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Dauerhafte Bauarbeiten

Dass an Bahnhöfen gebaut wird, daran kann man sich gewöhnen. Am Ostkreuz beobachtet man seit Jahren, wie der Bahnhof nach und nach immer fertiger wird, das Umsteigen geht auch immer bequemer. Der zweite große Weg nach Friedrichshain über die Warschauer Straße ist ebenfalls in ständigem Wandel begriffen - nur hat man das Gefühl, hier geht es noch langsamer.

Irgendwie machte der Bahnhof schon immer einen verbesserungsbedürftigen Eindruck, spätestens seit 2004, als man das alte Eingangsgebäude sperren und dann abreissen musste, ist er aber ein Provisorium. Man baute einen vorläufigen, 134 Meter langen Zugang zu den Bahnsteigen A und B sowie zum Treppenturm des Bahnsteigs C, der bis zur Fertigstellung eines neuen Bahnhofsgebäudes genutzt werden sollte. Die Arbeiten an einem Neubau begannen dann aber erst im Jahr 2012, der S-Bahnverkehr wurde an den alten Erkner-Bahnsteig verlegt und seitdem hat man hier manchmal interessante Ausblicke. Dabei sollen nur zwei neue Bahnsteige entstehen und ein neues Zugangsgebäude - ist doch eigentlich gar nicht so viel.

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Zurzeit wird im Bahnhof an der Warschauer Straße fleißig das Eingangsgebäude betoniert, während die S-Bahn-Züge an dem Bahnsteig links von der Baustelle halten. Dort kann aber erst weitergebaut werden, wenn der in der Bildmitte liegende Bahnsteig fertig ist ...     

Der Bahnhof Warschauer Straße wird übrigens von ziemlich vielen Menschen genutzt - 85.000 sollen es am Tag sein, die hier zwischen U-Bahn, Tram und S-Bahn wechseln oder auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz oder ihrer Wohnung sind. Zu späterer Stunde kommen dann noch massenhaft Leute, die in die Kneipen der Umgebung oder in die Clubs auf dem RAW-Gelände wollen - und die Zahl der gastronomischen Betriebe in Friedrichshain hat bisher eine Steigerungsrate hingelegt, die allen Freunden steten Wachstums große Freude bereitet.

Der neue Zugangsbahnhof wurde indes 2005 geplant. Der Entwurf von Dörr Ludolf Wimmer Architekten, Berlin, lehnt sich von der Lage her an die alte Lösung an: Von der Warschauer Brücke kommt man über eine vier Meter breite Vorplatzplatte in den Bahnhof, dazu gibt es einen seitlichen Ausgang in Richtung des U-Bahnhofs. Auf Wunsch des Landes soll auch eine rund 28 Meter lange Verlängerung der Fußgängerbrücke vom U-Bahnhof in Richtung O2-Arena entstehen, um eine direkte Verbindung zwischen U- und S-Bahn zu schaffen. 

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So soll das Bahnhofsgebäude einmal aussehen. Wenn es fertig ist. 

Von dem Bahnhofsgebäude gibt es je zwei Treppen, eine Rolltreppe und einen Aufzug zu den beiden S-Bahnsteigen, die damit auch stufenlos erreichbar sind. Und die Bahnsteige werden wie am Ostbahnhof und am Ostkreuz in Zukunft Richtungsbahnsteige sein: Am südlichen Bahnsteig fährt man stadtauswärts, am nördlichen in Richtung Innenstadt. Allerdings kann man dabei im Regen stehen - die 152 Meter langen Bahnsteige sind nur gut zur Hälfte überdacht. 

Dass in dem Bahnhofsgebäude Kioske entstehen, in denen Zeitungen und Proviant verkauft werden, ist klar. Ungewöhnlich ist aber, dass auf der östlichen Seite auf zwei Ebenen Platz für einen Gastronomiebetrieb geschaffen wird. Man wird von hier einen Blick über das RAW Gelände, die Bahnanlagen und die Wohngegend bis zum Ostkreuz haben.

Nun steht die Frage im Raum, wann der Bahnhof fertig ist. Die Bahn weist auf den Zusammenhang mit dem Ostkreuz hin, da die Gleisanlagen von dort zum Ostbahnhof komplett neu aufgebaut werden und die Inbetriebnahme der Bahnsteige im Bahnhof Warschauer Straße von der gesamten Strecke abhängig ist. Im August 2017 soll ein neues elektronisches Stellwerk für den Abschnitt in Betrieb gehen und man will die Züge in der Warschauer Straße an dem neuen südlichen Bahnsteig halten lassen; der derzeit genutzte nördliche Bahnsteig kann dann baulich fertiggestellt werden. 

Im Bahnhof Warschauer Straße sollen wie in den Nachbarbahnhöfen künftig alle stadtauswärts fahrenden S-Bahnen am südlichen Bahnsteig halten, die S-Bahnen stadteinwärts am nördlichen. Für diesen "Richtungsbetrieb"  gibt es aber noch eine Voraussetzung: den Abschluss eines Planfeststellungsverfahrens am Ostbahnhof. "Zurzeit läuft ein Baugenehmigungsverfahren, dass die Aufweitung der S-Bahngleise am Ostkopf des Ostbahnhofes zum Ziel hat", erklärt Michael Baufeld, der bei der Bahn für die Kommunikation in Sachen Infrastruktur zuständig ist.

Das Problem am Ostbahnhof sind neue Vorschriften, nach denen die Abstände zwischen den Gleisen sowie zwischen Gleisen und Bauwerken/Geländern/Mauern etc angepasst, also vergrößert werden müssen. Dazu muss von der Koppenstraße aus eine neue Stützmauer errichtet werden, um oben auf dem Gleisfeld mehr Platz zu schaffen. "Wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, können die Bauarbeiten innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden", schreibt Michael Baufeld. Mit dem angestrebten Bahnbetrieb am Bahnhof Warschauer Straße dauert es also noch mindestens bis zum Jahr 2018 ...      my

veröffentlicht 12. 02 2016 15:25
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