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11.02.2017 - 23.04.2017, 20:00 Uhr

Minna von Barnhelm

Sehr sehenswerte Vorstellung im Schlosspark-Theater

Vor genau 250 Jahren kam Lessings Lustspiel Minna von Barnhelm auf die Bühne, und wenn man es heute wieder im Schlosspark-Theater sehen kann, ohne dass die Welt dabei neu erfunden wurde, ist es eine reine Freude. Ja, man macht eine kleine Zeitreise mit, man kann sich an den Charakteren freuen und an ihrer Sprache. Es ist kein Wunder, dass das Stück schon immer zu den beliebtesten Lustspielen der deutschen Aufklärung zählte, und so wie es in Steglitz gespielt wird, ist es absolut sehenswert.

Die Handlung ist schnell erklärt. Das Stück spielt nach dem Siebenjährigen Krieg, daher gab es viele Soldaten ohne Beschäftigung. Zu ihnen zählte Major von Tellheim, der vom König auch noch unehrenhaft aus der preußischen Armee entlassen worden war und der deshalb weitgehend mittellos mit seinem Diener in einem Gasthof wohnt. Als eine Dame von Stand anreist, muss er auch noch in ein dürftiges Zimmer wechseln, er hat also viele Gründe zum Weiterziehen. Bei der Dame handelt es sich allerdings - ohne das er dies weiß - um seine Verlobte Wilhelmine "Minna" von Barnhelm, und die will ihn nach den Kriegswirren wiederfinden und -gewinnen.

Aus Geldnot versetzte Tellheim sogar seinen Verlobungsring - und genau das ermöglicht Minna von Barnhelm, ihn zu entdecken. Eine Verbindung mit einer Gutsbesitzerin kann sich ihr Bräutigam aber nicht mehr vorstellen; kein Geld, keine Arbeit, da legen ihm seine Wertvorstellungen große Hindernisse in den Weg.
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Minna (Katharina Schlothauer) hat ihren geliebten Tellheim (Oliver Mommsen) gefunden, doch der Major reagiert sehr zurückhaltend. Foto: Schlossparktheater/ Derdehmel/ Urbschat

Wie und mit welchen Verwicklungen seine Verlobte dies letztlich geschickt zu wenden weiß, liefert den Stoff der Handlung. Minna von Barnhelm gewinnt am Schluss aber nicht nur ihren Major, sie zeigt ihm dabei auch Wege, wie er seine Begriffe von Ehre und Gewissen wieder ins Lot bringen kann. Goethe hat das einmal so beschrieben: "Die Anmut und Liebenswürdigkeit der Sächsinnen überwindet den Wert, die Würde, den Starrsinn der Preußen, und sowohl an den Hauptpersonen als den Subalternen wird eine glückliche Vereinigung bizarrer und widerstrebender Elemente kunstgemäß dargestellt." Man könnte meinen, er hätte die jetzige Aufführung in Steglitz gesehen. minnavonbarnhelm_8_nitsche-steurich.jpg
Auch Franciska, das Kammermädchen Minnas (mit wunderbarer und absolut passender Aussprache Maria Steurich) und Tellheims früherer Wachtmeister Paul Werner (Oliver Nitsche) tun das ihre bei der Zusammenführung von Minna und Tellheim und werden am Ende selbst ein Paar. Foto: Schlossparktheater/ Derdehmel/ Urbschat

Lessing musste in der Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg allerdings die Zensur in Preußen fürchten. Vielleicht wird Tellheim in dem Stück deshalb auch am Schluss von König Friedrich II. rehabilitiert. Er schlägt die Fortsetzung seines Dienstverhältnisses aber aus und hängt das Soldatendasein an den Nagel: "Die Dienste der Großen sind gefährlich und lohnen der Mühe, des Zwanges und der Erniedrigung nicht, die sie kosten", sagt er. Aber das dient ja auch alles dem Happy-End ...

Es ist schön, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler die "Minna von Barnhelm" so auf die Bühne bringen, dass man sich problemlos ins 18. Jahrhundert versetzen kann. Das Zuschauen macht einfach Spaß. my

P.S.: Ulli Zelle lädt am Sonntag, 12. Februar, um 21 Uhr zu seinem Nachtcafé ins Schlosspark Theater und stellt dem Publikum die oben genannten Hauptdarsteller vor - das heißt, sie machen zusammen Musik, improvisieren, plaudern und philosophieren, lachen und debattieren. Wenn man die Schauspieler auf ganz neue Art kennenlernen und den Grauen Zellen lauschen möchte: Der Eintritt zu der spontanen Show kostet 15 Euro, Reservierung unter Tel. 030 - 789 56 67 - 100
 
Eintritt:  18-37 Euro 
URL:  http://schlosspark-theater.de/produktionen/minna-von-barnhelm.html/ID_Vorstellung=327


Zur Umkreissuche   Anschrift
Schlossparktheater
Schloßstraße 48
12165 Berlin - Steglitz-Zehlendorf
 
Telefon:  Kartentelefon 030 / 789 5667-100
Email:  berliner@schlossparktheater.de
URL:  www.schlossparktheater.de
 
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