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Kunst der Vorzeit

Prähistorische Felsbilder übten auf die Betrachter schon immer eine gewisse Fazination aus. Sie erklären die Welt und den Lebenswandel der Menschen in längst verganenen Zeiten, und das schon lange, bevor dies mit modernen Techniken immer besser möglich wurde. Und die Darstellungen übten natürlich einen Einfluss aus - zum Beispiel auf bildende Künstler, was man in der abstrakten Kunst oft bemerken kann.

Eine mittlerweile weitgehend unbekannte Inspirationsquelle für die Entwicklung der modernen Kunst war die weltweit bedeutendste Sammlung von Kopien prähistorischer Bilder, die der deutsche Ethnologe Leo Frobenius (1873-1938) in den 20er und 30er Jahren anlegte. Er schickte Malerinnen und Maler als Kopisten auf zahlreiche "Deutsche Inner-Afrika Forschungs-Expeditionen" und ließ Felsbildensembles in Nordafrika, der inneren Sahara und des südlichen Afrika oft unter abenteuerlichen Umständen abmalen. Spätere Expeditionen klapperten nicht nur die europäischen Felsbildfunde zum Beispiel in den Pyrenäen ab, sie führten auch nach Indonesien und Australien. Das Ergebnis war eine Sammlung von fast 5.000 farbigen, bis zu 2,5 mal 10 Meter großen Felsbildkopien, die im Frobenius-Institut an der Frankfurter Goethe-Universität gelagert sind.

Anhand dieser Kopien wurden die Felsbilder einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In den 1930er Jahren wurden sie in fast allen europäischen Hauptstädten und in vielen amerikanischen Großstädten gezeigt, im Berliner Reichstag ebenso wie im New Yorker Museum of Modern Art. Dessen Gründer und damaliger Direktor Alfred Barr stellte 1937 denn auch fest, das die Kunst des 20. Jahrhunderts "unter dem Einfluss der großen Traditionen der prähistorischen Felsbilder” steht und kombinierte die Felsbilder mit Bildern von Klee, Miró, Arp und Masson.

Im Martin-Gropius-Bau wird nun bis zum 16. Mai eine Ausstellung gezeigt, die zeigen möchte, wie Kunst aus der Vorgeschichte die Moderne beeinflusste und wie sie als Forschungsgegenstand diskutiert wird. Rund 100, darunter viele großformatige und wandfüllende Kopien von Felsbildern des Frankfurter Frobenius-Institutes sowie Fotografien und Archivmaterialen machen die abenteuerliche Dokumentationsgeschichte der Felsbilder deutlich. Welche Wirkung die zuvor ungesehenen Bilder auf die Moderne hatte und wie sie Künstlerinnen und Künstler inspirierten, ist ebenso Thema der Ausstellung wie der Wandel der Interpretation prähistorischer Felskunst.

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"Hand mit drei kleinen Figuren", 1933 in Ägypten entstandenes
Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli


Die Ur-Kunst wirkte sich auf sehr verschiedene Weisen aus - schon bei ihrer wissenschaftlichen Betrachteung. So sollten die Kopien eigentlich als transportable Faksimiles erstellt werden, waren also als wissenschaftliche Darstellungen gedacht, mit denen man kulturhistorische Entwicklungen belegen wollte. Die Maler hätten sich beim Kopieren "mit einer Geistigkeit abzufinden, die der Vergangenheit angehört", erklärte Frobenius damals. Künstlerische Ambitionen hatten dennoch Einfluß auf die wissenschaftliche Dokumentation - zum Beispiel durch unterschiedliche Maltechniken oder durch "mitunter experimentelle Versuche", die Struktur des felsigen Untergrundes nachzuahmen. Die gemalten Felsbildkopien haben also ihren Status verändert, schreiben die Ausstellungsmacher, "sie wurden von Kopien zu Originalkopien und weiter zu Originalen". In der zweiten Hälfte des 20. Jhrhunderts erkannte man die Malerei schließlich nicht mehr als Dokumentationsmethode an und bezeichnete die Methode als "Ausdruck eines 'wissenschaftlichen Expressionismus'", wie der Ethnologe Mark Münzel formulierte.

Noch viel größer aber war die Wirkung der Felsbilder, als sie bekannt wurden. In der Kunstszene wurde heftig über die Anfänge von Kunst und Kreativität diskutiert und im Schaffen vieler Künstler war dies auch gut zu erkennen, insbesondere bei vielen europäischen Surrealisten.

Anschrift und Karte
Infos zur Ausstellung 
veröffentlicht 27. 01 2016 15:08
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