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Den Kunstschaffenden geht's schlecht

Das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) und der berufsverband bildender künstler*innen berlin stellten die Ergebnisse einer Studie über die Kunstschaffenden in Berlin vor. Ein Vorläufer legte 2011 den Schwerpunkt auf Räume und Stadtentwicklung, nun beleuchtete man vor allem den Gender Pay Gap in der Bildenden Kunst.

Das Ergebnis: Frauen sind in Kunstgalerien unterrepräsentiert – Männer haben im Schnitt um 22 Prozent mehr Einzelausstellungen – und das sogenannte Gender Pay Gap liege in der Berliner Kunstwelt bei 28 Prozent, also höher als der allgemeinen Durchschnitt von 21 Prozent.

Und auch, wenn das absolut nichts über künstlerische Fähigkeit aussagt, geht es hier doch um einen Streit zwischen Krethi und Plethi: Im Schnitt werden mit künstlerischer Arbeit im Jahr  9.600 Euro verdient, die Hälfte aller Künstler erreicht keine 5.000 Euro. Was sich aber auch nicht gleich verteilt, Männer kommen auf 11.662 Euro, Frauen auf 8.390. Kein Wunder also, dass Kunst, vor allem wenn sie Anführungszeichten trägt, in der Regel nur ein Zweitjob ist, ein Zusatzverdienst. "Insgesamt bezieht nur jede zehnte Künstler*in ihr gesamtes Jahreseinkommen aus der künstlerischen Arbeit, 13% der Männer und 8% der Frauen", heißt es in der Studie, und natürlich können fast alle  nicht von ihrer Rente leben. Durchschnittliche Rentenerwartung: 357 Euro, bei der Hälfte aller Künstler*innen weniger als 280 Euro. Im Monat.
Carl_Spitzweg_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpgSo viel geändert hat sich jetzt auch nicht ... Carl Spitzweg malte seinen armen Poeten im Jahre 1839. Foto:Wiki CC

Für  Frauen ist die Lage besonders mies. Sie haben weniger Geld und dafür mehr Kinder, wenn es zur Trennung kommt. Das ist zwar in anderen Arbeitsbereichen auch so, unter den prekären Verhältnissen in der Kunst stellt die Hälfte der Frauen hier Kinderwünsche aufgrund ihrer beruflichen Situation zurück.

Benachteiligung, ausgeprägte und im Alter noch steigende Armut – ein attraktives Berufsbild kann die Kunst nicht bieten. Daran werden auch angestrebte Dialoge und Entwicklungspläne nicht viel ändern, wie sie der Autor der Studie Hergen Wöbken vorschlug. Berlin müsse als nach New York weltweit wichtigster Produktionsstandort für Gegenwartskunst diesen Kultur-und Wirtschaftsfaktor doch stärker pflegen, sagt er.

An der Studie nahmen 1.745 Künstlerinnen und Künstler teil, die Ergebnisse sind also relativ repräsentativ und könnten als Grundlage für Maßnahmen der Kulturpolitik dienen. Die im Schnitt 47 Jahre alten Künstler bestritten in den letzten drei Jahren zusammen rund 3.200 Einzel- und fast 10.000 Gruppenausstellungen, 40 Prozent davon waren in Berlin. Wirtschaftlich interessant ist der Kunstbetrieb also schon, aber es müssen ja nicht immer die Produzenten profitieren ...

veröffentlicht 24. 04 2018 13:45
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