Home

Schwieriger Schulbau

Mitte Februar präsentierte das Büro Staab Architekten seine Entwürfe für den Neubau der am Rande der Gropiusstadt gelegenen Clay-Schule. Es handelt sich um das größte Neubauvorhaben des Bezirks Neukölln und ist eines von drei Pilotprojekten des Landes für besonders "nachhaltiges Bauen". Auch architektonisch werden die Pläne sehr gelobt, dennoch verbinden sich mit dem Bauvorhaben nicht nur positive, sondern auch sehr negative Aspekte.

Das Gute lässt sich kurz zusammenfassen: Für etwa 1100 Schülerinnen und Schüler wird für 40 Millionen Euro ein zweigeschossige Schulbau mit den stolzen Ausmaßen von 102 mal 88 Metern entstehen, der sich um drei Lichthöfe gruppiert und fast 10.000 Quadratmeter Nutzfläche bietet. Eine große Aula wird zur Verfügung stehen und "offene Lernlandschaften" sowie eine Bibliothek. Bürgermeisterin Franziska Giffey lobte die Außenfassade mit Sichtziegeln und Holzfensterformaten, die hervorragend nach Neukölln passe. Außerdem werde das Gebäude "nach den neuesten Standards des nachhaltigen Bauens" errichtet.

 Clay-Schule.jpg 

So soll der Neuköllner Schulneubau aussehen - eine hervorragende Lösung nach Jahrzehnten ...

Sehr nachhaltig sind auch die negativen Aspekte des Bauens von Schulen. Die Clay-Schule eröffnete 1976 in einem "Bildungszentrum Lipschitzallee" genannten Beton-Klotz mit möglichst wenigen Fenstern. Als man merkte, dass man Unmengen von Asbest verbaut hatte, schloss man die Schule, verteilte die Schüler 1988 auf neun verschiedene Standorte und bezog ein Jahr später einen Ersatzbau am Bildhauerweg. Das Provisorium sollte fünf Jahre lang genutzt werden. Der Neubau, dessen aktuellen Planungsstand man jetzt wieder vorstellte, wird wahrscheinlich im Jahr 2022 bezogen. Bis zur Fertigstellung eines richtigen neuen Schulgebäudes hat man dann also 36 Jahre gebraucht.

Nun wächst die Zahl der Bevölkerung in Berlin seit einigen Jahren, und diese Entwicklung strebt immer neue Rekorde an. In einer im Januar von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlichten Bevölkerungsprognose wird Berlin für den Zeitraum von 2015 bis 2020 ein Zuwachs zwischen 131.000 und 243.000 Einwohnern prognostiziert (untere und obere Variante). Und nun die schlechte Nachricht: Die Prognose verwendete Zahlen bis 2014, der Zuzug von Flüchtlingen ist also kaum berücksichtigt.

Laut  Mitteilung des Regierenden Bürgermeisters (Stand 25.01.2015) sollen in Berlin im Jahr 2015 genau 79.034 Flüchtlinge angekommen sein, davon sollen 7.383 Schülerinnen und Schüler in 669 Willkommensklassen unterrichtet werden. Die Bundesregierung rechnet zurzeit mit  3,6 Millionen Flüchtlingen bis 2020, hat dabei aber den Familiennachzug wohl nicht berücksichtigt. In Schöneberg hat man gerade ein Flüchtlingsheim geschlossen, das Gebäude wird als Schule für Flüchtlinge genutzt (Meldung vom 24.02.2016).   Angesichts der Bauzeit neuer Schulen muss man wohl den Schichtbetrieb in den vorhandenen Gebäuden prognostizieren.                       my 

 

 

veröffentlicht 25. 02 2016 09:42
Trackback | Permalink | 0 Kommentar(e) anzeigen | Kommentar eingeben
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de