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Ungeliebte Zukunftsmusik

Eigentlich ist schon der Begriff "Autonomes Fahren" falsch: Er soll beschreiben, dass sich ein Auto bewegen kann, ohne dass es von Menschen gelenkt werden muss. Autonomie bedeutet aber einen Zustand der Selbstbestimmung und der Unabhängigkeit. Beim "autonomen Fahren" steht also nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern das Fahrzeug. Und bereits hier beginnen die Verständnisschwierigkeiten, die die meisten Menschen gegenüber den Anstrengungen der Automobilindustrie haben, ihnen das Fahren zu "erleichtern". 

Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat gerade 1.000 Neuwagenkäufer in Deutschland befragt, was sie von der Übernahme der Fahrtätigkeit durch die Technik halten, und die Ergebnisse sind recht eindeutig. Als Erstes rechnen die Befragten mit einer serienreifen Produktion autonom fahrender Pkw erst im Jahr 2029 - also in möglichst weiter Zukunft. Zweitens können sich nur ein Viertel der Menschen (27 Prozent) vorstellen, die Kontrolle über ihr Fahrzeug vollständig abzugeben und 61 Prozent aller Autokäufer lehnen diese Vorstellung komplett ab. 13 Prozent sind noch unsicher, aber wer unsicher ist, wird wohl kaum seine Entscheidungen alle einer Maschine überlassen wollen.

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Selbstbestimmtes Fahren hat schon immer Spaß gemacht - auch in Zeiten solcher mechanischen Luxuskarossen wie diesem Horch.  Foto: GNU/Timo Beil
 

Vorteile werden den Entwicklungen in Richtung autonomes Fahren nur teilweise zugestanden. So meinten immerhin 59 Prozent der Befragten, dass vor allem Unfälle vermieden werden könnten, die durch Unachtsamkeit im Straßenverkehr entstehen. Die Kontrolle vollständig abgeben wollen sie deshalb aber meistens nicht.

Ein Argument, das die Autoindustrie drin bestärken könnte, weiter an der Automatisierung des Fahrens zu arbeiten, ist aber die offensichtliche Bereitschaft vieler Menschen, relativ viel Geld dafür auszugeben. "Ausgehend von einem angenommenen Neuwagenpreis von 25.000 Euro würden rund ein Drittel der Befragten mehr als 4.000 Euro zusätzlich für ein vollautonom fahrendes Fahrzeug ausgeben, im Durchschnitt würden sie sogar knapp über 5.000 Euro mehr zahlen", heißt es in der Mitteilung des Marktforschungsinstituts, in der auch gleich die Konsequenz mitgeliefert wird: „Neben der Forschung ist sicherlich auch noch sehr viel an Aufklärungs- und Marketingaufwand erforderlich", kommentierte der bei Ipsos verantwortliche Studienleiter Dr. Kai Geertsema.
 

veröffentlicht 18. 10 2016 10:27
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