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Fliegende Pläne

In den Hallen am Borsigturm eröffnete eine Ausstellung zum städtebaulichen Wettbewerb um das Schumacher Quartier, also zu der Bebauung des östlichen Teils des Flughafens Tegel. Und während die Senatspressestelle die Planungen schon in der Überschrift als "Smart, innovativ, bezahlbar" lobt, fragen sich immer mehr Menschen, wie die Stadt denn mit einem einzigen Flughafen zurechtkommen soll, der schon zu klein ist, wenn er eines Tages eröffnen wird.

Doch erst einmal zu der Ausstellung, die Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel am Mittwoch eröffnete. Die Senatsverwaltung und die Tegel Projekt GmbH hatten einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der vom Büro 'scheuvens + wachten plus planungsgesellschaft mbH' aus Dortmund gewonnen wurde. Die Architekten dachten sich einen Stadtteil aus, in dem sich klassische, hier meist im Viereck angeordnete Vorort-Blocks um einen zentralen Park gruppieren. Schön grün soll das Wohnquartier für etwa 10.000 Menschen werden, und wenn man den Planzeichnungen glaubt, ist kaum mit Autos zu rechnen. Auch das Autobahnstück von der Auffahrt Scharnweberstraße zum Kurt-Schumacher-Damm ist in der Planung verschwunden.
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Der Entwurf der scheuvens + wachten plus planungsgesellschaft mbH aus Dortmund.  Die Blickrichtung ist etwa Ost-Nordost, am linken hinteren Ende liegt der Kurt-Schumacher-Platz.

Das Quartier ist insgesamt 48 Hektar groß und grenzt an den Kurt-Schumacher-Platz und an den U-Bahnhof Scharnweberstraße. In der Mittel liegt ein großer Quartierspark, der nicht nur als Freizeit- und Naherholungsraum dienen, sondern auch über Grünzüge mit der Tegeler Stadtheide, den benachbarten Quartieren, dem Kurt-Schumacher-Platz und dem zukünftigen Urban Tech Republic Gelände verbinden soll. Große Rasenflächen, ein "Baumfilter“ im Norden und Sport- und Spielflächen sowie Gartenparzellen im Süden bestimmen das Bild (im Modell rechts).

Auch zwischen dem U-Bahnhof Scharnweberstraße und der Julius-Leber-Kaserne (Nordtor) soll eine grün gestaltete Spange mit öffentlichen und privaten Einrichtungen entstehen (im Bild die grüne Spange von links nach rechts). Hier sollen auch zwei Schulen mit den zugehörigen Freiflächen entstehen, und am westlichen Rand (im Bild also unten) werden auss den Blöcken "Stadtvillen". "Entsprechend der Lagewertigkeiten entwickelt sich das Gesamtgebiet in unterschiedliche Quartiersbereiche mit jeweils eigenen Prägungen", teilte die Senatsverwaltung mit, "es entstehen vielfältige Wohnquartiere in unterschiedlicher Größe, Körnung und Dichte sowie eine vielfältige räumliche Anordnung von Freiräumen und Aufenthaltsflächen." Zu sehen sind die städtebaulichen Entwürfe des Wettbewerbs in den Borsig-Hallen noch bis zum 13. Juli dieses Jahres. Nachlesen kann man die Planungen des Sieger-Entwurfs hier.

Unterstützung für den Flughafen

Angesichts der wachsenden Wohnungsnot kommt ein neues Wohnviertel immer gut an, doch gibt es nicht nur einen Bedarf nach Wohnraum, sondern auch nach der nötigen Infrastruktur. Dass der Kfz-Verkehr reduziert werden soll, ist bekannt. Der Wunsch, auch den Flugverkehr einzudämmen, wurde bisher aber von noch keinem in dieser Stadt politisch Verantwortlichen ernsthaft geäußert. Dabei könnte das Fliegen in Berlin bald schwierig werden - der Flughafen Schönefeld soll einmal 27 Millionen Passagiere im Jahr verkraften (wenn er fertig ist), 2014 zählte man an den Berliner Flughäfen schon 28 Millionen Passagiere. Und die Stadt wächst, die Berliner verreisen gerne und Migranten wollen immer mal wieder ihre alte Heimat besuchen. Nicht umsonst enstand das Volksbegehrens „Berlin braucht Tegel“.

Und das startete recht erfolgreich, die nötigen 20.000 Unterschriften für die erste Stufe kamen relativ schnell zusammen. Leider wird es aber parteipolitisch genutzt, denn treibende Kraft im Voksbegehren ist Sebastian Czaja, der Spitzenkandidat der Berliner FDP, die im September wieder ins Abgeordetenhaus einziehen will. Nun halten sich Vertreter anderer Parteien zumindest bis zu den Wahlen im Herbst zurück und werden sich kaum für den Erhalt des Flughafens aussprechen - es gibt aber durchaus andere Meinungen; so sprach sich der ehemalige Regierende Eberhard Diepgen vor knapp zwei zwei Jahren für die Offenhaltung Tegels aus.

Nach der ersten Stufe des Volksbegehrens wies der Senat die Forderung, Tegel nach Eröffnung des BER weiterzubetreiben, Ende Mai zurück und das Abgeordnetenhaus muss sich bis September mit dem Thema befassen. Nimmt es den beantragten Gesetzentwurf nicht an, verlangt die Initiative „Berlin braucht Tegel“ die zweite Stufe des Volksbegehrens, bei der 174.000 Unterschirften gesammelt werden müssten. Dann sind aber die Wahlen vorbei und der Senat muss helfen - man kann seine Stimme dann zum Beispiel in den Bürgerämtern abgeben. Ob sich genug Berliner für den Flughafen einsetzen, bleibt also durchaus eine spannende Frage.

Vertreter der regierenden Parteien verweisen bisher übrigens gerne darauf, dass Tegel nach der Rechtslage gar nicht offengelassen werden könne. Wie es rechtlich möglich wäre, erklärt Sebastian Czaja (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Mario, dem Sozialsenator/CDU) hier. Allgemeine Infos findet man bei www.berlin-braucht-tegel.de.

veröffentlicht 30. 06 2016 14:41
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