Home

Immer mehr Abiturienten – außer in den armen Vierteln

Über den Mangel an Azubis wird häufig geklagt – inzwischen sind manche Berufe so unbeliebt, dass sie kaum noch jemand erlernen will und in manchen Bereichen werden die Anforderungen an Bewerber immer weiter gesenkt, damit man überhaupt noch Lehrlinge findet. Wie eine neue Mitteilung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zeigt, muss das aber an der mangelnden Beliebtheit der Berufe liegen und an den Ergebnissen einer seit Jahrzehnten betriebenen Bildungspolitik: Immer mehr Schulabgänger wollen studieren. Daran kann selbst die aktuelle Neuigkeit nichts ändern, dass die Zahl der Schulabgänger in Berlin und Brandenburg in den letzten drei Jahren um 8,6 Prozent gestiegen ist.

Doch zu den Daten des Statistischen Amtes: Rund 28 700 Berliner und 22 100 Brandenburger Schülerinnen und Schüler haben am Ende des Schuljahres 2015/16 die allgemeinbildenden Schulen verlassen, damit strömten im vergangenen Sommer mehr als 50 000 junge Menschen an die Hochschulen und auf den Arbeitsmarkt. Interessanterweise war der Anteil in Brandenburg viele höher, hier nahm die Zahl der Absolventen und Abgänger in den letzten drei Jahren um rund 3 300 Personen zu, in Berlin nur um knapp 1 000 Jugendliche – wohl ein Zeichen der anhaltenden Abwanderung von Familien ins Umland.

Schule_allg.jpgDeutlich wird aber auch die sich immer weiter verstärkende und sozial bedingte räumliche Bildungstrennung – in bürgerlichen Kiezen wird mehr gelernt als in armen Gegenden. So verließen in Potsdam mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler die Schule mit der Hochschulreife, in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf waren es sogar zwei Drittel. Die Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Neukölln können dagegen nur auf ein Drittel Abiturienten verweisen und im Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat sogar nur ein Viertel der Jugendlichen ihr Abi gemacht.
 
Dem entspricht zumindest in Berlin die Zahl der jungen Menschen, die keinen vernünftigen Beruf erlernen werden: Knapp neun Prozent der Schülerinnen und Schüler verließen ihre Schule ohne einen Abschluss, wobei der Anteil des weiblichen  Geschlechts immerhin bei 40 Prozent lag. Brandenburg meldete auch einen neuen Höchststand von rund 7 Prozent, darunter 63 Prozent männlich.

Unter den Schulabgängern mit Hochschulreife sind die Frauen aber in der Mehrheit – in Berlin stellen sie 54, in Brandenburg 55 Prozent der Abiturienten. Beim beim mittleren Schulabschluss liegt der Frauenanteil in beiden Ländern bei 48 Prozent, bei der Berufsbildungsreife in Berlin bei 42 Prozent, in Brandenburg bei 39 Prozent.

Dramatisch ist aber doch der Rückgang der Jugendlichen, die die beruflichen Schulen vollständig durchlaufen haben: In Brandenburg waren es 35 Prozent weniger als vor fünf Jahren. Von 14 100 Jugendlichen absolvierten rund 11 000 erfolgreich eine vollqualifizierende Ausbildung und rund 1 400 eine berufsvorbereitende Maßnahme. In Berlin durchliefen 28 000 Jugendliche die Bildungsgänge der beruflichen Schulen, damit liegt der Rückgang in den letzten fünf Jahren "nur" bei 11 Prozent. Rund 21 500 Jugendliche beendeten mit Erfolg eine vollqualifizierende Ausbildung, bei den berufsvorbereitenden Maßnahmen waren es rund 2 900. Angesichts des Lehrlingsmangels wird diese Zahl aber ziemlich sicher zurückgehen.

veröffentlicht 28. 06 2017 14:40
Trackback | Permalink | 0 Kommentar(e) anzeigen | Kommentar eingeben
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de