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Wohnungsbau in Berlin derzeit rückläufig

Die Mitteilungen des Statistischen Landesamtes sind nicht immer erfreulich. Eine Pressemitteilung vom 10. Mai hat zum Beispiel die Überschrift "Weniger Wohnungsneubauten in Mehrfamilienhäusern in Berlin". Dabei ist die Versorgung mit genügend bezahlbarem Wohnraum eigentlich das Hauptproblem der Stadt. Und was kann man am gleichen Tag in den Zeitungen lesen? "Mieten in Berlin steigen um bis zu zehn Prozent", schreibt der Tagesspiegel, "Neuer Mietspiegel: Die Preise in Berlin explodieren" die Berliner Zeitung. Interessant sind auch die Leserreaktionen in der BZ zum Thema Mietsteigerungen: Unter den Antwortmöglichkeiten "wütend", "traurig", "informiert", "unterhalten" und "erstaunt" entscheiden sich fast alle für die ersten beiden Reaktionen. "Erstaunt" zeigte sich ein Leser.

Dabei haben die regierenden Parteien im Land das Problem immer als außerst wichtig angesehen. "Wir stehen für verantwortungsvolle Politik mit dem Ziel, dass jede und jeder in unserer Stadt eine bezahlbare Wohnung finden kann", heißt es bei der SPD, "Wohnen muss bezahlbar sein" bringt die Linke das Problem auf den Punkt und mit "Wohnen in Berlin: Bezahlbar - lebenswert - demokratisch" beschreiben die Berliner Grünen  ihre Haltung vor, betonen aber das Mitreden mehr als die Schaffung von neuem Wohnraum.

Die aktuell veröffentlichten Zahlen entsprechen den politischen Vorgaben nicht ganz. In den ersten drei Monaten des Jahres 2017 haben die Berliner Bauaufsichtsbehörden 1 148 Anträge für Bauvorhaben im Wohn- und Nichtwohnbau genehmigt. wohnungsbau.jpgDas waren laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 3,0 Prozent mehr als im ersten Quartal 2016, die Zahl der geplanten Wohnungen (5 325) liegt aber um 8,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Es wird auch noch mehr an bestehenden Häusern umgebaut, was bekanntlich die Mieten treibt. Neu entstehen nur 4 825 Wohnungen, das sind 5,9 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Ohne besser situierten Berlinerinnen und Berlinern nahetreten zu wollen ist zu sehen, dass sich die soziale Trennung der Stadt verschärft. So wächst die Zahl der geplanten Ein- und Zweifamilienhäuser um 18 Prozent (589 Wohnungen), wogegen der Bau von Mehrfamilienhäusern um 8,4 Prozent zurückgehen soll – es verbleiben 4230 Wohnungen. Dass weitere 500 Wohnungen durch Umbauten an bestehenden Gebäuden entstehen sollen, passt ins Bild. Es ist zwar ein Rückgang um ein gutes Viertel (–27,3 Prozent), aber durch Dachgeschossausbauten und Nutzungsänderungen entsteht auch kein bezahlbarer Wohnraum.

Von den Baugenehmigungen werden meist etwa vier Fünftel auch umgesetzt – so haben die Berliner Bauaufsichtsbehörden 2016 genau 25 063 Wohnungen genehmigt, davon wurden 21 119 dann auch gebaut. Dies waren immerhin 17,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Es ist aber noch mehr möglich: In den langfristigen Datenreihen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg  wird in der Zahl der Wohnungsneubauten  (hier dann "Gebäude und Wohnungen") 1997 ein Höchststand erreicht: 26833 Wohnungen wurden neu gebaut – eine Zahl, die bis auf 452 Wohnungen im Jahr 2006 zurückging.  Seitdem steigt sie langsam, aber stetig wieder an. Die Zahl der mietpreis- und belegungsgebunden Wohnungen indes war niedrig, sie soll in diesem Jahr auf 3000 erhöht werden. Dem steht ein jährlicher Bedarf von 20 000 möglichst preiswerten Wohnungen gegenüber, wobei Flüchtlinge und Nachzügler noch gar nicht mitgezählt werden. Bisher öffnet sich die Schere zwischen Wunsch und Realität wohl weiter.  my

veröffentlicht 11. 05 2017 12:34
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