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Wo man hinfahren kann, wird auch gebaut

Berlin wächst, auf jeden Fall in Bezug auf die Zahl der Einwohner. Der Wohnungsbau und die dazugehörige Infrastruktur können damit nicht mithalten, und in der Verkehrspolitik glaubt man vor allem an den Segen von Straßenbahnen und Fahrrädern. Im Umland sieht dies ein wenig besser aus - hier ziehen immer mehr Berliner hin, die es sich leisten können und die Gemeinden wachsen, weil gebaut wird. Die Verkehrsmittel können aber auch hier nicht unbedingt mithalten. Die Entstehung einer neuen Bahnlinie dauert hierzulande einfach Jahrzehnte: Bis man mit der S-Bahn nach Teltow fahren konnte, schrieb man das Jahr 2005, und über das Drama mit der nicht nutzbaren Dresdner Bahn in Richtung nicht nutzbarer Flughafen mag man gar nicht nachdenken.

In letzter Zeit kommt aber wieder etwas Bewegung in verkehrspolitische Diskussionen. So werden die Verlängerungen der S-Bahn nach Nauen und nach Rangsdorf (Teltow-Fläming) befürwortet. Die erste preußische Eisenbahn, also die zwischen Zehlendorf und Griebnitzsee stillgelegte, nach Potsdam führende Stammbahn, hat laut aktuellen Verkehrsprognosen vielleicht wieder eine Chance und auch der sogenannte Ringschluss, also die Verlängerung  der Teltower S-Bahn über Stahnsdorf bis nach Wannsee wird immer weiter gefordert.

Im Auftrag der brandenburgischen Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) legte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) Ende vergangenen Jahres eine Studie zur Nutzung der Schienenwege zwischen Berlin und dem Umland vor. Sie lässt nur den Schlusss zu, dass mehr für den Nahverkehr getan werden muss, und das fordert nicht nur die Ministerin, sondern auch alle betroffenen Umland-Kommunen. Für Gemeinden wie Stahnsdorf käme ein Bahnanschluss (den es hier bis 1961 gab) schließlich einem Investitionsprogramm gleich - er würde ein ungeheures Wachstumspotential erschließen. 

Nicht ohne Grund wurden die Trassen, die man jetzt für eine Verlängerung der S-Bahn benötigen würde, seit Jahren nicht bebaut. Vor einigen Tagen kaufte die Gemeinde Stahnsdorf sogar gut sieben Hektar Friedhofsbahn-Trasse und Kleinmachnow will auf seinem Gebiet auch ehemalige Bahnflächen erwerben. Beide Gemeinden wollen sich die Chance auf eine künftige Bahnanbindung also erhalten.

Bahnhof mit Gleis.jpg
Das Bild vom neuen Bahnhof am Stahnsdorfer Südwestkirchhof entstand 1913, also vor mehr als 100 Jahren in einer Zeit, als Bauen noch eine Selbstverständlichkeit war. Wir entnahmen die Aufnahme einem Leserbrief, der die Geschichte der Friedhofsbahn erläutert und ihren Erhalt fordert. Hier zu lesen.

In einer von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie wäre der Ringschluss technisch auch problemlos möglich. Beginnen könnte man mit der Verlängerung der S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf, für die vier Kilometer bräuchte die Bahn keine vier Minuten - womit auf einem Gleis alle zehn Minuten ein Zug fahren könnte. Die Kosten für den gesamten Abschnitt, also für Strecke, Bahnhof, Anbindung und Park-&-Ride-Flächen würden allerdings zwischen 53 und 57 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen zwei weitere, fünf und zwei Kilometer lange Abschnitte, die mit gut 140 Millionen zu Buche schlagen, und in der Summe ist das natürlich ein güter Grund für längeres Planen und Überlegen. Ob und wann das Land Brandenburg die Strecken bei der Bahn in Auftrag gibt, bleibt also bis auf Weiteres unklar. Und dann vergeht von der Genehmigung und der Ausschreibung immer noch ein Jahrzehnt, bis eine Bahn fährt. Nur Fliegen geht schneller ...

 

 

veröffentlicht 13. 01 2017 16:04
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