Menschen, die alte Busse einfach mögen. Entstanden ist sie im Juli 1989, als sich drei Berliner einen langgehegten Traum erfüllten und in Rüdesheim am Rhein einen ehemaligen BVG-Bus erstanden - in ihrer Sprache einen Büssing D2U, was für Doppeldecker, 2-achsig mit Unterflurmotor steht. Als sie den Wagen restaurieren wollten, fehlten die Ersatzteile. Die Lösung bot nach einem Monat ein zweiter Bus gleicher Bauart, und die aus einem Autobusfahrer der BVG, einem Industrie- und einem Versicherungskaufmann bestehende Gruppe der Bus-Freunde wuchs um einen Elektrogerätemechaniker. Die beiden Fahrzeuge wurden auf einem angemieteten Sandplatz in Neukölln abgestellt und die Restaurierung des besser erhaltenen Fahrzeugs begann.

Die Entwicklung ging auf ähnliche Weise weiter und der Bestand wuchs ebenso wie die Zahl der Mitglieder. Heute betreut die ATB 60 Fahrzeuge ab dem Baujahr 1953. Von ihnen wurden 15 in Eigenarbeit hergerichtet und sind als Kraftomnibusse zur Personenbeförderung zugelassen. Weitere 23 in Eigenarbeit restaurierte Busse sind fahrbereit, aber nicht zugelassen, drei restaurierungsbedürftige Fahrzeuge werden gerade aufgearbeitet und 19 ehemalige große Gelbe verschiedenster Bauart dienen nur noch als Ersatzteilspender - ohne sie kann man die anderen oft nicht betriebsbereit halten.

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Die ATB können einen guten Querschnitt der Nachkriegs-BVG-Bustypen auf die Straße schicken. Für Fachleute: 1749 (MAN SD 80), 1126 (Büssing D2U 56), 1957 (E2H 71), 237 (E2U 62S), 415 (E2U 64), 1658 (DF 64) und 2437 (DE 72) (v.l.)  Foto: ATB

Um den Unterhalt, die Restaurierung und den Einsatz der meist von der BVG kommenden Busse  kümmern sich 25 Privatleute und die Mitglieder des 1995 gegründeten Fördervereins "Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin", abgekürzt FATB. Auch die Finanzierung ist Privatsache: Die Gelder für den Erhalt der Busse kommen von den Fahrzeugeigentümern, dem täglichen Einsatz eines Museumsbusses auf der BVG-Linie 218, aus Sonderfahrten der Busse im Gelegenheitsverkehr und vom Förderverein; Sponsoren gibt es nicht.

Gezeigt werden die Autobusse am liebsten im Linienverkehr - mit Oldtimern zu fahren macht immer mehr Spaß als sie nur anzugucken. Dies fiel auf, als die Potsdamer Verkehrsbetriebe 1993 fragten,  ob man zum  1000-jährigen Stadtjubiläum einen historischen Autobus auch im Linienbetrieb einsetzen könnte. Als im Sommer ein Traditionsbus auf der Ausflugslinie vom S-Bhf. Potsdam Stadt zum Neuen Palais im Park Sanssouci fuhr, kam das bei den Fahrgästen hervorragend an. Eine bessere Werbung für die ATB gab es nicht, und nebenbei wurde der Bus dafür auch umfangreich überarbeitet und neu lackiert. Die BVG stellte für das halbe Jahr sogar einen Fahrer frei, der dann die AG Traditionsbus Berlin mitgründete. 

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Eigentlich ist der Treppenwagen im Vordergrund das älteste Sammlungsstück - es wurde vor mehr als 90 Jahren von Orenstein und Koppel gebaut und hilft noch heute bei der Arbeit. Foto: ATB/Ziegenhirt 

Die positiven Reaktionen der Fahrgäste waren für die BVG auch der Grund, alte Busse an die ATB abzugeben. Als die Verkehrsbetriebe 1993 ihre auf dem Betriebshof Britz abgestellte Sammlung historischer Fahrzeuge an das Museum für Verkehr und Technik abgab, erhielt die ATB davon fünf Busse, die weiter eingesetzt werden sollten. Bei Veranstaltungen der BVG konnte man seitdem einem guten Querschnitt der in West-Berlin verkehrenden Autobusse wiederbegegnen.

Bis heute wächst der Fahrzeugbestand immer weiter, und bei den "Traditionsfahrten“ werden die meisten zugelassenen Kraftomnibusse zusätzlich zu den regulär verkehrenden BVG-Bussen auch auf Strecke geschickt, wo sie die oft überraschten Fahrgäste einfach zurück in ihre Jugend versetzen. Allerdings erfordert der Einsatz viel Vorlauf und die Hilfe von Freiwilligen, wobei der 1995 gegründete Förderverein der AG Traditionsbus Berlin e.V. gute Dienste leistet. Auf Unterstützung hofft die ATB aber noch auf einem anderen Gebiet: In der Werkstatt fehlen ehrenamtlich tätige Enthusiasten, die alte Busse gerne reparieren und die dies auch können ...
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Manche Ausflüge erinnern an längst vergangene Zeiten: Die Linie E verband bis zur Wende Wannsee mit einem kleinen Grenzübergang in Drewitz, wo man in Busse der Potsdamer Verkehrsgesellschaft umsteigen konnte. Heute befindet sich an der Stelle der Autobahnrastplatz Parforceheide. Foto: ATB / Weiland

Über die nach dem Krieg gebauten und in Berlin eingesetzten Busse kann die Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin einen guten Überblick bieten - und das mit Bussen, die noch fahren. Wer ältere Exemplare sehen möchte, kann sich die Standmodelle in der Monumentenhalle des Deutschen Technik-Museums ansehen, die aber nur an den Sonntagen im September geöffnet ist.

Wer sich für alte Busse und den Verein interessiert, sehe sich die Seite www.traditionsbus.de an, hier wird auch auf die Traditionsfahrt auf der Linie 181 hingewiesen werden, die im Juni stattfinden soll, aber noch mit der BVG abgesprochen werden muss. Wer einem Bus-Veteranen sofort begegnen möchte, der kann dies auf der Linie 218, also auf der Ausflugslinie vom Theodor-Heuss-Platz über die Havelchaussee nach Wannsee und zur Pfaueninsel. Die Abfahrtszeiten der alten Busse findet man hier.

veröffentlicht 19. 01 2017 15:28
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