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Ein Garten, der wächst

Es gibt nicht allzu viele Gründe, Marzahn zu besuchen. Den zwölf Meter hohen Schriftzug, der auf den Ahrensfelder Bergen nicht auf Hollywood, sondern auf die größte Wohnsiedlung der DDR am östlichen Berliner Stadtrand hinweisen soll, gibt es noch nicht. Die modernste Klinik ihrer Art will man eigentlich gar nicht kennenlernen. Und die gewaltige Plattenbausiedlung schauen sich die meisten Menschen auch nur einmal an, außer sie wohnen hier oder besuchen jemanden. Es ist halt nicht allzuviel los in Marzahn. 

Ein Ausflugsziel, das einen hierher ziehen kann, gibt es aber dennoch: die Gärten der Welt. Sie sind allemal einen größeren Spaziergang wert, denn man kann dabei eine kleine Reise durch die unterschiedlichsten Arten von Gärten unternehmen. Am Osterwochenende eröffnete der Park die neue Saison und das erste Grün wird langsam sichtbar - zu sehen sind aber auch viele Baustellen. Schließlich wird hier im nächsten Jahr die "IGA Berlin 2017" stattfinden, die Internationale Gartenausstellung, und dafür laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren.

Zurzeit sind die Gärten der Welt noch relativ bequem zu erlaufen. Auf 21 Hektar Fläche reihen sich sehr sehenswerte Arrangements aneinander - zum Beispiel der chinesische Garten, der eigentlich "Garten des wiedergewonnenen Mondes" heißt und der vom Pekinger Institut für klassische Gartenarchitektur entwurfen wurde. Er entstand nicht nur aus fernöstlichen Materialien, er entführt auch in die fernöstliche Welt: Runds um einen See stehen mehrere typisch chinesische Bauwerke, viele Skulpturen und auch passende Pflanzen, so dass man sich fast auf einer Fernreise fühlen kann.

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Im Chinesischen Garten

Marzahn_IGA_korean_Pav_h.jpgAuch der japanische und der koreanische Garten versetzen einen in anheimelnd fremde Welten. Im „Garten des zusammenfließenden Wassers“, der aufgrund der Berlin-Tokioer Städtepartnerschaft entstand, gibt es zum Beispiel einen Teich aus Steinen. Betrachtet man den eine Weile, hat der Garten sein Ziel als Stätte der Ruhe, des Nachdenkens und der Besinnlichkeit bereits erfüllt. Auch der „Seouler Garten“, ein Geschenk der südkoreanischen Hauptstadt, lässt die Phantasie wandern - und man würde gerne mal ein Bergdorf auf der anderen Seite der Welt besuchen. 

Marzahn_IGA_oriental_Garten.jpgDer orientalische Garten greift eine Oase als Gedanken auf - im Zentrum des paradiesischen Platzes steht ein Brunnen, alles ist reich mit Ornamenten verziert und eine vier Meter hohe Mauer wehrt alles Außenliegende ab. Der christliche Gärten ist wie ein Kreuzgang angelegt und sperrt mit Wand gewordener Schrift die Besucher aber eher ein als dass er sie einlädt. Und der Staudengarten als "deutscher Beitrag zur Gartenkultur" versetzt den Besucher ein wenig in Kaisers Zeiten - wir wohnen ja aber auch gern in Altbauwohnungen.  

Beim Besuch der Gärten der Welt eröffnen sich auf jeden Fall sehr unterschiedliche und abwechslungsreiche Bilder. Und sie wandeln sich. So werden der Balinesische Garten und der Italienische Renaissancegarten zurzeit umgebaut, sie sind also gesperrt. Und auf zwei Seiten des Parkgeländes türmen sich Sandberge und werden neu angelegte Wiesen und Beete an den ersten Stellen grün. Im nächsten Jahr soll schließlich die Internationale Gartenausstellung stattfinden, und die muss unübersehbar vorbereitet werden. Das Ziel, mehr als zwei Millionen Gäste nach Marzahn zu locken, braucht schließlich viel Vorlauf. 

Entstehen soll nämlich eine mehr als 100 Hektar große Parklandschaft, in der neben den Gärten der Welt auch der benachbarte Kienberg und Teile des Wuhletals enthalten sind. Aus dem Berg soll ein ökologischer Stadtwald mit vielen Beschäftigungsangeboten werden, im Wuhletal will man Projekte der Naturbildung einrichten und last, not least werden sich die Gärten der Welt flächenmäßig verdoppeln - es gibt also viel Platz für neue Ideen der Garten- und Freiraumgestaltung. Und da Gärtner gerne auch grüne Ratschläge geben, will die Ausstellung auch Themen wie erneuerbare Energien, städtische Naturräume und "visionäre wie nachhaltig florierende schöne Landschaften" präsentieren, erklärte Christoph Schmidt, der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH und der IGA Berlin 2017 GmbH.
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Eine zukünftige Attraktion für die Besucher kann man ansatzweise aber schon beobachten: Vom U-Bahnhof "Neue Grottkauer Straße", wo der östliche IGA-Haupteingang entsteht, soll eine Seilbahn über den Kienberg mit einem Aussichtsbau namens "Wolkenhain" bis zum westlichen Eingang am Blumberger Damm führen - und dafür wurden die Masten bereits errichtet. Kann man in einem Jahr über das IGA-Gelände fahren, spart mian nicht nur den Rückweg durch das weitläufige Gelände, man hat auch einen herrlichen Blick auf die vielen Wasser- und Themengärten.

Unten ist man der Natur natürlich noch viel näher. Ein Panoramaweg soll als Steg über die wasserreichen Wiesen- und Auenlandschaften des Wuhletals führen und dann durch einen Obsthain am Rand des Kienbergs die Gärten der Welt erreichen. Dort kommen im Süden Wassergärten, eine Blumenhalle und Spielplätze hinzu, im Norden am zweiten Haupteingang zur IGA ein neues Besucherzentrum und eine Freilichtbühne. Und das Beste: In den Gärten der Welt wird man auch nach der IGA Eintritt zahlen müssen, der neue "Kienbergpark" mit Berg, Teilen des Wuhletals und dem Jelena-Šantić-Friedenspark wird aber ein kostenfrei zugänglicher Naherholungsraum. Die 40 Millionen Euro für die IGA sind also auf jeden Fall gut angelegt ...


Die Bauarbeiten kann man übrigens an einer Webcam verfolgen unter www.iga-berlin.contempo-webcam.de/

Aktuelle Infos zur IGA Berlin 2017 unter  www.iga-berlin-2017.de/projekt-blog

veröffentlicht 30. 03 2016 16:08
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