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Versteckte Schönheiten - Sehenswertes neben den Sehenswürdigkeiten

Autor: my

Touristische Ziele gibt es in Berlin in solcher Zahl, dass die Besucher der Metropole immer eine Auswahl treffen müssen, die zu knapp ausfällt. Aber auch Menschen, die sich in der Stadt gut auskennen, sind zahlreiche sehenswerte Orte kaum bekannt - vor allem, wenn nebenan die großen Sehenswürdigkeiten zum Besuch verführen. Ein Beispiel dafür ist die Loggia Alexandra: Ein kleines Gebäude mit schöner Aussicht und noch interessanterer Geschichte, das mitten im Landschaftspark Klein Glienicke liegt und damit zum Weltkulturerbe der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft zählt, das aber dennoch auch den meisten Berlinern nicht bekannt ist.

Von der kleinen, auf dem 66 Meter hohen Böttcherberg liegenden Loggia, die Prinz Carl von Preußen 1869/70 im Stil der Frührenaissance errichten ließ, hat man einen herrlichen Blick zum Schloss Babelsberg und nach Potsdam. Und sieht man sich das halbkreisförmige Gebäude selbst an, erblickt man hinter einer schützenden Glaswand vier sehr schöne Wandgemälde und eine Tür mit der Aufschrift „Alexandra“.

Prinz Carl von Preußen wollte mit dem Bau an seine Schwester erinnern, an Charlotte von Preußen (1789-1860), die nach ihrer Heirat mit dem späteren Zaren Nikolaus I. den Namen „Alexandra Feodorowna“ angenommen hatte. Eine Marmorbüste von ihr stand einst im nicht zugänglichen Innenraum, ist aber verschwunden – so wie einst fast das ganze Gebäude.

Der Aussichtspavillon wird nach dem Tod des Prinzen nämlich fast vergessen. Den Park überließ man sich selbst und alles wuchs zu – sowohl das Bauwerk wie die Aussicht. Die Büste der Zarin wurde schon vor dem Zweiten Weltkrieg gestohlen, im Krieg wird der Pavillon beschädigt und danach verfällt er im Lauf der Zeit immer mehr. Ende der fünfziger Jahre wird eine Wendeltreppe aus Granit zerstört und mit Lagerfeuern beschädigte man Wände und Mosaiken. Die Gemälde wurden sogar demoliert und bemalt, so dass sie gänzlich verloren waren. Einzige Gegenmaßnahme blieb ein Zaun, den man 1959 um den Pavillon zog – und man hatte Anfang der sechziger Jahre sogar die Idee, den Pavillon abzureißen, da er so beschädigt war. Die Denkmalpfleger konnten sich aber durchsetzen ...

Da der Böttcherberg im westlichsten Winkel Zehlendorfs von der Mauer fast eingeschlossen war und nur wenig besucht wurde, begann man erst in den neunziger Jahren, die  Loggia Alexandra zu restaurieren und die Mosaiken und Wandmalereien wiederherzustellen. Seit 2001 kann man den so lange vergessenen Pavillon wieder besuchen – und das ist wirklich zu empfehlen. Nicht zuletzt, weil man von hier in wenigen Minuten nicht nur Park und Schloss Babelsberg erreicht, sondern dabei auch noch an den Schweizerhäusern in Klein Glienicke vorbeikommt, sich die schöne kleine Kapelle von Reinhold Persius sowie das Jagdschloss ansehen kann und einladende Biergärten passiert.

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Mitten im Wald und lange vergessen: Die Loggia Alexandra.

 

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Vier solche hübschen Bildnisse zieren das Innere des Pavillons.

 

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Die von Reinhold Persius entworfene, 1881 eingeweihte Kapelle lag während der Zeit der Mauer im Osten und verfiel. Sie wurde in den neunziger Jahren wieder aufgebaut. Die Loggia und das Jagdschloss befanden sich auf dem Territorium West-Berlins.

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Eines der vier noch bestehenden Schweizer Häuser in Klein Glienicke – zehn wurden einst gebaut. Auf dem Weg von der Loggia kommt man übrigens an einem extra angelegten kleinen Felsmassiv vorbei – hier wurde schließlich an die alpenländische Landschaft erinnert.

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Von dem vor der Glienicker Brücke liegenden Jagdschloss sieht man die Schlösser Gienicke und Babelsberg, die man nach kurzen Fußwegen auch erreicht. Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wurde das Jagdschloss als Lazarett für das Garderegiment genutzt, heute finden hier Fortbildungsveranstaltungen statt.


veröffentlicht 09. 12 2015 15:33
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