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26.01.2018 - 30.06.2018

Der Rote Gott

Ausstellung über Stalin-Kult in der frühen DDR

Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser als Stalin (der Stählerne) bekannt, hatte im vorigen Jahrhundert einen immensen Einfluss auf Deutschland. Ohne ihn wäre ein Sieg der Aliierten nicht möglich gewesen, er sorgte für die Abtrennung der deutschen Ostgebiete, für die Einrichtung einer kommunistischen Diktatur in der russischen Besatzungszone und für die gut vier Jahrzehnte dauernde Teilung Deutschlands. Man weiß auch noch von seinen Verbrechen gegen die russische Bevölkerung, aber dennoch ist er weitgehend aus der Erinnerung entschwunden.
Stalin_Weltfestspiele der Ju8gend_1951.jpg
Perfekte Großkundgebungen sind ein grundlegendes Kennzeichen von Diktaturen, hier werden 1951 die Weltfestspiele der Jugend im Lustgarten inszeniert - mit 26.000 Teilnehmern aus 104 Ländern, die alle Stalin zujubeln. Die Statue rechts unten wurde zum gleichen Zeitpunkt auf der Stalinallee aufgestellt. Zehn Jahre später entfernte man sie über Nacht und schmolz sie ein. In der Ausstellung wird ein identischer Abguss aus der Mongolei gezeigt.

Stalinstatue_Stalinallee_1951.jpgDabei hat er die Entwicklung im Osten Deutschlands erstaunlich weit vorgegeben. Die politische Führung der DDR erhielt in fast allen Dingen klare Anweisungen, gleichzeitig wurde er solange er lebte wie ein Heiliger verehrt. Man benannte Betriebe, Straßen und die damals viertgrößte Stadt der DDR nach ihm, man stellte überall Denkmäler auf und die Zahl der Bilder, die ihn priesen, war nicht zu zählen. In jedem Betrieb und an jeder Schule gab es auch eine "Stalin-Ecke", an der nach seinem Tod am 5. März 1953 überall eine Trauerfeier stattfand. Der Kult um den "Führer" (russisch: Vo�d', so ließ sich Stalin seit 1929 nennen) war schon erstaunlich, aber wahrscheinlich war die deutsche Bevölkerung das Leben in einer Diktatur einfach zu gewöhnt.

Die Sonderausstellung "Der Rote Gott - Stalin und die Deutschen" in der Gedenkstätte Hohenschönhausen beschreibt nun den Stalin-Kult in der frühen DDR und dokumentiert, wie die ostdeutsche Bevölkerung ab 1945 mit Hilfe von Massenaufmärschen, Denkmälern und überlebensgroßen Portraits auf die SED-Herrschaft eingeschworen wurde.

In der Ausstellung werden äußerst seltene Objekte des Stalin-Kults präsentiert. Dazu gehört ein identischer Abguss der fast fünf Meter hohen Stalin-Statue, die bis 1961 auf der Stalinallee, der heutigen Karl-Marx-Allee, stand. Architekturmodelle zeigen die Pläne für die gigantomanische Umgestaltung der Mitte Berlins. Der Stalin-Propaganda wird die massive Gewalt bei der Errichtung der Diktatur entgegengestellt.
Stalin_Pläne._1951_kl.jpgModell der Pläne, die Walter Ulbricht im Auftrag Stalins 1950/51 für die Mitte Berlins anfertigen ließ. Das sozialistische Muster-Hochhaus an Stelle des Schlosses sieht aus wie das Unigebäude in Moskau oder der Kulturpalast in Warschau. Gebaut wurde es aus Geldmangel nicht. Fotos: Gedenkstätte Hohenschönhausen

Der Eintritt ist frei

Begleitband:
Andreas Engwert (Hg.), Hubertus Knabe (Hg.)
Der rote Gott - Stalin und die Deutschen
176 Seiten, 134 Abb., 210 x 260 mm, Festeinband, teils farbige Abb., 20 Euro
ISBN 978-3-86732-298-0


 
URL:  http://stiftung-hsh.de/ausstellungen/wechselausstellungen/2018/der-rote-gott/


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Die Gedenkstätte auf dem Gelände der früheren zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit ist eine selbstständige Stiftung öffentlichen Rechts. Sie hat die gesetzliche Aufgabe, die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am Beispiel dieses Gefängnisses soll sie zugleich über das System der politischen Justiz informieren.
 
 
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