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Es fehlen bezahlbare Wohnungen – immer mehr

Der "Stadtentwicklungsplan Wohnen" der Senatsbauverwaltung beziffert den Bedarf an neu zu bauenden Wohnungen in Berlin bis 2025 mit rund 137.000 Wohneinheiten. Nun enthält der aufgrund der gewachsenen Zuzüge korrigierte Plan sicherlich richtige Zahlen, er sagt aber nichts über Kosten und Preise aus – und gebaut wird vor allem teurer Wohnraum. Diese Lücke schließt eine empirische Studie über die soziale Wohnungsversorgung in Berlin, die die Linke in Auftrag gegebenen hatte und deren Ergebnisse sie gerade bekanntgab. Diese sind allerdings relativ deprimierend.

Gefragt wurde, wie viel „angemessenen“ Wohnraum es gibt, also Wohnungen, die sich auch Bewohner mit unterdurchschnittlichen Einkommen leisten können. Das Ergebnis, zu dem der Soziologe Andrej Holm von der Humboldt-Uni gekommen ist, kann man so zusammenfassen: Selbst wenn alles, was derzeit gebaut wird, mietpreisgebundene Sozialwohnungen wären, könnte dies den bestehenden Bedarf nicht decken.

Die Untersuchung rechnet in Berlin mit 350.000 Hartz IV-beziehenden Bedarfsgemeinschaften sowie weiteren fast 300.000 Haushalten mit geringen Einkommen, die „angemessene Wohnungen“ brauchen, die sie auch bezahlen können. Wobei als angemessen gilt, wenn die Sozialämter die Kosten der Wohnung bei Hartz IV-Beziehern übernehmen.

Nun nennt Holm zwar die relativ große Zahl von 875.000 Berliner Wohnungen, die unterhalb der Bemessungsgrenzen liegen, aber alle Berlinerinnen und Berliner wollen möglichst günstig wohnen, nicht nur Stütze-Bezieher und schlecht Verdienende.

Hinzu kommt, dass sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt für Mieter immer weiter verschlechtert. So ging es mit der in der Studie errechneten „Wohnraumversorgungsquote“, die das Verhältnis von gesuchten zu vorhandenen Wohnungen beschreibt, stetig bergab. Sie lag im Jahr 2000 bei 102 Prozent und hat sich bis 2014 auf 95 Prozent gesenkt, vor zwei Jahren haben nämlich 1,96 Millionen Haushalte eine Wohnung gebraucht, ihnen standen aber nur knapp 1,86 Millionen Wohnungen gegenüber. Daraus ergibt sich in der Studie, dass es eigentlich mehr als 100.000 Wohneinheiten mehr geben müsste, wozu noch mindestens 25.000 Wohnungen für geflüchtete Menschen kommen und mittel- bis langfristig weitere 110.000 altersgerechte und barrierefreie Wohnungen nötig sind – die Leute werden ja immer älter.

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In einen Altbau ziehen kann man nur noch mit größerer Brieftasche ...                               Foto: my

Gleichzeitig geht die Zahl der Angebote aber immer weiter zurück. Wurden 2007 noch 210.000 Mietwohnungen angeboten, waren es 2015 nur noch etwa 80.000. Man zieht nur noch aus, wenn man unbedingt muss, und neue Angebote kommen wenig hinzu. So stieg bei Immobilienscout24 der Anteil der Eigentumswohnungen im selben Zeitraum von einem guten Viertel auf fast zwei Drittel.

Wirft man dann noch einen Blick auf die Miethöhen, landet die Laune im Keller, wenn man kein Wohneigentum besitzt. Und der Soziologe weist in seiner Untersuchung darauf hin, wie unterschiedlich sich die Mietsteigerungen auf verschiedene Regionen in der Stadt auswirken: Die 20 Postleitzahl-Gebiete mit den höchsten Mieten lagen alle in der Innenstadt, die mit den niedrigsten Mieten in den Randbezirken. Marzahn statt Kreuzberg, dieser Weg wird für viele Berliner vor allem mit geringem Einkommen immer wahrscheinlicher.

Die Studie findet man hier. 

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veröffentlicht 15. 06 2016 15:00
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