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11.03.2017 - 11.06.2017

Wiederentdeckte Moderne

Neue Ausstellung über den Architekten, Künstler und Visionär Friedrich Kiesler

Friedrich Kiesler kam 1890 in Czernowitz in der österreichisch-ungarischen Bukowina auf die Welt und starb 1965 in New York - und ebenso wandlungsreich wie sein Lebenslauf waren die Dinge, mit denen der österreichisch-amerikanische Architekt, bildende Künstler, Designer und Bühnenbildner die Welt bereicherte. Er studierte an zwei Unis in Wien, der Technischen Hochschule und der Akademie der bildenden Künste, und danach dachte er sich in den verschiedensten Bereichen unterschiedlichste neue Dinge aus - von neuartigen Konstruktionen für Theaterbühnen über eine schwebende Stadt der Zukunft bis zum ebenso monumental wie futuristisch wirkenden Schrein des Buches in Jerusalem, seinem Spätwerk. 1926 war er mit seiner Frau nach New York übergesiedelt, wo er sich als Künstler und Bühnenbildner, Architekt und Designer und an der Columbia University auch als Lehrender zu einer Integrationsfigur der europäischen Avantgarde und der jungen amerikanischen Kunst entwickelte - eine spannende Figur, bei der es sich lohnt, sie wieder in Erinnerung zu rufen.

Friedrich Kiesler brachte die Grenzen der einzelnen Kunstgattungen ein wenig durcheinander, und sein Konzept eines endlos fließenden Raumes und seine ganzheitliche Designtheorie des Correalismus zählen zu den erstaunlichen Visionen des 20. Jahrhunderts. Und obwohl man ihn kaum noch kennt, soll sich sein Freundeskreis wie ein Who-is-Who der Avantgarde lesen, berichten die Ausstellungsmacher. In der am Sonnabend eröffnenden Schau soll Kiesler mit seinem vielschichtigen Schaffen jedenfalls wieder bekannter gemacht werden, gleichzeitig will man auch sein Umfeld skizzieren und seine Bedeutung für die Architektur- und Kunstgeschichte des vergangenen Jahrhunderts aufzeigen.

Seinen ersten großen Erfolg feierte Kiesler 1923 in Berlin mit einem elektro-mechanischen Bühnenbild und schon im Jahr darauf kuratierte er nicht nur eine "Ausstellung neuer Theatertechnik" in Wien, er kam auch mit seiner "Raumbühne" als zentrales Ausstellungsstück sehr gut an. 1925 stellt er auf einer Pariser Ausstellung eine Zukunftsvision einer frei schwebenden Stadt vor, eine modellhaft als Ausstellungsstruktur dargestellte "Raumstadt". 1926 ging er dann nach New York, um eine weitere Theaterausstellung zu organisieren.

Seine avantgardistischen Ideen waren wohl ein wenig zu gewagt für die Neue Welt, aber Kiesler musste sich nur kurz mit der Gestaltung von Schaufenstern und Geschäften durchschlagen. 1929 entwarf er in New York das erste "100% Cinema", eine Ikone der modernen Kinoarchitektur, in der auch Bilder an die Seitenwände und die Decke geworfen wurden - ein frühes Beispiel der Virtual Reality. Es folgten Entwürfe für Möbel und Lampen, bis er 1933 ein "Space House" vorstellte, ein Einfamilienhaus im original großen Modell. Und hier lieferte er auch seine Theorien dazu und formulierte sein Konzept einer "Raum-Zeit-Architektur", einer Architektur, die alle möglichen Aspekte des menschlichen Daseins berücksichtigen soll. Diesen Gedanken verfolgte er auch, als er von 1937 bis 1941 ein Laboratory for Design Correlation an der Columbia University leitet und seine Correalismus-Theorie entwickelte, einen ganzheitlichen Designansatz.

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So sah es aus. das "Space House" in der Modernage Furniture Company in New York. 1933.

Foto: Fay S. Lincoln / Friedrich Kiesler Stiftung

Auch spektakuläre Ausstellungsräume gestaltete Kiesler, zum Beispiel Peggy Guggenheims "Art of This Century Gallery", die "Russian American Exhibition", eine "Hall of Ecology" im American Natural History Museum oder die "Exposition Internationale du Surréalisme”. Bei allen wird deutlich, wie nahe er den im New Yorker Exil lebenden Surrealisten steht, zum Beispiel zu Marcel Duchamp, der ein knappes Jahr im Apartment der Kieslers wohnte und mit ihnen bei der Gestaltung von Ausstellungen und Zeitschriften zusammenarbeitete.

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Peggy Guggenheims "Art of This Century", Einblick in die "Abstract Gallery", die Friedrich Kiesler 1942 gestaltete.

Foto: unbekannt © Friedrich Kiesler Stiftung

Ein Lieblingsthema von Kiesler war der "Raum", vor allem der endlos fließende. 1950 schafft er ein kleines eiförmiges Modell für ein "Endless House", für das er 1958 im Skulpturengarten des MoMA ein 1:1-Modell errichtet. Die Räume wirken wie Höhlen, aber es zählt die mögliche Bewegung. Größe und Licht richten sich nach der Nutzung, eine Farbuhr vermittelt den Tagesablauf, indem sie die Sonnenstrahlen in den Räumen verteilt usw usf ... die Idee gilt nicht umsonst als eine Ikone visionärer Architektur des 20. Jahrhunderts.

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Friedrich Kiesler mit seinem Modell für ein "Endless House", New York 1959

Foto: Irving Penn © The Irving Penn Foundation, Condé Nast Publications, Inc.

kiesler_08_shrine_book_innen.jpgDas einzige wirklich errichtete Gebäude Kieslers eröffnet 1965 in Jerusalem: der "Shrine of the Book", den Kiesler gemeinsam mit Armand Bartos plante. Das sakrale Bauwerk beherbergt alttestamentarische Schriftrollen, die am Toten Meer gefunden wurden, und es sieht auch so aus.






Friedrich Kiesler und Armand Bartos, "The Shrine of the Book", Innenaufnahme der Kuppel mit der Jesajarolle als zentrales Ausstellungsstück, Jerusalem 1965

Foto: Ezra Stoller/Esto



 
Eintritt:  10/7 Euro, frei bis 16 Jahre 
URL:  http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb17_friedrich_kiesler/ausstellung_friedrich_kiesler/ausstellung_friedrich_kiesler_190486.php


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