Home

Das Wasserwerk am Müggelsee

In der kalten Jahreszeit hat man vielleicht weniger Interesse für Wasser als im Sommer, ein Wasserwerk als Ausflugsziel kann aber dennoch interessant sein - schließlich braucht man sich dort kaum ins Freie zu begeben und man bekommt eine Menge Technikgeschichte geboten. Wer Letzteres spannend findet, sollte einmal den Weg an den Müggelsee in Kauf nehmen und sich dort ein einzigartiges Denkmalensemble ansehen, das Alte Wasserwerk Friedrichshagen.

Betrieben wird das Museum vom Verein Berliner Unterwelten, der sich nicht nur um den Erhalt und die Besuchsmöglichkeiten unterirdischer Bauten kümmert, sondern auch ein umfangreiches Kultur- und Bildungsangebotes pflegt.Vor gut zwei Jahren übernahm er das Museum im Alten Wasserwerk von den Berliner Wasserbetrieben, bewahrte es damit vor der drohenden Schließung und kann nun allen Technik-, Geschichts- und Architekturinteressierten ein lohnendes Ziel bieten.

Das dritte Wasserwerk der Stadt ging nach Vorläufern am Stralauer Tor (1856) und in Tegel (1877) im Jahr 1893 in Betrieb. Und es war damals absolut notwendig: Die Bevölkerung Berlins war unglaublich angewachsen - von 820 000 im Jahr 1871 auf gut 1,6 Millionen in zwei Jahrzehnten -, und entsprechend viel Wasser wurde gebraucht. Dass das feuchte Element zuvor meist über Pumpen im Hinterhof besorgt wurde, also nur wenige Meter von den Plumpsklos entfernt, machte wegen der damit verbundenen regelmäßigen Seuchen neue Wasser- und Abwassereinrichtungen notwendig. Und man fand mit dem englischen Ingenieur Henry Gill, der auch erster Direktor der Städtischen Wasserwerke wurde, den richtigen Fachmann. Er schuf zusammen mit dem Architekten und Stadtbaumeister Richard Schultze das damals größte und modernste Wasserwerk seiner Art in Europa - und das im Stil des märkischen Backsteinbaus.

Wasserwerk_Friedrichshagen_my_Dampfmaschinen.jpg
Sichtbare Teile der bis 1979 betriebenen Dampfmaschinen im Förderhaus. Fotos: my

Am Anfang wurde nur Wasser aus dem Müggelsee zu Trinkwasser aufbereitet. Man pumpte es mit gewaltigen Dampfmaschinen, die man sich noch heute ansehen kann, aus dem See - eine der Maschinen kann man bei Führungen noch in Bewegung versetzen, elektrisch allerdings, nicht mit Dampf.  Nach der Jahrhundertwende förderte man dann auch Grundwasser, wodurch die Kapazität auf 320.000 Kubikmeter "Mischwasser" pro Tag stieg (1927). Gleichzeitig modernisierte und elektrifizierte man die Anlagen, und die waren gewaltig - es gab sechs Maschinenhäuser, 34 Langsamsandfilter, vier Rieseler- und zahlreiche Nebengebäuden für die Trinkwassergewinnung. Auf dem 55 Hektar großen Areal befanden sich außerdem vier Wohnhäuser für die Angestellten.

Mit dem Neubau zweier Grundwasserwerke in Friedrichshagen 1979 und 1983 wurde die Wasserförderung und -aufbereitung mehr und mehr dorthin verlagert. Die letzte Dampfmaschine wurde dennoch erst 1979 außer Betrieb genommen, die Seewasserförderung wurde schließlich 1991 eingestellt - nach dem Ende der DDR wurde auf das belastete Oberflächenwasser verzichtet.

Wasserwerk_Friedrichshagen_my.jpg
Als technische Bauten noch gut aussehen sollten: Zwei der drei direkt am Müggelsee gelegenen Wasserwerks-Gebäude ...

Ein Großteil der Gebäude und Flächen des alten Wasserwerks nördlich des Müggelseedamms werden nicht genutzt, nur in einem der stillgelegten Schöpfmaschinenhäuser direkt am See befindet sich seit 1987 das "Museum im Alten Wasserwerk", das seit 2014 vom Verein Berliner Unterwelten betrieben wird. Zu sehen ist hier nicht nur das spannende Förderhaus mit seinen drei "doppeltwirkenden Verbundkolbendampfmaschinen" aus dem Jahre 1893, sondern auch die bei Ziehbrunnen beginnende Geschichte der Wassergewinnung, bei der der Zusammenhang von Wasser, Hygiene und Stadtentwicklung deutlich wird.

Alles über die Öffnungszeiten, Führungen und Eintrittspreise erfährt man unter 
www.berliner-unterwelten.de
oder hier.

veröffentlicht 07. 11 2016 11:59
Trackback | Permalink | 0 Kommentar(e) anzeigen | Kommentar eingeben
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de