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Außen Nationalsozialismus, innen Nachkriegszeit

Besucht man das Brücke-Museum, fällt ein direkt daneben liegendes historisches Gebäude auf - das in typischer NS-Architektur errichtete Ateliergebäude von Arno Breker, jenem Bildhauer, der zu den meistbeschäftigten Steinmetzen des Dritten Reiches zählte. Im Sommer 2015 wurde hier das Kunsthaus Dahlem eröffnet, in dem die Entwicklungen der plastischen Kunst nach dem Krieg gezeigt werden - NS-Kunst findet man in dem Haus nicht mehr.

Begleitet von Kapitulation und Besatzung, dem sich steigernden Ost-West-Konflikt, der Berliner Blockade und der Luftbrücke, entwickelte sich auch die Bildhauerei in Ost und West unterschiedlich. Ging es anfangs vor allem darum, die in der NS-Zeit unterdrückte Moderne wiederzuentdecken und zu rehabilitieren, so wurde die damit verbundene Vielfalt mit der Zunahme des Ost-West-Konfliktes wieder eingeschränkt und die Kunst auf beiden Seiten politisch vereinnahmt. Im Westen erklärte man die Abstraktion zur "Weltkunst", an der kein Weg vorbeiführe, im Osten beförderte man den „Sozialistischen Realismus“ zur Staatskunst. Die meisten Künstler ließen sich eingliedern und oft wuchsen mit eigenen persönlichen Ansichten und ihrer Umsetzung die Schwierigkeiten. Dorothea Schöne, die Leiterin des Kunsthauses Dahlem, schilderte als bekanntesten Fall die Schwierigkeiten, mit denen Pablo Picasso zu kämpfen hatte, nachdem er seine Friedenstaube den Dritten Weltfestspielen der Jugend 1951 in Ost-Berlin zur Verfügung stellte: "Er wurde in West-Berlin zu einer Persona non grata. Man hatte eine Ausstellung im Schloss Charlottenburg geplant, aber nach dem Festival packte man die bereits nach Berlin transportierten Skulpturen nicht mehr aus", erinnert die Kunsthistorikerin. "Picasso wurde bei weiteren Ausstellungen gemieden, stattdessen förderte man Henry Moore als neuen Bildhauer für Kunst im öffentlichen Raum." Dies führte zwar zu deutlicher Kritik durch andere Künstler, die sich durch die ständigen Vergleiche mit Moore zunehmend gegängelt fühlten, belegt aber auch die immer strengere Trennung von Ost und West.
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Ein schöner, heller Ausstellungsraum ist aus dem wieder in den Urzustand versetzten gewaltigen Atelier geworden.


Zu sehen ist im Kunsthaus Dahlem seit seiner Eröffnung und noch bis in den Sommer nächsten Jahres die Ausstellung "Portrait Berlin - Künstlerische Positionen der Berliner Nachkriegsmoderne 1945-1955". Sie zeigt 70 Skulpturen, aber auch Bilder, Grafiken und Fotos von etwa 20 Künstlerinnen und Künstlern, unter anderem von Ruthild Hahne, Karl Hartung, Bernhard Heiliger, Jeanne Mammen, Louise Stomps und Hans Uhlmann. Ausgesucht wurden vor allem solche Arbeiten, an denen die Suche nach internationaler Anbindung oder nach dem Einfluss von Exil und Emigration deutlich wird. Und da der Mensch immer das wichtigste und das am meisten beeinflusste Motiv der Bildhauerei ist, wird an seiner Darstellung auch am besten der künstlerische Zeitgeist erkennbar. "Im Nebeneinander von figurativer und abstrakter, bzw. abstrahierender Formensprache wird schließlich auch der Einfluss des schwelenden Ost-West-Konfliktes deutlich", formuliert der Text zur Ausstellung.


Zur Geschichte des Hauses

Das heutige Kunsthaus Dahlem wurde 1939 bis 1942 als Staatsatelier für den Bildhauer Arno Breker gebaut, die Entwürfe lieferte der Architekt Hans Freese. Breker zählte neben Josef Thorak zu den meistbeschäftigten plastischen Künstlern des Dritten Reiches und lieferte ab 1937 die Bauplastiken für die Monumentalgebäude Albert Speers - meist möglichst heroisch wirkende Männergestalten. Da Speer mit den von ihm geplanten Gebäude immer neue Größenrekorde aufstellte, musste das auf Wunsch des Führers errichtete Atelier auch gewaltig eindrucksvoll ausfallen - schon die Flügeltüren an den Eingängen sind neun Meter hoch und die Fenster des 300 Quadratmeter großen Ateliers reichen vom Fußboden bis zur Decke. Hatte man in der Nachkriegszeit noch Zwischendecken eingebaut, um mehr Atelierraum nutzen zu können, so wurde das Gebäude vor Eröffnung des Kunsthauses wieder in den Originalzustand versetzt - nur auf die technischen Einrichtungen, mit deren Hilfe Breker immer gewaltigere Heroen schaffen sollte, waren nicht mehr nötig: Kran, Hebebühne und Lastenfahrstuhl zum Keller.

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Außen wird gut deutlich, dass es sich um ein Atelier für staatstragende Künstler aus NS-Zeiten handelt.

Die Pläne Hitlers und seines Architekten Speer gingen über das Atelierhaus für Breker aber noch weit hinaus. So sollten am Grunewald 20 monumentale Ateliers entstehen, sozusagen das Zentrum der künstlerischen Elite der "Reichshauptstadt Germania". Es blieb aber bei dem einen Gebäude, und das wurde noch nicht einmal richtig genutzt. Durch Bombenexplosionen gingen die Glasoberlichter kaputt und Breker zog 1940 in ein Schloss bei Wriezen, das ihm Hitler zum 40. Geburtstag geschenkt hatte. Dort richtete er auch seine Arno-Breker-Bildhauerwerkstätten GmbH ein.

Nach dem Krieg zogen kurzfristig die amerikanischen Streitkräfte in den Bau am Käuzchensteig ein, dann übernahm die Stadt die Immobilie und bot sie den ehemals Staatlichen Museen und der Hochschule für Angewandte Kunst in Weißensee an. Die lehnten aber dankend ab und so wurde das mittlere Atelier der Berliner Steinmetzinnung zur Verfügung gestellt. Seit 1949 hatten mehrere Bildhauer hier ihren Arbeitsplatz. Nachdem 1966/67 nebenan das Brücke Museum entstanden war, wurde das Atelierhaus vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Berliner Kultursenat an namhafte Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt vergeben - und in den Räumen sollen beste Feste gefeiert worden sein.

Wer mehr über die Vergangenheit des Hauses und seine Nutzung erfahren möchte, kann sich Schautafeln vor dem Eingang ins Museum ansehen. Der Eintritt kostet 6/4, in Kombination mit dem benachbarten Brücke-Museum 8/5 Euro, bis 18 Jahre frei.   my

Das Kunsthaus Dahlem ist hier zu finden
Seine Homepage hier.

veröffentlicht 03. 02 2016 14:56
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