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Neue Zahlen zur häuslichen Gewalt

Ein Zuhause ist ein Ort, an dem man sich möglichst wohl und sicher fühlen soll. Dennoch passiert auch in den eigenen vier Wänden eine Menge „häusliche Gewalt“, und Menschen, die sich vermutlich einmal vertraut haben, fügen sich oft Schaden zu. Vor kommen psychische Gewalt wie Drohungen und Erniedrigung, finanzielle und soziale Gewalt wie Isolation sowie körperliche und/oder sexuelle Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten. Und was im „engsten Familienkreis“ passiert, wiederholt sich meist und eskaliert oft.

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen veröffentlichte heute die Statistik über häusliche Gewalt für 2015 (Download unter dieser Adresse). Die Zahl der von der Polizei verzeichneten 14.490 Fälle ging zwar um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, die Überschrift lautete aber dennoch „Häusliche Gewalt in Berlin weiter hoch“ - wahrscheinlich wegen der Annahme, dass die Dunkelziffer steigt.

Natürlich enthält die Statistik auch einige interessante Zahlen. So mussten im vergangenen Jahr zum Beispiel 1.176 Frauen und 1.116 Kinder Schutzplätze in Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen in Anspruch nehmen – relativ viele in Relation zur Anzahl der Fälle, bei denen es sich also nicht nur
um harmlose handeln kann.

Mord und Totschlag wurde zwar nicht sehr oft registriert (zwei vollendete und zwei versuchte Mordtaten sowie sechs vollendete und sieben versuchte Totschlagtaten), häufiger waren aber Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (128 Fälle) und vor allem Rohheitsdelikte (11.363 Fälle, 544 weniger als im Jahr zuvor). 78,4 Prozent, also fast vier Fünftel aller Taten waren also direkte Gewaltanwendung. Bei den 8.763 registrierten Fällen von Körperverletzungsdelikten (Abnahme um 261 Fälle oder -2,9 Prozent) handelte es sich mehrheitlich um vorsätzliche leichte Körperverletzung.

Fast nicht zu glauben ist die Tatsache, dass unter den 10.208 Tatverdächtigen 7.727 Männer waren – das bedeutet nämlich einen Anteil von 24,3 Prozent weiblichen Tätern. Jede vierte Anwendung von häuslicher Gewalt ging von Frauen aus.

Interessant ist auch der Vermerk, dass 34,7 Prozent aller Tatverdächtigen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hatten (Anteil der Frauen hier 21,5 Prozent). Der Anteil der in Berlin gemeldeten Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit beträgt gut 17 Prozent. Und noch eine letzte Zahl: Nur ein Viertel (25,7 Prozent) aller leichten Körperverletzungsdelikte in Berlin zählen zum Bereich häusliche Gewalt, bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung sind es sogar nur 13,7 Prozent. Die Gefahr, außerhalb der eigenen Wohnung verprügelt zu werden, ist also größer als Prügel in den eigenen vier Wänden zu beziehen - ein schwacher Trost, aber immerhin ...

veröffentlicht 11. 08 2016 16:59
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