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Was wird aus dem Tempelhofer Feld?

Unweit des S-Bahnhofes Tempelhof öffnen sich die Häuserfronten und geben den Blick auf einen blauen Himmel frei, der sich über das Wiesenmeer des Tempelhofer Feldes erstreckt. Irgendwo in der Ferne lassen sich Gebäude erahnen. Wind weht und Wolken ziehen vorüber.
Mit jedem Schritt bleibt Berlin mehr zurück und das Brummen der Automotoren verwandelt sich in Rauschen. Eine blasse Sinneswahrnehmung im Vergleich zu dem, was es zu SEHEN gibt: Mit einer Fläche so groß wie 450(!) Fußballfelder präsentiert sich das ehemalige Flughafenareal als grüne Landschaft aus unversiegeltem Gelände und Rollbahnen. Den Berlinern verspricht es ein seltenes Gefühl von räumlicher Freiheit, - denn so viel freien Himmel wie hier, findet man in der Stadt sonst nirgendwo. Nirgendwo so viel Platz, um zu grillen, zu skaten, Fahrrad zu fahren und Ball zu spielen. Modellflugzeuge steigen in den Himmel und gesellen sich zu bunten Drachen. 
Das Tempelhofer Feld hat genug Platz für jeden - nur Ideen muss man selbst mitbringen. Aber auch gerne Freunde, Verwandte und Bekannte, - hier gibt es keine Einschränkungen. Weder in Hinsicht auf Alter, Geschlecht noch Konfession. Die Menschen eint das Bedürfnis nach Erholung: Raus aus den Wohnungen. Nicht jeder hat einen Balkon, wenige einen Garten - auf dem Tempelhofer Feld hingegen gibt es sogar Kartoffeln und Erdbeeren. Sie ruhen in selbstgezimmerten Kisten am Ostrand und warten darauf, dass es wärmer wird. Der „Stadtacker“, wie die Ansammlung von gut 300 Hochbeeten genannt wird, ist aber auch so einen Blick wert: Viele der Hobbygärtner haben ihre selbst gebauten Kisten bunt bemalt und aufwändig gestaltet. Selbst gebaut sind hier auch Bänke und Hochsitze, von der sich zu jeder Jahreszeit der Sonnenuntergang genießen lässt. Die sichtraubenden Gebäude Berlins sind fern.

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Urban Gardening: Kunterbuntes Landleben auf dem Tempelhofer Feld

Damit symbolisiert das Tempelhofer Feld für die Menschen eine Lebensqualität, die sie in der Stadt nicht erfahren können.
Für Umwelt-Aktivisten ist der ehemalige Flughafen eine schützenswerte ökologische Nische, die durch den Wind und die Offenheit des Feldes entstehen konnte. Seltene Pflanzen- und Vogelarten haben hier neuen Lebensraum gefunden.


„Tempelhofer Freiheit“ 
NEUER STADTENTWICKLUNGSPLAN

Der Freiraum soll erhalten bleiben.
Um das zu garantieren, wird nur an den Rändern eine behutsame Bebauung stattfinden, so dass die Weite des Feldes auch weiterhin von allen genossen werden kann.

Der Bebauungsplan wurde bereits am 6. März 2013 von Micheal Müller, dem Senator für Stadtentwicklung, vorgestellt und hat sich seitdem kaum verändert.
Unter dem Namen „Tempelhofer Freiheit“ beinhaltet der Masterplan die schrittweise Gestaltung des Tempelhofer Feldes bis 2025.

Die Idee für eine moderne Stadtentwicklung: Wohnen, Arbeiten und Freizeit enger miteinander verbinden.
Dazu soll die Randbebauung des Tempelhofer Feldes in Form von „gemischten Bauflächen“ viele Bedürfnisse abdecken:

Am Südring entstehen Nutzungsquartiere, die Wohnen und Arbeiten zusammenbringen.
Die geplante Gewerbefläche soll für 7 000 Menschen Arbeitsplätze schaffen.   

