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Die vietnamesische Blumenwiese in Lichtenberg

Autor: my

Je weiter man im Westen der Stadt fragt, was die Berliner vom Bezirk Lichtenberg halten, desto mehr tendiert die Antwort in Richtung langweilig oder unbekannt. Dabei verbirgt sich in dem inzwischen immer beliebter werdenden Wohnbezirk einer der exotischsten Orte der Hauptstadt: Das Dong Xuan Center, ein (Groß-)Markt, den man eher in Hanoi vermuten würde als in Europa. Die größte Markthalle der vietnamesischen Metropole diente aber nur als Namenspatron.

Gegründet wurde der Markt in der Herzbergstraße 128-139 vor gut zehn Jahren durch den Geschäftsmann Nguyen van Hien. Er machte sich, als nach der Wende die Arbeit wegfiel, wie viele seiner Landsleute selbstständig und verkaufte Kleidung. Die bezog er aus Polen – und so kam er auf die Idee, in Berlin einen Großhandelsmarkt zu gründen. Er erwarb das Gelände, auf dem vor 150 Jahren Siemens Messapparate baute, vor 100 Jahren ein Zementwerk entstand und wo zu DDR-Zeiten 3000 Menschen bei dem VEB Elektrokohle arbeiteten und begann mit dem Aufbau des Marktes. Inzwischen arbeiten in mehreren hundert Läden weit über 1000 Menschen und Dong Xuan hat sich zu einem Zentrum für viele in der Stadt lebende Vietnamesen entwickelt – hier können sie sich treffen, alles Mögliche aus der alten Heimat erstehen und vietnamesisch essen, ohne dass dies auf den deutschen Geschmack hingebogen wäre.

Zum Publikum zählen aber auch immer mehr Deutsche und eine wachsende Zahl von Touristen. Sie alle bestaunen die unendlich vielen Dinge, die hier angeboten werden und sie genießen das Gefühl, in eine asiatische Lebenswelt eingetaucht zu sein.

In dem größten asiatischen Markt Europas wird man vom Angebot fast überfahren – und manche Dinge kennt man einfach nicht. In den Lebensmittelgeschäften zum Beispiel findet man Gemüsesorten, die beim Obsthändler um die Ecke nicht in der Kiste liegen. Kein Wunder, dass nicht nur vietnamesische Hausfrauen, sondern die meisten Gaststätten mit vietnamesischer Küche hier einkaufen. Und was es für unterschiedliche Reisnudeln gibt oder für verschiedene Fischsoßen, ist unglaublich. Schade schon fast, dass die meisten europäischen Gäste die Vielfalt meist bloß bewundern und sich oft nicht trauen, Unbekanntes einmal auszuprobieren.

Geht man die Hallen entlang, so reihen sich immer etwa 40 bis 50 verschiedene Geschäfte aneinander. Und sie bieten alles an, was man aus Vietnam importieren kann: Kleidung und Wäsche zum Beispiel, Tischdecken und Deko-Artikel, Papier und Blumen, Haushaltswaren und Geschenkartikel, Drogeriewaren und Spielzeug … Es gibt nicht viel, was es nicht gibt. Viele Läden wirken vor allem bunt, und manchmal blinkt es heftiger als auf jedem geschmückten Weihnachtsbalkon – aber vielleicht kommen diese Lichter auch von hier. Was auf den Berliner Märkten an Nicht-Lebensmitteln angeboten wird, hat seinen Weg zum Verbraucher nämlich meist über den Lichtenberger Markt gefunden. Und Dong Xuan heißt übersetzt nicht umsonst so viel wie „blühende Wiese“.

Natürlich werden auf dem Markt auch Dienstleistungen  angeboten. Friseure schneiden fast alles, was man auf dem Kopf haben will und Nagel-Shops kann man hier nicht nur einrichten lassen, sie bringen auch alle möglichen Designs auf die Fingernägel. An schwarzen Brettern findet man sehr viele Angebote von privater Seite und Anwälte, Übersetzer, Fahrschulen etc. bieten ihre Dienste an. Und wenn man vom Bummel einigermaßen erledigt ist, hat man in mehreren Restaurants die Möglichkeit, vietnamesisch zu essen – wenn man will auch auf ganz originale Art.

Apropos originale Art: Langfristig möchte die Dong Xuan GmbH auf dem Gelände gern eine kleine Asia-Town errichten – ein Stadtviertel, das für viele asiatisch-stämmige Berlinerinnen und Berliner interessant sein könnte, das weitere Geschäftsleute aus Fernost anziehen würde und das den Standort ohne Zweifel noch mehr als bisher zum Anziehungspunkt für Touristen entwickeln würde. Wenn man sieht, wie sich Dong Xuan bisher entwickelt hat, so stehen die Chancen dafür vielleicht  nicht schlecht.

Dong Xuan Center, Herzbergstraße 128-139, 10365 Berlin, geöffnet 10-20 Uhr, dienstags Ruhetag. Nähere Infos unter www.dongxuan-berlin.de.

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Geschäft drängt sich an Geschäft in den Gängen des Großmarktes – und meist ist ziemlich viel Betrieb.

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Kunstblumen können noch bunter sein als echte Gewächse – wem’s gefällt, der hat hier die beste Auswahl.

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Solche Schilder begegnen einem in vielen Schaufenstern. Dass die wandernde Leuchtschrift „Willkommen“ neben „Sale“ hängt, ist aber sicher Zufall.

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Der Auftritt ist relativ bescheiden: Von der Herzbergstraße aus erkennt man den Markt nur an diesem Schild.


veröffentlicht 04. 01 2016 11:20
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