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10.02.2017 - 02.04.2017

Leider bewegen sie sich nicht

Fellbälle beleben zurzeit die Klosterkirchen-Ruine

In der Klosterstraße in Mitte steht die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche, deren Baugeschichte bis ins Jahr 1250 zurückführt. Trotz ihrer spannenden Geschichte ist die keine zwei Gehminuten vom Roten Rathaus entfernte Kirchenruine weitgehend unbekannt, und wohl aus diesem Grund versucht man sie regelmäßig durch Ausstellungen oder Beleuchtungsprojekte ins Gespräch zu bringen. Zurzeit werden die alten Mauerreste durch runde Fellbälle belebt, denen eigentlich nur Augen und irgendeine lustige Bewegungsfähigkeit fehlt.
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Felliges Treiben an historischem Ort, leider nur von außen zu beobachten. Foto: Bezirksamt Mitte / Holger Herschel


Doch zuerst zur Ruine: An ihrer Stelle errichtete man um 1250 eine Klosterkirche. Sie war im frühgotischen Stil der Bettelordenskirchen gehalten und wurde vom Grauen Kloster der Franziskaner betrieben. 52 Meter lang und 16 Meter breit war der Feldsteinbau, von dem heute nur noch Reste in der nördlichen Mauer der Ruine zu finden sind. Der große Teil der Ruine stammt von einer dreischiffigen Basilika, mit deren Errichtung man Ende des 13. Jahrhunderts begann.

Das Kloster wurde nach der Reformation 1539 aufgelöst, von ihm blieb außer der Kirchenruine kein Gebäude erhalten. 1571 zog in die Räume die erste Berliner Druckerei ein, 1574 eröffnete das noch heute existierende Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster, das auf Namen wie Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Ludwig Jahn oder Otto von Bismarck zurückblicken kann.

Nach zahlreichen Umbauten in den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche in den 1920er/30er Jahren wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt - allerdings ohne dauerhaften Erfolg, denn der 3. April 1945 brachte dem Gebäudeensemble das Ende. Die Ruine sicherte man Anfang der 1960er Jahre, die kaputten Klostergebäude riss man ab. Seit 2004 nutzt man die Kirchenruine für Ausstellungen, Theateraufführungen, Konzerte und ähnliches - zurzeit kann man sich eine "ortsspezifische Installation" ansehen.

Sie stammt von den beiden Künstlerinnen Maria und Natalia Petschatnikov und trägt den Titel "Creatures". Dabei handelt des sich um runde, pelzige Kreaturen, die den Außenbereich der Ruine beleben, die man aber nur durch das geschlossene Tor betrachten kann.

Die Sankt Petersburger Künstlerinnen und Zwillingsschwestern Maria und Natalia Petschatnikov studierten in New York und Paris und leben und arbeiten seit 2000 in Berlin. Sie bewegen sich meist zwischen Malerei, Plastik und Rauminstallation, und auch bei ihren pelzigen Fellknäueln ist nicht so recht klar, um was es sich denn handeln könnte. Die sind unterschiedlich groß und haben natürliche Farben, ihnen fehlen aber alle Extremitäten, mit denen Lebewesen normalerweise ausgestattet sind. Erklärungsversuche können also von unbekannten Wesen aus längst vergangen Zeiten bis zu zukünftigen geklonten Organismen reichen - und dann sitzen sie gewissermaßen auch noch in einem Käfig, denn man kann sie ja nur durch das vergitterte Eingangstor der Ruine betrachten ...

Umrahmt wird die Installation "Creatures" von der Lichtinstallation von Martin Bretag, die bis Anfang April in den Abendstunden angeschaltet wird und die Architektur des Baudenkmals deutlich macht. Informationen darüber findet man unter www.klosterruine.berlin

Die Klosterkirchenruine bleibt in den Wintermonaten (November bis April) geschlossen. Die Installation ist von außen, durch das geschlossen Eingangstor zu sehen. Ab dem 27.04.2017 ist die Ruine wieder täglich geöffnet und barrierefrei zugänglich, der Eintritt ist frei.
 


Zur Umkreissuche   Anschrift
Ruine der Franziskaner Klosterkirche
Klosterstraße 73a
10179 Berlin - Mitte
 
Telefon:  030 9018 37462
Email:  info@klosterruine.berlin
URL:  http://klosterruine.berlin/
 
Öffnungszeiten:  November bis April geschlossen, Ausstellungen nur von außen sichtbar
 
 
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