Home

Industriekultur Berlin

Gewachsen ist Berlin vor allem durch Arbeitsplätze, und die entstanden in zuvor nicht gekanntem Ausmaß in den Zeiten der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Werner Siemens und Johann Georg Halske gründeten mit ihrer ersten Mechanikerwerkstatt mit 10 Mann Belegschaft 1847 de facto die Elektroindustrie, und nachdem sie den ersten Dynamo und 1879 die erste elektrische Lokomotive der Welt vorstellen konnten, schufen sie auch die Existenzgrundlagen für eine wachsende Zahl von Menschen. Siemens & Halske hatte 1903 rund 6 000 Beschäftigte, 1914 waren es in Berlin 39 000 Personen. Ähnlich ging es bei der "Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft" zu, der AEG, die für elektrische Beleuchtung und Straßenbahnen sorgte: Schon vor 1900 baute sie weltweit 248 Elektrizitätswerke und 65 Bahnanlagen mit ca. 1 300 km Gleislänge. Die Zahl der Mitarbeiter stieg entsprechend an und genauso wuchs die Stadt.

Gleichzeitig war Berlin auch ein Zentrum für Forschung und Entwicklung, in dem neue Technologien entstanden und ausprobiert wurden. Strom-, Wasser- und Verkehrssysteme waren damals weltweit vorbildlich, Berlin galt als Synonym einer modernen Stadt. Zu Kaisers Zeiten entstanden also nicht nur unsere heute so beliebten Altbauviertel, sondern auch sehr viele Industriebauten - und die will nun ein neuer Flyer verstellen, der zwölf Standorte beschreibt und Besichtigungsmöglichkeiten vorstellt.

"Im Gegensatz zur weitgehend verlorenen mittelalterlichen Architektur sind die imposanten Zeugen der Industrie Identitätsmerkmal und Besonderheit dieser Stadt", erklärte  Senatsbaudirektorin Lüscher bei der Vorstellung. Viele der Industriebauten seien heute wieder Arbeitsstätten der Kreativwirtschaft, Party-, Event- oder Kunstlocations und damit Grundlage des ganz eigenen Berliner Flairs, und dies wolle man auf einer Karte der Europäischen Route der Industriekultur auch darstellen. 

Nun hat man zwölf Standorte zusammengestellt, die in Berlin für die spannende Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Stadt stehen sollen, zum Beispiel das BMW-Werk in Spandau, das Technik- und das Energie-Museum, den Flughafen Tempelhof und den Fichtebunker, das Haus des Rundfunks und den Industriesalon Schöneweide. Die zwölf Orte können besucht werden (teilweise nach Anmeldung), was man vor allem "Kiezentdeckern und Radfahrern" empfiehlt. Man findet die Broschüre an den aufgeführten Standorten, in Volkshochschulen und Bibliotheken und am praktischsten unter www.industriekultur.berlin.

flyer_ind.jpg
Ansicht einer in dem Flyer abgebildeten alten Industrie-Gegend, die sich ausgesprochen zeitgemäß entwickelt hat.  

Koordinator für die Route der Industriekultur Berlin ist das Berliner Zentrum Industriekultur, das auch noch weitere Partner unterstützen würde. Das bzi ist eine wissenschaftliche Ein­richtung an der HTW Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Technikmuseum, die seit Anfang 2016 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gefördert wird, damit sie über die industriekulturellen Schätze Berlins informieren und beim Abgleich der unterschiedlichen Interessen (Wirtschaft, Nutzung für andere Zwecke, z.B. Kultur- und Kreativwirtschaft, touristische Erschließung, Stadtentwicklung, Denkmalschutz und Baukultur) vermittelnd wirken kann.

veröffentlicht 15. 11 2016 11:47
Trackback | Permalink | 0 Kommentar(e) anzeigen | Kommentar eingeben
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de