Die Pläne für den Tempelhofer Damm sind kultureller:
Neben dem Neubau der Zentral- und Landesbibliothek eentsteht in lern- und wissensgeprägtes Umfeld, ergänzt durch weitere Wohnflächen.

Wohnquartiere entstehen auch entlang der Oderstraße, im Osten des Feldes.

Insgesamt sollen so 4700 Wohnungen am Rande des Tempelhofer Feldes entstehen. 

Die öffentlichen Nahverkehrsmittel werden durch Bau des S-Bahnhofes Tempelhofer Freiheit ergänzt und binden auch die entstehenden Quartiere im Süden gut an die Stadt an.

Der Columbiadamm bleibt zunächst für Sport und Kultur erhalten. Als "Potenzialfläche" für die Zukunft.

Das zentrale Tempelhofer Feld bleibt mit 230 Hektar wie es ist – abgesichert per Gesetz. Damit steht es dauerhaft für Erholung sowie Natur- und Artenschutz zur Verfügung. Nach den Plänen sollen so gut 80% des Tempelhofer Feldes bestehen bleiben, was immer noch über 20 Hektar mehr sind als der Große Tiergarten mit seinen 207 Hektar einnimmt.

Informationen zur Tempelhofer Freiheit 


Klingt ja alles toll – oder doch nicht?

Der Masterplan scheint nicht bei allen Berlinern auf Wohlwollen zu stoßen:
185.328 Bürger unterschrieben das Volksbegehren gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes, womit sich die Entscheidung über dessen Schicksal auf den 25. Mai verschiebt.

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Grenzenlose Weite, grenzenlose Freiheit = grenzenlose Bebauung? Am 25. Mai werden wichtige Entscheidungen getroffen

Beim Senat und den Fraktionen stieß die Maximalforderung der Bürgerinitiative nach 0% Bebauung auf Unverständnis:
Man ist sich einig, dass Wohnungen benötigt werden - Berlin ist Weltmetropole. Für die Stadt bedeutet das vor allem Bevölkerungswachstum - Wohnungen aber fehlen.

Deshalb stimmen alle Fraktionen des Abgeordnetenhauses für Neubauten am Rande der großen Fläche des Tempelhofer Feldes.

 
Uneinigkeit der Parteien

Das Ergebnis des Volksbegehren verunsicherte die Parteien: 

Wie soll es weitergehen? Und kann es so überhaupt funktionieren?


Die Grünen argumentierten, dass zwischen zwei Maximalpositionen immer ein dritter Weg zu finden ist - ein Gesetzesentwurf aller fünf Fraktionen kam allerdings nicht zustande. Die Einigung hätte einen Alternativentwurf zu dem Gesetzesentwurf der Bürgerinitiative darstellen sollen.
Daraus ist nichts geworden.

SPD und CDU hielten am ursprünglichen Plan fest und entwarfen hierzu den passenden Gesetzesentwurf:
Erhalt einer 230 Hektar großen Freifläche im Eigentum Berlins und eine behutsame Bebauung der äußeren Ränder.

Die Entwürfe der Grünen, Linken und Piraten hingegen wurden abgelehnt.

Pressemitteilung vom 25.03.2014


Soll das die Lösung sein?

Dementsprechend sind die Meinungen innerhalb der Oppositionen gespalten – unzufrieden damit, dass kein Kompromiss zustande kam.

Antje Kapek, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, geht sogar soweit zu sagen

Bevor etwas falsch gebaut wird, sollte lieber gar nichts passieren.

