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16.07.2016 - 17.07.2016

Tipps zum Wochenende (28)

In die Unterwelt!
Es gibt nicht nur Tage der offenen Tür, sondern auch einen Tag des offenen Kanals - und zu dem laden die Berliner Wasserbetriebe am Sonnabend ein. Von 11 bis 17 Uhr öffnen am 16. Juli kundige Kanalarbeiter in der Naugarder Straße 15 die Schachtdeckel. Nicht weit vom S-Bahnhof Greifswalder Straße kann man nicht nur durch den romantischen Prenzlauer Berg spazieren, sondern durch einen historischen Überlaufkanal, in dem sich manchmal gewaltige Wassermassen ihren Weg durch den Untergrund bahnen. Über Tage versorgt einen ein "Berliner Wasser Mobil" mit Infos und Erfrischungen (natürlich Wasser) und Mitarbeiter des Kanalbetriebs erklären ihre merkwürdigen Fahrzeuge - man kann also eine Menge über das Abwassersystem der Stadt erfahren.

Der Kanal wurde 1890 aus Ziegeln gemauert und führt von dem Abwasserpumpwerk des Radialsystems XI an der Erich-Weinert-Straße bis zur Museumsinsel. Regnet es stark, leitet er einen Teil des Abwassers, das das Pumpwerk nicht mehr zum Klärwerk fördern kann, zur Spree - zum Leidwesen der Extremsportler, die hier wieder gerne schwimmen wollen. Allerdings kommen die Einleitungen immer seltener vor, weil neue unterirdische Stauräume gebaut werden.

Der kreisrunde alte Kanal, den man besichtigen kann, ist fast zwei Meter breit und hoch und es fließt immer ein wenig Grundwasser aus einer Drainage in Weißensee hindurch. Wer ihn sich ansehen will, braucht daher wasserfeste Schuhe, noch besser Gummistiefel und er sollte eine Taschenlampe mitbringen. Sollte es regnen, füllt sich der Kanal - dann muss die Veranstaltung ausfallen.

In Sachen Wasser kann man am Sonnabend aber noch eine weitere Veranstaltung ansteuern: Das Wasserwerk Kaulsdorf an der Mieltschiner Straße 67 hat am 16. Juli von 13 bis 18 Uhr offene Türen.

Gutshof Britz
Wenn Nicht-Neuköllner über den ärmsten und dennoch angesagten Bezirk sprechen, dann geht es meist um Gentrifizierung oder um die Verwandlung von "Kreuzkölln" in ein touristisch brummendes Amüsierviertel. Neukölln hat seit einigen Jahren aber auch ein kulturelles Zentrum bürgerlichen Zuschnitts, das noch mehr auf den Rest der Stadt ausstrahlen könnte. Kennt man es nicht, kann man es am Sonntag gut kennenlernen: Auf dem Gutshof Britz steigt am 17. Juli von 11 bis 18 Uhr ein großes Hof- und Sommerfest, Unterzeile "Musik Kultur pur".

Es laden alle auf dem Gutsgelände in Alt-Britz 81-83 ansässigen Einrichtungen und Firmen ein: Die Musikschule Paul Hindemith Neukölln, die Kulturstiftung Schloss Britz, das Museum Neukölln, das Estrel Berlin-Ausbildungsprojekt Schloss Britz und das Restaurant Buchholz. Sie alle beteiligen sich am Programm und überall auf dem Gutshof, auf der Freilichtbühne, im Ochsenstall, im Gutshaus, im Schloss, im Museum und im Kulturstall ist was los.

Die Musikschule - übrigens eine der ältesten und mit mehr als 4.000 Schülern und 150 Lehrern eine der größten in Berlin - sorgt für ein umfassendes musikalisches Programm. Den ganzen Tag spielen Schülerensembles und -bands sowie professionelle Formationen Stücke aller Stile, man selbst oder die Kinder können aber auch mitmachen oder verschiedene Instrumente ausprobieren.

Für gute Verpflegung sorgen das Azubi-Restaurant des Hotels Estrel im Schloss Britz sowie im und um den jazzigen Ochsenstall, und das Restaurant Buchholz lädt in seinen wunderschönen Garten ein. Drumherum stehen Marktstände, der Circus Mondeo hat aufgebaut, man kann mit der Kutsche fahren oder Kinder können sich auf Ponys und Pferde trauen.

Im Museum Neukölln können Kinder und ihre Eltern in der Ausstellung "Die Magie des Lesens" lernen, wie Papier geschöpft wird und in einem Tipi-Zelt hinter dem Museum lesen von 11 bis 16 Uhr die Kinderbuchautorin Karin Beese, der Bildungsstadtrat, die Bürgermeisterin und der Museumsleiter aus Kinderbüchern vor, und fündig werden kann man auch auf einem Kinderbuchflohmarkt.

Und dann gibt es noch im Schloss Britz die Ausstellung "Fassadenmalerei im urbanen Raum", die man sich ebenso wie die ständigen Museumsräume ohne zahlen zu müssen ansehen kann. Sie zeigt Hausbemalungen, die die französische Künstlergruppe CitéCréation in der ganzen Welt angelegt hat.

Hier Infos über die Musikschule, das Museum Neukoelln und das Schloss Britz.


Gerücheweise Kunst
So ganz genau weiß man ja nie, was dabei herauskommt, wenn Gerüche in die Kunst eingebunden werden. Interessant sind die Versuche aber auf jeden Fall, deshalb werden sie jetzt auch in Form gebracht: Es gibt ein interdisziplinäres Projekt namens "Osmodrama",das auch gleich eine neue Kunstrichtung begründen soll - man will Kompositionen mit präzisen Geruchsabfolgen aufführen, eigenständig und im Zusammenspiel mit anderen Künsten. "Ziel des Pionierprojekts ist es, ein neues Ausdrucksmittel - Erzählen mit Gerüchen und Düften - in Berlin vorzustellen und im kulturellen Kontext zu etablieren", erklärt der Medienkünstler Wolfgang Georgsdorf.

Und er hat dafür auch ein Instrument entwickelt. Mit Hilfe von Fachleuten aus den Bereichen Parfümistik/Olfaktorik, Klimatechnik, Mechatronik und Informatik baute er Smeller 2.0", eine elektronisch gesteuerte Geruchsorgel. Sie wurde 2012 im OK-Zentrum für Gegenwarstkunst in Linz vorgestellt, wiegt 1,6 Tonnen und verfügt über 64 Geruchskanäle, die vorgemischte Gerüche über kontrollierte Luftströmungen in den Raum pusten können. Und das offensichtlich mit erstaunlichem Ergebnis: "Du denkst, das ist wirklich Moos, Erde, das ist alles echt", kommentierte zum Beispiel Eva Mattes.

Die elektronische Geruchsorgel kann man nun kennenlernen. Sie steht vom 15. Juli bis zum 18. September in der St. Johannes-Evangelist-Kirche in der Auguststraße 90 in Mitte, und in dieser Zeit kann man viele Geruchskompositionen erleben, pur oder in Verbindung mit Klang, Musik, Film, Tanz und Literatur. Das interessante Programm der in Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin und dem Radialsystem V entstandenen "Osmodrama" sollte man sich ansehen und es wirken auch bekannte Künstler wie Edgar Reitz, Omer Fast oder Eva Mattes mit. Nachschauen kann man unter Osmodrama.com.

 

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