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Wie schnell in Berlin gebaut wird

In Buckow freut man sich über den ersten Spatenstich für einen Neubau des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums. Nun ist der Bau eines Schulgebäudes in einer wachsenden Stadt eigentlich nichts Ungewöhnliches, am südlichen Rand Neuköllns hat man aber doch ein wenig lange darauf gewartet. Dass hier Bauarbeiten beginnen, darauf haben schon Generationen von Schülern gehofft, immer erfolglos.

Das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium musste sein Gebäude wegen hoher Asbestbelastung im Jahr 1989 verlassen – ein Schicksal, das allein in Neukölln vier große Schulanlagen teilten. Als Lösung errichtete man damals Behelfspavillons, preiswerte Notlösungen, die fünf Jahre lang genutzt werden sollten – diesen Zeitraum sah man einmal als ausreichend für die Zeit an, die man für den Neubau von Schulen bräuchte. Doch mit dem Neubau wurde nie begonnen, irgendwie war nie genug Geld da. Wende und Aufbau Ost, Wirtschaftskrise und offensichtlich wichtigere Projekte verhalfen den Behelfsbauten zu einem langem Leben, der Spardruck war wichtiger als der Bau neuer Schulen. Wie schrieb die Bildungssenatorin Sandra Scheeres in der aktuellen Einladung nicht ganz ungeschickt? "Es wird Zeit, dass der Einsatz der zunächst als Provisorium gedachten mobilen Unterrichtsräume ein Ende findet." Das Gymnasium am Buckower Stadtrand wartet inzwischen seit 28 Jahren auf einen Neubau.
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Der geplante, gut 30 Millionen Euro teure Neubau des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums für 900 Schülerinnen und Schüler soll aus zwei ineinander verschränkten 2- und 3-geschossigen Baukörpern bestehen und sich durch eine offene und helle Bauweise auszeichnen.
Grafik: huber staudt architekten bda
 
Nun will ja gut Ding immer Weile haben und die Einladung zum ersten Spatenstich in der Christoph-Ruden-Straße trägt auch die Mut machende Überschrift "Neukölln baut Bildung!". Wobei man sagen muss, dass der Bezirk sich wirklich Mühe gibt: „in Neukölln fließen durchschnittlich 80 Prozent der Investitionsmittel in unsere Bildungseinrichtungen“, betont die Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey zufrieden. Das letzte große Bauvorhaben, die Otto-Hahn-Schule, ist aber dennoch schon mehr als zehn Jahre her, schränkte der Neuköllner Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer ein wenig ein.

Was gebaut wird, kann sich allerdings sehen lassen: Ein 5-zügiger Schulbau, der sich durch flexible räumliche Gestaltung den Bedürfnissen von Schülern und Lehrern anpassen soll und der ein Pilotprojekt des "nachhaltigen Bauens" darstelle, das in Sachen Niedrigenergie einen neuen Standard setzen würde. Gespart wird also weiter. Und es bleibt zu hoffen, dass Provisorien wie die aktuellen "Tempohomes" nicht eine ebenso lange Lebensdauer haben wie die Ersatzdörfer für Asbestschulen. Und den Ersatzbau für den neuen Flughafen wollen ja auch immer mehr Menschen behalten ...    my

veröffentlicht 04. 07 2017 14:58
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