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Beliebter Müll

Es gibt ja Exoten, die Dreck auf den Straßen als Mittel gegen die fortschreitende Gentrifizierung ansehen. Was in manchen Gegenden der Stadt aber immer auf der Straße liegt, ist für die meisten Menschen nur ärgerlich - es ist einfach (Sperr-)Müll, der hier nicht hergehört und der eine Gegend richtig versauen kann.

Absoluter Spitzenreiter in Sachen illegaler Müllentsorgung ist Neukölln. Die Stadtreinigung teilte mit, dass im letzten Jahr rund 800 Tonnen Sperrmüll in den Straßen des Bezirks eingesammelt wurden. Seit man in der ganzen Stadt Müllecken auch online melden kann, gehen unter https://ordnungsamt.berlin.de am Tag bis zu 200 Hinweise auf Kühlschränke, Fernseher, Matratzen und Sofas ein, die irgendwo auf den Gehweg gestellt wurden.

Was mehr als irgendwo anders in Nord-Neukölln passiert. Die Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey startete in der vorigen Woche deshalb eine Aktion mit dem Namen „Schön wie wir – so wollen wir unser Neukölln“, mit der sie die Bewohner gern ein wenig umerziehen möchte. "Die Menschen müssen ihr Verhalten ändern. Sie müssen sich verantwortlich fühlen und einen Stolz auf ihren Bezirk entwickeln", sagt sie und hofft, dass die Einsicht wächst, dass man seinen Müll nicht einfach auf die Straße stellen sollte.

Doch dies ist nicht einfach. Will man zum Beispiel einen alten Sessel loswerden, so kann man ihn ohne Probleme in eine Müllannahmestelle der BSR bringen und kostenlos abgeben. In einer Stadt, die immer stolz darauf ist, dass weniger Autos und mehr Fahrräder die Straßen bevölkern, sind dazu aber immer weniger Menschen in der Lage - ganz abgesehen davon, dass ein Sofa auch nicht ins Auto passt.

 Sperrmüll_Sofas_my_555.jpg

Oft zu finden in der Stadt: Eine Sitzecke an ungewohnter Stelle.

Will man seinen Sessel abholen lassen, kommen indes Kosten auf einen zu. Für die Abholung verlangt die BSR 50 Euro, dafür kann man bis zu fünf Kubikmeter alte Möbel mitgeben. 50 Euro sind aber ein Satz, den nur sehr wenige bezahlen wollen oder können in dem Bezirk mit dem höchsten Anteil von Leuten, die von Stütze leben.

Nun ist das Entsorgen von Müll ja eigentlich eine Ordnungswidrigkeit und es wird gern darauf verwiesen, dass bis zu 5.000 Euro Bußgeld fällig werden können, falls man erwischt wird. In Berlin leitete man im vorigen Jahr tatsächlich 598 entsprechende Verfahren ein, herausgekommen sind dabei aber ganze sieben Bußgeldbescheide.  Die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Strafe zahlen muss, ist also minimal - und mit großer Wahrscheinlichkeit beträgt sie keine 50 Euro. Die Kosten für die Verfahren könnte man sich also eigentlich sparen, einen Erziehungseffekt gibt es genauso wenig wie irgendwelche Einnahmen. Nur Kosten werden produziert, eingesammelt wird ja nicht umsonst.

Der Müll landet also weiter auf den Straßen, allen Erziehungsbemühungen zum Trotz. Und auf die Idee, dass man Sperrmüll auch kostenlos abholen könnte, wenn er denn anfällt, kommt in Berlin auch keiner. Im Umland verlangen manche Gemeinden eine Jahresgebühr von allen Haushalten, dafür kommt das Müllauto, wenn es nötig ist. Aber eine neue Gebühr kann man den notleidenden Berlinern doch nicht zumuten.

Dabei müssen die meisten sowieso zahlen. Stellen die Nachbarn etwas in den Hof, so ruft die Hausverwaltung eben die BSR und zahlt die teure Rechnung. Die Kosten werden ja dann auf die Mieten umgelegt.     my

veröffentlicht 15. 03 2016 11:44
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