Home

Erlebnisquartier Schiffbauergasse

Schon von Weitem sieht man in Potsdam das am Ufer des Tiefen Sees liegende Hans Otto Theater. Nun erinnert der Bau immer wieder an ein Opernhaus am anderen Ende der Welt, er ist aber auch Mittelpunkt eines Kiezes mit einer ganzen Reihe kultureller Einrichtungen, der von den Stadtoberen gern als "Erlebnisquartier Schiffbauergasse" bezeichnet wird.

Das Areal wird vor allem von der freien Kultur- und Theaterszene geprägt, die sich hier niederlassen konnte. Denkmalgeschützte Bauten wie ein Waschhaus, eine Maschinenhalle und einst von Husaren genutzte Pferdeställe wurden restauriert und können zwischen benachbarten Firmen wie dem Volkswagen Design Center oder dem in einem restaurierten Koksseparator des ehemaligen Gaswerks ansässigen Softwarekonzern Oracle nun künstlerisch genutzt werden. Eine angenehme Mischung aus innovativem Gewerbe und einer bunten kulturellen Nutzung hat sich hier gebildet, und dann liegt das Ganze auch noch schön: Am Ufer verführt eine Flaniermeile zum Bummeln, am Uferpark kann man Schiffe und einen Bootsanleger beobachten und Radwanderwege führen auch vorbei und bieten einen angenehmen Weg zum Neuen Garten oder zum Babelsberger Park. Und wenn man genug getan hat, kann man sich an mehreren Stellen zum Essen niederlassen, wenn man will sogar auf dem Wasser.

Doch wen oder was kann man in der Schiffbauergasse eigentlich besuchen? Das gesamte Gelände wurde seit dem frühen 19. Jahrhundert nur durch militärische und industrielle Anlagen genutzt, bis zur Wende war es ein nicht zugänglicher und öffentlich völlig unbekannter Raum. Im Sommer 1991 nutzte die Potsdamer Kulturszene erste Freiräume in dem brachliegenden Gelände, nachdem ein Gaswerk, eine Wäscherei und mehrere Kasernen nicht mehr genutzt wurden. Einzig verbliebener Nutzer war bis 1994 ein Logistikbataillon des sowjetischen KGBs, und drumherum entwickelte sich eine völlig neue Nachbarschaft.

Am Anfang stand 1992 eine Hausbesetzung: Künstler nutzten eine alte Wäscherei für Ausstellungen und Underground-Techno-Partys und aus einer früherentoten Zone wurde eine attraktive Location, die anfangs auch gern von durch ein Loch im Zaun kommende Rekruten des KGB genutzt worden sein soll. Seit 1993 organisierte der Verein "Waschhaus" regelmäßige Kulturveranstaltungen, wobei ein genreübergreifender Kunst- und Kulturraum entstand mit Angeboten aus den Bereichen Musik, Film, Tanz und Bildender Kunst.
Mittlerweile besuchen mehr als 200.000 Menschen im Jahr die Veranstaltungen, Konzerte, Literaturnächte und Ausstellungen auf dem Gelände.

P_Schiffbauergasse_Hans-Otto-Theater.jpg
   Architektonisch hervorragend gelungen: das Hans-Otto-Theater
 

Die Stadt Potsdam entdeckte das Areal, als sie Anfang der 90er Jahre einen Standort für einen Neubau des Hans Otto Theaters suchte. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) erwarb verstreute Grundstücke und legte ein Konzept zur kulturellen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Gebietes vor, doch 1999 beschlossen die Stadtverordneten, das Theater an der Schiffbauergasse zu bauen und hier einen Kulturstandort zu sichern.

Umgesetzt werden konnte inzwischen eine ganze Menge, hier einige Beispiele:

P_Schiffbauergasse_Fabrik.jpg
In der 2006 sanierten Maschinenhalle ist die "fabrik Potsdam - Internationales Zentrum für Tanz und Bewegungskunst" ansässig - ein Haus für professionelle Tänzer und Tanzkompanien und gleichzeitig ein Anlaufpunkt für alle, die Tanz sehen oder ausprobieren wollen. Das Programm bietet Tanzaufführungen von jungen Tänzern und weltweit bekannten Choreographen, das Residenzprogramm, eigene Tanzproduktionen der fabrik Company, die Potsdamer Tanztage als jährliches internationales Festival für zeitgenössischen Tanz, Workshops und regelmäßige Kurse für Körperarbeit und Tanz. Nähere Infos.

