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Tempelhof, mein Tempelhof. Für und Wider die Erschließung des Tempelhofer Feldes

Anfang April 2011 wurde mit der ‚Tempelhofer Freiheit’ der Siegerentwurf des Wettbewerbsverfahrens für die Neugestaltung des Tempelhofer Feldes vorgestellt. Ein Team von zwei schottischen Architekturbüros um Eelco Hooftman (Interview zeit online) bekam den Zuschlag zur Gestaltung der rund 386 Hektar großen Freifläche. Dessen Vision ist es, die Offenheit des Feldes zu bewahren und es für unterschiedliche Benutzergruppen zu erschließen. „Menschen sollen aktiv werden“, so Hooftmann. Glaubt man einem Kommentator in der Diskussion auf baunetz.de, so hat sich der Entwurf von Hooftmann im Laufe des Wettbewerbes sehr gut weiterentwickelt, wobei die Weite des Feldes gewahrt bleibt und vor allem das Gebäude in die Landschaft integriert wird.

Die erfolgreichen Entwürfe gibt es in einer Slideshow auf baunetz.de. Eine Animation bietet die Website der Grün GmbH. Umfangreiche Informationen gibt es im Downloadbereich der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Doch es geht nicht nur um die ‚Parklandschaft’. Die Gestaltung der Randgebiete sowie der angrenzenden Quartiere ist aktuell Gegenstand der Planung und Mittelpunkt der Diskussion. Auf rhetorischer Ebene ist hier Einiges bewegt worden. Anhand von Leitbildern wurden Ideenschwerpunkte für die einzelnen Grenzareale des Feldes gesetzt (Erläuterungen auf www.tempelhoferfreiheit.de).

 

Tempelhofer_Feld_Berlin_BMG.jpg

 

Die Bühne des Neuen nennt sich die Nutzung des eigentlichen Flughafengebäudes; dies soll die Präsentationsfläche der gesamten Nutzung sein und neben Raum für Events die Kreativwirtschaft anziehen. Etwas weiter südlich ist mit Wissen und Lernen in der Nähe des S-Bahnhofs Tempelhof u.a. der Neubau der beiden Häuser der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) geplant (dies wurde im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU Mitte Oktober vereinbart (Bericht Tagesspiegel).

Ein Stückchen östlich nahe der Autobahn soll unter dem Motto Saubere Zukunftstechnologien ein Businesspark für Unternehmen der Clean-Tech-Branche (mit einem Schwerpunkt auf Elektromobilität) entstehen. Die Verbindung des Geländes mit dem Schillerkiez im Osten steht unter dem Motto Integration der Quartiere. Dahinter stecken warme Worte wie ‚Vernetzung mit Bildungsprojekten’ oder ‚Pionierprojekte Neuköllner Nachbarschaften’. Tatsächlich soll in diesem Bereich vor allem auf 24Hektar gebaut werden. Jede Menge Wortschwall steckt auch im Bereich der Friedhöfe und der Moschee am Columbiadamm. Dialog der Religionen nennt sich das Gebiet – konkrete Veränderungspläne gibt es aber wohl nicht. Bleibt noch das Gebiet in der Mitte des Columbiadammes – hier ist mit Sport und Gesundheit ein 19,5Hektar großes Gesundheitsquartier geplant.
Konkrete Maßnahmen sind zunächst für den Park selbst (frühestens ab 2013) geplant. 2017 soll auf 80Hektar die Internationale Gartenausstellung zu sehen sein (eine umfangreiche Broschüre mit vielen Informationen bietet die Senatsverwaltung. 2020 wird es dann auf einer neuen Bauausstellung langsam ernst mit den vier Quartieren Gesundheit, Wohnen, Bildung und Gewerbe (Bericht Berliner Morgenpost).

Und natürlich regt sich da schon Widerstand. Die Initiative THF 100% will ein Volksbegehren anschieben, um die ‚Zerstörung des Freizeitparadieses’ mit der Maximalforderung „Die Fläche muß als Ganzes und in ihrer gegenwärtigen Form und Nutzung erhalten bleiben.“ zu verhindern (Bericht taz).

Die Transparenz der Planung und der Vorhaben durch die federführenden Unternehmen ist in jedem Fall sehr mangelhaft. Es ist z.B. gar nicht leicht, die konkreten Flächenangaben für das Feld und die einzelnen Quartiere in Erfahrung zu bringen. Auf der Website der städtischen ‚Tempelhof Projekt GmbH’ gibt es keinerlei Informationen zu den konkreten Plänen – die muss man sich selbst zusammensuchen. 

Derweil wurde am 30.10.2011 mit einer „Gedenkveranstaltung und Mahnwache mit Lichterkette“ an die „schändliche Schließung des Zentralflughafens Tempelhof“ erinnert.

 

 (dr)

veröffentlicht 16. 12 2011 15:14
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