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Ein paar Gründe, warum der Wohnungsbau nicht reicht

Der Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin ist eine hervorragende Sammlung von Daten und Fakten unterschiedlichster Art. Als vor Kurzem die neueste Ausgabe erschien, berichteten die Tageszeitungen darüber, meist unter der Überschrift, dass das Wohnen in Berlin immer teurer wird.

Wir wollen uns an dieser Stelle nicht mit der unzureichenden Wohnraumversorgung auseinandersetzen, sondern einige Aspekte aus dem Bericht herausgreifen, die zwar nur am Rande erwähnt werden, die aber dennoch interessante Details der Stadt beleuchten. Und sie zeigen natürlich auch Ursachen auf, die zu dem Wohnungsmangel beitragen.

Zum Beispiel die Tatsache, dass die Vereinzelung immer weiter zunimmt und immer weniger Menschen zusammen wohnen. Zählte man 2014 in Berlin insgesamt 1.963.200 Haushalte, so wohnte in mehr als einer Million Fälle nur eine Person in einer Wohnung. Wenn 53,9 Prozent, also mehr als die Hälfte aller Wohnungen von einzelnen Männern oder Frauen bewohnt werden, so ist das schon ein erstaunlich hoher Anteil - und es sind 3,2 Prozent mehr als im Jahr 2005.

In einem weiteren guten Viertel aller Wohnungen leben zwei Personen (28,4 Prozent), wobei die Versuche des Zusammenlebens um zwei Prozent zurückgingen. Zählt man die Zahlen der kleinen Haushalte zusammen, so werden nur 17,7 Prozent aller Wohnungen von mehr als zwei Personen bewohnt, das ist gerade mal ein gutes Sechstel. Man könnte also sagen, die Zahl der Familien und der Wohngemeinschaften spielt keine allzu große Rolle mehr.

Immerhin hat sich der Anteil der großen Haushalte mit mindestens vier Personen stabilisiert - im vorigen Jahr zählte man 161.100. Ein guter Teil dieses 8,2 Prozent großen Anteils aller Haushalte ist aber der Zuwanderung und der schwierigen finanziellen Lage vieler Familien zu verdanken - Not und gegenseitige Unterstützung halten zusammen ...

Ein anderer Punkt ist die Bevölkerungsentwicklung. Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, so sind alle Berliner Bezirke gewachsen, und zwar im Durchschnitt um 6,7 Prozent. An der Spitze lagen Mitte und Pankow (12/11 Prozent) und über dem Durchschnitt lagen Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Treptow-Köpenick. In den nächsten Jahren wird sich das Wachstum aber immer mehr in den östlichen Außenbezirken abspielen, das zeigt schon ein Blick auf den Stadtplan: Das frühere Westberlin ist viel dichter zugebaut als die Ortsteile im Osten, und dort wird deutlich mehr gebaut werden. Und mit der Zuwanderung wird - wenn sie in geordneten Bahnen verläuft - die Zahl der Familien wachsen, für die preiswerte Neubauten gebraucht werden.

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Auch solche Gebiete gibt es noch in der Stadt - Platz zum Bauen wäre da.

Interessant ist auch die Altersverteilung in der Stadt. Dass in Friedrichshain-Kreuzberg rund doppelt so viele 20- bis 30-Jährige leben wie in Steglitz-Zehlendorf, erstaunt nicht - die jungen Erwachsenen wollen lieber mittendrin leben als am Rande. Bei den über 65-Jährigen ist es genau umgekehrt: In Friedrichshain-Kreuzberg ist gerade jeder Zehnte im Rentenalter, in allen West-Bezirken ist die Zahl mindestens doppelt so groß (Ausnahme wegen hohen Migranten-Anteils: Neukölln).

Das Geld ist natürlich ebenso ungleich verteilt - wenn auch nicht synchron zum Alter. Friedrichshain-Kreuzberg liegt hier eher im Mittelfeld, den gutsituierten Bezirken Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof stehen bei den durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen stattdessen die Bezirke Mitte, Lichtenberg, Neukölln und Spandau gegenüber. Betrachtet man aber die ungleiche Verteilung allgemein, so fällt auf, dass mehr als ein Drittel der Berliner Haushalte im Monat weniger als 1.300 Euro zur Verfügung hat und 40 Prozent weniger als 1.500 Euro. Hoffentlich handelt es sich hier vor allem um Ein-Personen-Haushalte ...

Einen noch besseren Einblick in herrschende Armut bietet ein Blick auf die Bedarfsgemeinschaften, deren Bewohner von Leistungen zum Lebensunterhalt nach SGB II leben, also von Stütze. 15,6 Prozent der Berlinerinnen und Berliner zählen dazu, und die wohnen ziemlich konzentriert in einzelnen Teilen der Stadt - im nördlichen Kreuzberg zum Beispiel zwischen Askanischem und Oranienplatz oder in Neukölln in der Nähe des S-Bahn-Ringes. Auch im Wedding trifft man zwischen Leopoldplatz, Soldiner Straße, Gesundbrunnen und Humboldthain viele arme Berliner oder entlang der Müllerstraße und im benachbarten Reinickendorf. Weiter auffällig sind der Norden von Marzahn und Hellersdorf, das Märkische Viertel und Teile von Spandau. Und überall in diesen Kiezen sind die Arbeitslosenquoten auf Rekordniveau und die Wohnfläche, die jedem Menschen zur Verfügung steht, wird sicherlich eher ab- als zunehmen.

Betrachtet man die Situation im Ganzen, ergibt sich nämlich kein positives Bild. Die Zahl der Bewohner und der Wohnungssuchenden steigt überall ebenso wie die Höhe der Mieten. Gleichzeitig erklimmen die Preise für Eigentumswohnungen, Häuser und Grundstücke ständig neue Gipfel und immer mehr Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Auf bescheidenem Niveau verharren lediglich die politischen Reaktionen - aber der richtige Wohnungsnotstand hat ja gerade erst begonnen.

veröffentlicht 13. 04 2016 16:15
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