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Haus am Waldsee ein Jahr geschlossen – es wird saniert und erweitert

Glücklicherweise gibt es nicht nur im Stadtzentrum sehenswerte Museen, sondern auch in der Peripherie. Das Haus am Waldsee ist so ein Beispiel, es zieht mit seinen Ausstellungen seit vielen Jahrzehnten ein fachkundiges Publikum ins grüne Zehlendorf und die Besucher schätzen, dass es nicht zum touristischen Pflichtparcours zählt. Nun bleibt das Haus am Waldsee bis zum Juni nächsten Jahres geschlossen, und das wird sogar akzeptiert, denn die 1922 errichtete Villa an der Argentinischen Allee 30 wird mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie saniert und erweitert.

Auf der Ostseite des Hauses wird ein im Krieg beschädigter Gebäudetrakt, den man in den 1950er Jahren abriss, neu aufgebaut und mit großzügigen Terrassentüren in einen Veranstaltungsraum verwandelt. Die bekannten, bisher genutzten Ausstellungsräume werden saniert und ein Außenaufzug soll für einen behindertengerechten Zugang sorgen.

Anfang der 20er Jahre von einem jüdischen Regenmantelfabrikanten gebaut, erlebte die Villa bald unruhige Zeiten und viele Besitzerwechsel. Wenige Wochen nach dem Kriegsende gaben die Berliner Philharmoniker im Garten des von russischen Truppen genutzten Hauses eines ihrer ersten Nachkriegskonzerte und 1946 soll der ehemalige Reichskunstwart Erwin Redslob hier Franz Marcs verschollenen „Turm der Blauen Pferde“ gesehen haben, wovon kürzlich eine Ausstellung berichtete.

Haus am Waldsee_Bild_Grunewald Architekten__.jpgDer farblich unterlegte Teil rechts wird neu entstehen und dem Gebäude zu früherem Charme verhelfen. Zeichnung: Grunewald Architekten


Seit 1946 wurde die Villa „Haus am Waldsee“ genannt und zeigt Ausstellungen mit internationaler zeitgenössischer Kunst. Anfangs trafen sich vor allem Künstler und Musiker, die nach der NS-Zeit wieder ein normale Kulturleben führen wollten, ab 1948 entstand unter der Leitung von Carl Ludwig Skutsch aber ein überregional wahrgenommenes Ausstellungs-Profil. Man zeigte Kunst, die in Deutschland mehr als ein Jahrzehnt lang nicht zu sehen war und die Menschen strömten zum Haus am Waldsee, um Picasso, Henry Moore oder Max Ernst kennenzulernen. Gleiches galt für Künstler, deren Arbeiten die Nazis als „entartet" verboten hatten – es gab Ausstellungen über Käthe Kollwitz, Oskar Schlemmer, Karl Schmidt-Rottluff und Max Ernst, über Ernst-Ludwig Kirchner, Juan Miró, Georges Braque, Willi Baumeister und viele andere. Die Menschen hatten ein riesiges Bedürfnis, Versäumtes nachzuholen.

Seit 2005 gilt das Hauptaugenmerk unter Leitung von Katja Blomberg der heutigen kreativen Szene in Berlin. Mit Thomas Florschütz, Jonathan Monk, Corinne Wasmuth, Norbert Bisky, Beate Gütschow, Anton Henning, Björn Melhus, Olav Christopher Jenssen, Frank Nitsche, Marcel van Eeden, Albrecht Schnider, Takehito Koganezawa, Michael Sailsdorfer, Christine Streuli, Leiko Ikemura u.v.a. werden internationale Positionen aus dem Bereich bildende Kunst vorgestellt. Darüber hinaus werden Ausstellungen über Designer wie Werner Aisslinger, Architekten wie Jürgen Mayer.H oder Komponisten wie Peter Ablinger eingerichtet.

So ähnlich wird es nach der Sanierung weitergehen, und auch das Rahmenprogramm mit seinem Künstlergesprächen und -essen, mit Konzerten, Buchvorstellungen, Kindervernissagen und Führungen in Dialogform wird fortgesetzt.  Audiotouren zur Architektur der Moderne (Mies van der Rohe, Walter Gropius, Hermann Muthesius) in unmittelbarer Nähe und ein Skulpturenpark am Waldsee (Karl Hartung, Lynn Chadwick, Thomas Rentmeister, Michael Beutler) runden das Angebot ab.

Das Haus am Waldsee wird in privater Trägerschaft geführt. Es erhält Zuschüsse vom Senat und vom Bezirkamt Steglitz-Zehlendorf und es hat einen großen Freundeskreis – und alle freuen sich auf die für Juli 2018 geplante Wiedereröffnung.

veröffentlicht 29. 06 2017 10:54
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