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Früher Entwurf von Lenné entdeckt

Berliner Denkmalpflegerin wurde im ungarischen Nationalarchiv in Budapest fündig

Mit dem Grad der Anerkennung wächst die Beachtung, die einem Mensch zuteil wird, und je berühmter ein Vertreter seiner Zunft, desto intensiver wird er auch untersucht. Umso erstaunlicher ist es, wenn man einen völlig unbekannten Entwurf von Peter Joseph Lenné findet, was gerade im Budapester Nationalarchiv gelang. Forschungen zur Geschichte von europäischen Stadtparks am Fachgebiet Denkmalpflege der TU Berlin führten zu der Entdeckung; Lenné hatte sich 1813 als damals noch junger arbeitssuchender Gärtner an einem Landschaftsarchitektur-Wettbewerb beteiligt und einen Entwurf zur Umgestaltung des Pesther Stadtwäldchens eingereicht.

Den Wettbewerb untersucht hatte Dr.-Ing. Sylvia Butenschön, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Denkmalpflege des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte öffentlicher Grünflächen und untersuchte auch den Stadtpark in Pest, für den ein freiraumplanerischer Wettbewerb lief. Dieser wurde von Heinrich Nebbien (1778 – 1841) gewonnen, die Arbeiten der anderen Teilnehmer verschwanden in den Akten des ungarischen Erzherzogs Palatin Joseph und gerieten in Vergessenheit – darunter auch der Entwurf von Peter Joseph Lenné.
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Der 1813 von Peter Joseph Lenné erstellte Entwurf zur Umgestaltung des Pesther Stadtwäldchens     © TU Berlin/ISR/FG Denkmalpflege


„Wir verdanken die Entdeckung aber zu einem großen Teil den Recherchen von Miriam Meyer", erklärte Sylvia Butenschön, "die Studentin im Studiengang Landschaftsarchitektur schrieb ihre Masterarbeit über den Entwurf von Nebbien zum Stadtwäldchen. Die Suche nach historischen Plänen des ausgeführten Parks brachte erstaunlicherweise weitere Wettbewerbsentwürfe hervor.“

Interessant für die Denkmalpflegerin ist aber vor allem, dass Lennés  Plan schon eine ganz eigene Formensprache zeige und man schon die Eleganz seiner bekannten Entwürfe sehe. „Zum Beispiel erschließen die Wege das über 100 Hektar große Gelände in weich geschwungenen Bögen. An Übergängen zu Platzflächen weiten sich die Wege sanft trichterförmig auf, Gebäude stellt Lenné in der Regel frei auf die Platzflächen." Wie wir es aus Potsdam kennen, hängen bei dem Meister des preußischen Gartenbaus Wegeführung und Topographie einfach zusammen, und das sieht man sogar auf der Zeichnung: Durch getönte und schraffierte Flächen erkennt man Hügel, die man erst anlegen müsste. „Diese Bodenmodellierung sollte sicherlich aus dem Aushub des geplanten großen Sees entstehen“, erklärte Butenschön.

Man erkennt auf der Zeichnung sogar einzelne Baumarten und sieht genau, wo Nadel- und wo Laubhölzer stehen sollten – die zeigen farblich schon ihre Herbstfärbung. „In seinem heiteren Charakter ist der Plan von großer Schönheit", findet Sylvia Butenschön denn auch. "Man hätte dem jungen Gartenkünstler den Gewinn des Wettbewerbs durchaus gewünscht!“

veröffentlicht 25. 07 2017 09:03
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