Das Hans Otto Theater, also das Theater der Landeshauptstadt Potsdam, zog 2006 in den Bühnenneubau am Tiefen See, ins "Neue Theater" sowie in die kleinere Spielstätte nebenan, die "Reithalle". Neben dem normalen Theaterbetrieb gibt es Matineen, Lesungen und lange Nächte mit Literatur und Dramatik, Diskurs, Musik und Party, zudem gilt das Hans Otto Theater als wichtigste Kinder- und Jugendtheaterbühne in Brandenburg.

Dass das Theater an die Schiffbauergasse ziehen konnte, verdankt es der städtebaulichen Neuorientierung naach der Wende. Ein bereits fertiggestellter Rohbau an der Stelle, an der sich heute das wiederaufgebaute Potsdamer Stadtschloss befindet wurde 1991 abgerissen, die alte Spielstätte wegen baulicher Mängel geschlossen. Neben anderen Provisorien wurde 14 Jahre lang ein Ersatzgebäude Am Alten Markt genutzt, die "Blechbüchse". 2006 konnte der Neubau in Betrieb genommen werden. Infos zum Haus und zum Spielbetrieb finden Sie hier 

P_Schiffbauergasse_Waschhaus.jpgIm vom Waschhaus Potsdam betriebenen "Kunstraum Potsdam" werden in etwa monatlichem Abstand Ausstellungen gezeigt. Einen Überblick bietet die Seite www.waschhaus.de, ansatzweise auch http://kunstraumpotsdam.de. Zu finden hier.

In der ebenfalls vom Waschhaus zusammen mit der fabrik Potsdam betriebenen Einrichtung "Potsdam tanzt! im Studiohaus Schiffbauergasse finden sich in den ehemaligen Reitställen vier große Tanzstudios, in denen die unterschiedlichsten Tanz- und Bewegungskurse angeboten werden. Außerdem wird hier entwickelt und geprobt und man bietet Workshops an. Infos unter http://potsdam-tanzt.de.

P_Schiffbauergasse_Fluxus+.jpg
Das "museum FLUXUS+" zeigt moderne Kunst, schwerpunktmäßig Bilder der Fluxus-Bewegung und von Wolf Vostell. Wechselnde Ausstellungen, Musikveranstaltungen und Kunstvermittlungsangebote ergänzen das Angebot. Nähere Infos hier.

Das Internationale Theaterzentrum Potsdam, T-Werk genannt, bietet Künstlern geeignete Produktions- und Präsentationsbedingungen und dem Publikum ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm, zu dem Musiktheater, Schauspiel, Masken- und Figurentheater ebenso gehören wie Konzerte, Lesungen und Workshops. Etliche Angebote richten sich an Kinder, es werden aber auch wiederkehrenden Festivals und lange Nächte veranstaltet, so das internationale Theaterfestival UNIDRAM, die Potsdamer Märchennacht und die Lange Nacht der Freien Theater. Infos zum Programm finden Sie hier. 

Schließlich gibt es noch die 1823 als Reithalle entstandene und unter Senkmalschutz stehende Schinkelhalle, die von allen als Veranstaltungsort und Eventlocation gemietet werden kann. Ihre 700 Quadratmeter große Fläche ist für die verschiedensten Anlässe nutzbar, für Kongresse oder Konzerte ebenso wie für Partys oder andere Großveranstaltungen. Infos unter www.schinkelhalle.de.

Insgesamt liefert das "Erlebnisquartier Schiffbauergasse" vielen Kunstschaffenden die Möglichkeit, sich produktiv zu betätigen - und vielen Besuchern die Chance zu bester Unterhaltung und vergnüglichem Zeitvertreib. Schauen Sie sich um, was hier wann los ist, und genießen Sie die Angebote des erstaunlichen Quartiers - oder lernen Sie es kennen. Dass auch noch die Lage am Wasser nicht schöner sein kann, verschiedene gastronomische Angebote vorhanden sind und in der wärmeren Jahreszeit auch Openair- Veranstaltungen stattfinden, macht den Standort noch interessanter. Es gibt noch mehr Ziele in Potsdam als Schlösser und Gärten, Innenstadt und Filmpark.   my

 

 
veröffentlicht 08. 02 2016 14:53
Trackback | Permalink | 0 Kommentar(e) anzeigen | Kommentar eingeben
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de