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06.07.2016 - 08.01.2017

Sieht aus wie bei Zille ...

Ein Charlottenburger engagierte sich lange Jahre für seinen Kiez am Klausenerplatz und machte davon Fotos - und die erinnern sehr an Aufnahmen von Heinrich Zille, der im selben Kiez wohnte und ihn uns in unvergeßlichen Bildern hinterließ, die uns vorkommen, als stammten sie aus einer völlig anderen Zeit. Dass sich die Verhältnisse langsamer ändern als gedacht, zeigt die Ausstellung "Auf den Spuren von Heinrich Zille - Kiezfotografien 1976 - 1984" von Gottfried Schenk, die vom 6. Juli 2016 bis zum 8. Januar 2017 im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf zu sehen ist.

Der Kiez des Klausenerplatzes liegt südlich des Schlosses Charlottenburg zwischen Spandauer Damm, Schloßstraße, Sophie-Charlotten- und Knobelsdorffstraße. Zille wohnte hier 37 Jahre lang und malte viele seiner berühmten "Milljöh"-Studien im Kiez. Gottfried Schenk lebte von 1976 bis 1984 im Kiez, war in einer Mieterinitiative aktiv und versuchte, die an Zille erinnernde morbide Schönheit verfallender Gründerzeitbauten zu fotografieren.

Der Klausenerplatz-Kiez entstand in der Gründerzeit und hat heute rund 10.000 Einwohner - als Heinrich Zille (1858 - 1929) noch in der Sophie-Charlotten-Straße 88 wohnte, lebten hier bis zu 30.000 Menschen. Bei ihm würden auf dem Hof unten wohl ein paar Kinder mehr spielen, zeigten sie doch ein hervorragendes und wahres Bild der Wohn- und Lebensverhältnisse in den Häusern, die man noch lange "Mietskasernen" nannte. schenk_hinterhofin-der-seelingstrasse-46_1977_web.jpg
Diese Aufnahme machte Gottfried Schenk 1977 in dem Hof der Seelingstrasse 46; nicht viel später wurden einige Häuser in der Umgebung instandbesetzt.


Im Krieg blieb das Viertel weitgehend erhalten, die baulichen Verhältnisse waren aber so miserabel, dass man es wegen der schlechten sanitären Ausstattung und des zunehmenden Verfalls 1963 zum Sanierungsgebiet erklärte. Mit Abriss, komplettem Neubau und damit steigenden Mieten waren die Berlinerinnen und Berliner jedoch immer weniger einverstanden, und auch hier gründete sich 1973 eine Mieterinitiative, die die Häuser erhalten wollte und bezahlbare Mieten forderte. Nach vielen Jahren heftiger Auseinandersetzungen und vieler Hausbesetzungen (damals meist Instandbesetzungen genannt) musste der Senat seine Sanierungspolitik durch "behutsame Stadterneuerung" ersetzen.

Passend zur Ausstellung ist im be.bra verlag der Bildband von Gottfried Schenk "Charlottenburgs rote Insel - Vom Zille-Milieu zum Klausenerplatz-Kiez" erschienen (Berlin 2016, 144 Seiten, 137 Abb., 20 Euro, ISBN 978-3-8148-0227-5).

Begleitveranstaltungen: Führungen durch die Ausstellung mit dem Fotografen und Ausstellungskurator Gottfried Schenk am Dienstag, 16. August, und am Sonntag, 18. September 2016, jeweils um 14 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung erbeten unter Tel. 902 92 41 06.

Wer sich die Ausstellung am Sonnabend, 9. Juli, ansieht, kann von 14 bis 22 Uhr auch noch ein Fest des Kiezbündnisses Klausenerplatz auf eben jenem Platz besuchen. Ab 20 Uhr spielt hier auch Ulli Zelle mit seiner Band "Die grauen Zellen".
 
URL:  http://www.villa-oppenheim-berlin.de/ausstellungen/sonderausstellungen/auf-den-spuren-von-heinrich-zille.html

Eintritt kostenlos


Zur Umkreissuche   Anschrift
Museum Charlottenburg-Wilmersdorf
Schloßstraße 55
14059 Berlin - Charlottenburg-Wilmersdorf
 
Telefon:  +49 30 - 90 29 24 106
Telefax:  +49 30 - 90 29 24 160
URL:  http://www.villa-oppenheim-berlin.de/
 
 
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