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05.11.2016 - 23.12.2016

Ein Designer, der gern spielt

Eine Ausstellung des Industriedesigners Konstantin Grcics, die man bis Weihnachten in der Charlottenburger Goethestraße ansehen kann, wurde "Playtime" genannt. Der Grund: Der in der Fachöffentlichkeit bekannte Designer lässt Dinge aus zuvor nicht oft verwendeten Materialien herstellen oder auf ungewöhnliche Weise, und die Ergebnisse sind manchmal etwas überraschend.

chair_one_grcic.pngAm bekanntesten ist wohl der abgebildete "chair one". Seine Sitzschale wird aus einer flachen Struktur dreidimensional zusammengesetzt, und bevor Grcic sich das Möbel 2002 ausdachte, verwendete man Aluminiumdruckgußteile eigentlich nur für Möbelgestelle. Zum Sitzen kamen dann noch Polster und Bezug drauf. Der noch immer produzierte Stuhl soll aber ganz bequem sein, bei seiner Nutzung empfiehlt sich nur bestimmt stabile Kleidung.

Weiter ausgestellt ist zum Beispiel die Leuchte Mayday, eine Zimmerlampe, die gebaut ist, als wäre sie für die Werkstatt gedacht und die man mit fünf Meter langem Kabel überall aufhängen kann. Und sollte irgendwas an ihr nicht klappen, macht nichts - "mayday" ist schließlich ein Notruf. Auch der Tisch Pallas ist bemerkenswert. Böswillig könnte man zu dem Stahlblech-Möbel sagen, dass es aussieht, als habe man es selbst zusammengefaltet. In der Werbung handelt es sich hingegen um einen Tisch "von überwältigender optischer Präsenz", der jeden Raum auf den ersten Blick beherrsche. Und wer will schon etwas sagen gegen den "taktilen Reiz der pulverlackierten Metalloberfläche"?

Interessant ist die Licht- und Soundinstallation EPOCSODIELAK (rückwärts für Kaleidoscope), die aus einem Laser, einem Stroboskop, Bühnen- und farbigen LED-Spots, Lautsprechern, einem Mischpult und einer Nebelmaschine besteht und die damit eine gewaltige mobile Diskomaschine ist. "Ihr reduziertes Design lässt die beeindruckende Schlagkraft kaum erahnen, die mit der einfachen Bedienung durch ein Smartphone ausgelöst werden kann und jede Umgebung in einen Club verwandelt", steht in der Ausstellungsankündigung.

Im Gegensatz dazu ist die segelartige Konstruktion "Tent" sehr theoretisch ausgerichtet. Ein Zelt steht nicht am Boden, sondern ist an der Wand montiert. Grcic schaffe so eine Situation des Rückzugs im öffentlichen (Ausstellungs-)Raum und verdeutliche damit seinen eigenen gestalterischen Ansatz, heißt es. Das ist ganz interessant zu sehen, aber vielleicht sollten Designer doch eher nutzbare Produkte entwerfen.

Konstantin Grcic lebt und arbeitet in München, seine Entwürfe sind unter anderem im MoMA und im Deutschen Museum zu sehen. 2012 gestaltete er die Ausstellung Ressource Architektur im Deutschen Pavillon der Architektur-Biennale in Venedig.

 


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