Linke, Piraten und die Grünen wissen, was sie an den Plänen des Senats besonders stört:

  • Es fehlt zum einen die gesetzliche Verankerung des geplanten sozialen Wohnungsbaus – mit langfristigen und vor allem verbindlichen Quadratmieten von sechs bis acht Euro kalt. Sonst ist es nicht mehr als ein „leeres Versprechen“, wie Antje Kapek betonte.
  • Den Bürgern wird kein Mitsprachrecht eingeräumt – warum nicht eine verbindliche Beteiligung von Anfang an bis Ende?
  • Allgemein bemängelten die Oppositionen die wagen Ausführungen des Gesetzesentwurfes von CDU und SPD: Die Sicherung der 230 Hektar Grünfläche sind gewährleistet – aber selbst hier gibt es Zweifel darüber, wie groß die zentrale Freifläche überhaupt ist.
  • Unklar bleibt, wie genau sich diese „behutsame Bebauung“ äußern und was das „schrittweise Entwickeln“ noch mit sich bringen wird.

Fest steht aber auch:

Sich gegen den Masterplan zu positionieren und somit für die Initiative „100% Tempelhofer Feld“ auszusprechen, würde jegliche Entwicklung des Feldes unterbinden. 

 

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Drachen bevölkern den Himmel über dem Tempelhofer Feld


100% Freiheit = 0% Berlin?

Die Bürgerinitiative stört sogar noch wesentlich mehr:

Warum die dringend benötigten Wohnungen auf dem Feld bauen? – Berlin hat genug alternative Bauflächen und leerstehende Gebäude!
Dasselbe gilt für die geplanten Gewerbeflächen.

Harte Kritik erhält auch der geplante Neubau Zentral- und Landesbibliothek: Solche „Prestige-Bauten“ bei 62 Milliarden Schulden?!


Übereinstimmung herrscht mit dem BUND: Das Tempelhofer Feld ist in seiner Gänze schützenswert!

  • Als Kaltluftentstehungsbiet sorgt es für Luftaustauschbahnen, die Wohngebiete im Umkreis abkühlen - eine Klimaanlage der Stadt.
  • Gefährdete Wiesen- und Trockenrasenpflanzen sind auf dem Feld angesiedelt. Und geschützte Vogelarten haben hier eine Heimat gefunden - eine Bebauung wäre ein massiver Eingriff in das Landschaftsbild. 

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Größter Spielplatz Berlins: Die Rollbahnen des ehemaligen Flughafens laden zum Ausprobieren ein


Wenn es nach der Initiative „100% Tempelhofer Feld“ ginge, würde sich das Tempelhofer Feld gar nicht verändern. Nur an den Rändern wären kleinere Veränderungen wie Parkbänke, Toiletten oder Obstbäume möglich,- wenn sich die Initiative durchsetzt. 


Für die Berliner würde das bedeuten: Weiterhin öffentliche Nutzung des Berliner Wiesenmeeres. Ohne Einschränkungen und ohne Veränderungen.


Überblick zum Gesetzesentwurf der Bürgerinitiative 


Und was wollen die Berliner?

Nach Forsa-Umfragen wünschen sich die Berliner mehr Volksentscheide. Und das nicht gebaut wird. Zumindest nicht auf dem Tempelhofer Feld.
56% empfinden das Feld als einzigartig und wollen, dass es nicht bebaut wird. 43% sind für den Wohnungsbau.
Anfang März sah es noch genau umgekehrt aus.

 

Es wird spannend am 25. Mai!
Neben den Europwahlen lautet die Frage:
Wie entscheidet sich Berlin? Für oder gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes?



Fast 2,5 Millionen wahlberechtigte Berliner sind gefragt!
Denn ein „Ja“ oder ein „Nein“ entscheidet an diesem Tag, aus welchem Entwurf Gesetz wird.
Aber das auch nur dann, wenn mindestens 25% zustimmen – das sind gut 620.000 Personen. Und natürlich darf es nicht mehr Neinstimmen geben.

Und was passiert, wenn keiner der Vorschläge die 25% Hürde schafft?
Dann gilt der Masterplan.

 

 

veröffentlicht 26. 03 2014 17:58
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