Home

Neuköllner Norden – ein virtueller Spaziergang

Dubios und charmant -  verwahrlost aber gesucht: Neukölln ist in Bewegung, so hört und liest man es allerortens.

Im Heimathafen beginnt mein nostalgischer Rundgang. Ein bekannter Ort mit neuem Anstrich, der mich trotzdem immer noch verwundert: Irgendwie hat der Saalbau, der seit dem 1. April 2009 vom Heimathafen betrieben wird, den Charme einer Bastion, das Tor vor der Rixdorfer-Insel; ich stelle mir jedesmal die Frage, wenn ich z.B. im Cafe Rix sitze und die merkwürdigen Bilder anschaue, wo wohnen eigentlich die Leute, die hier her kommen? Das war aber immer schon so – auch schon vor 10 Jahren, als der Name ‚Kreuzkölln’ noch wildes Augendrehen verursacht hätte. Und wer geht in diese Oper? Überhaupt, eine Oper an diesem Ort? Wie kann das gehen. Na gut, spaziert man etwas weiter nördlich, steht man gleich im Körnerpark und kriegt das Gefühl, wow, dass ist ja eine richtig gediegene Architektur hier – ganz ähnlich vielleicht wie im Rudolf-Wilde-Park am Rathhaus Schöneberg. Hier könnte man es aushalten. Aber – schaut man etwas genauer hin, wer das so sitzt auf den Bänken und auf dem Rasen, da weiß man gleich wieder wo man ist.

Die Hermannstraße – hat sich hier etwas verändert? Kik und Co und die türkischen Läden gibt’s noch immer, wie gewohnt laut und heruntergekommen. Bei Papa’s, bei den Friedhöfen, ja die großen Pommes sollte man schon mal probiert haben als Neu- oder Kreuzköllner, wenn man es denn mit den Typen, die da so rumstehen wirklich aufnehmen will, und nicht doch gleich wieder ängstlich umdreht. Wirklich echt erstaunlich ist aber eigentlich der Laden gleich nebenan: Seit immerhin 1884 ist der Zauberkönig als Fachgeschäft für Magie weit über die Grenzen des Bezirks hinaus bekannt.

Spaziert man weiter die Leinestraße entlang in Richtung Tempelhofer Feld ist man gleich in medias res Quartier Schiller-promenade. So etwa vor 6-7 Jahren wurde hier investiert; der Grünstreifen in der Schillerpromenade wurde hergerichtet, hin und wieder merkwürdige Tafeln aufgestellt und die Genezereth-Kirche funktionierte ihren Gemeindesaal in das Cafe Selig um. Rund um den Herrfurthplatz kriegt man an einem sonnigen Sonntag keinen Parkplatz mehr – zu viele Parkhungrige. Es gibt sie aber immer noch die Dartkneipen und zweifelhafte Bars wie in der Allerstr, wo man, wenn man werktags morgens um 8Uhr dran vorbeiläuft nicht sicher sein kann, schon oder noch.

Eines jedenfalls hat die ganze Sache mit Rütli und Co. auf jeden Fall bewirkt: Die Website-Dichte der Kieze in der Umgebung ist ungemeint hoch:

Und wer weiß, wie viele noch…

In der Beziehung hängt Neukölln auch einen Bezirk wie Wilmersdorf locker mal eben ab: Die Google-Suche nach Websites, die den Bezirksnamen in ihrem Title tragen (allintitle:name), spricht eine eindeutige Sprache:

  • Neukölln 419.000
  • Wilmersdorf: 241.000
(dr)
veröffentlicht 26. 05 2011 13:09
Trackback | Permalink | 0 Kommentar(e) anzeigen | Kommentar eingeben
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de