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Grenzen der Stadterweiterung

Hält man am Bahnhof Zehlendorf, kann man einen zweiten Bahnsteig sehen. Bäume und Sträucher, die schon darauf wuchsen, hat man irgendwann entfernt, ein Zug ist hier aber schon seit 1980 nicht mehr gefahren. Dabei war die Stammbahn, als sie 1838 (vor 178 Jahren!) eröffnet wurde, die erste Eisenbahnstrecke in Preußen.

Aber nicht nur deshalb kommt immer wieder die Frage auf, ob man den Betrieb hier nicht wieder aufnehmen sollte. Der Bund stellt zwar keine Mittel zur Verfügung, aber das Land Brandenburg prüft immerhin die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Stammbahn wiederzubeleben - als S-Bahn von Zehlendorf nach Kleinmachnow, als S-Bahn bis nach Potsdam oder als Regionalbahn nach Potsdam.

Und es gibt noch weitere Planspiele. So sprach sich Alexander Kaczmarek, der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn, bei einer Diskussionsveranstaltung am 10. Mai im Rathaus Zehlendorf zum Thema „Zukunft für die Stammbahn?“ dafür aus, dass Berlin und Brandenburg zumindest die Planung für den Wiederaufbau der Strecke bis zur Genehmigungsreife vorantreiben sollten – dass der Bund keine Mittel zur Verfügung stellt, könnte sich ja ändern. Harald Wolf, der verkehrspolitischer Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, erklärte dazu passend, dass man die Planung der Stammbahn als Regionalstrecke finanzieren würde, trüge man nach der Wahl im September Regierungsverantwortung. Die Berliner SPD hat sich schon vorher für eine Regionalstrecke vom Potsdamer Platz über Steglitz und Potsdam nach Werder ausgesprochen und der Kleinmachnower Bürgermeister Michael Grubert ist natürlich dafür, dass seine Gemeinde einen Schienenanschluss bekommt.

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Bahnsteig, seit 36 Jahren nicht genutzt.                                                               Foto: Martina Ulrich

Vieles davon könnte seinen Grund allerdings darin haben, dass der Kreisvorsitzende der Steglitz-Zehlendorfer CDU Thomas Heilmann den Vorschlag machte, auf der Trasse einen „Fahrrad-Highway“ einzurichten. Das klingt für Fahrradfahrer gut, würde aber bedeuten, dass es viel schwieriger würde, die Bahnstrecke wiederzubeleben. Dies wiederum könnte man verhindern, wenn die Fahrradpläne erst mal stillgelegt werden.

Nun ist Berlin nach vielen Jahrzehnten bevölkerungsmäßig wieder auf Wachstumskurs. Je mehr Menschen hier leben, desto besser muss auch der öffentliche Nahverkehr funktionieren, und Verbindungen ins Umland ermöglichen neue Baugebiete - die Freiflächen in der Innenstadt werden mit Sicherheit seltener.

Und so betrachtet hat die Diskussion um die Stammbahn einen weiteren Haken. Sie verspricht zwar kürzere Fahrzeiten in die Stadt, steuert aber keine neuen Ziele an. Nach Potsdam kann man schon mit Regional- und S-Bahn fahren, und ob die Kleinmachnower einen Regionalbahnhof überhaupt bekommen und nutzen würden, ist fraglich.

Ein weiterer Vorschlag brächte da viel mehr: Der sogenannte Ringschluss der S-Bahn zwischen dem bisherigen Endbahnhof Teltow und dem Bahnhof Wannsee. Er würde die frühere Friedhofsbahn nutzen und für eine bessere Anbindung der Gemeinden Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow sorgen. Der klare Vorteil: Hier würde auf sehr großen Flächen der Wohnungsbau attraktiver. Der Nachteil: höhere Kosten für die Bahn. Die hält sich hier deshalb zurück, hat sich aber immerhin wohl mit Kleinmachnow geeinigt, dass die Gemeinde die noch bestehende Trasse der Friedhofsbahn abkauft; die Bahn darf dafür die Brücke über den Teltowkanal abreißen – die wäre aber für die Schifffahrt wohl sowieso zu niedrig.

Die Lage ist also ein wenig verworren. Allerdings gibt es seit langen Jahren viele Pläne und Vorschläge und jetzt sind im September auch noch Wahlen - Entscheidungen sind also wie in dem vergangenen Vierteljahrhundert nicht angesagt. Und ein Planfeststellungsverfahren dauert sowieso mindestens zehn Jahre ...       my

veröffentlicht 13. 05 2016 16:18
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