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15.07.2017 - 22.04.2018

Alles dreht sich... und bewegt sich - Der Tanz und das Kino

Ausstellung im Filmmuseum Potsdam

Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit Gefühle darzustellen als den Tanz - wahrscheinlich haben deshalb auch fast alle Menschen die zur Grundausstattung ihrer Verhaltensweisen zählende Beschäftigung einmal ausprobiert. Tanzen ist aber auch schön anzusehen. Es zeigt die Akteure, wenn sie in Bewegung sind, und das ist meist sehr vorteilhaft und sagt mehr aus als jedes Stillgesitze. Außerdem wird fast überall getanzt, auf Partys und in Clubs ebenso wie zu Hause oder auf der Straße. Kein Wunder also, dass sich Filme oft ums Tanzen drehen oder das Tanzen in ihnen vorkommt, und genau darüber berichtet die neue Ausstellung des Filmmuseums Potsdam.

Da es sich bei Filmen um bewegte Bilder handelt, kommt das Tanzen schon immer in ihnen vor. Das Medium übernimmt auch die Tanzformen, die Rhythmen und Dynamiken in eine eigene filmische Form: Bewegungen werden durch die Montage zerlegt und neu zusammengesetzt, Körperdetails betont, der Raum aufgelöst, einzelne Abläufe unterstrichen oder aus einer besonderen Perspektive beobachtet.

FMP_Nachtmahr Still 1_kochmediakl_kl.jpgRelativ moderne Tanzszene aus dem Nachtmahr. Foto: FMP/kochmedia

In seiner neuen Ausstellung zeigt das Filmmuseum nun die Geschichte des Tanzes im internationalen Film. Ausgestellt werden Kostüme, Accessoires und Requisiten, Filmtechnik, Set Designs, Kostümentwürfe, Drehbücher, Plakate, Fotos und Filmszenen, und alle erzählen vom Tanz im Film und von Schauspielerinnen und Schauspielern, die oft zu Tänzerinnen und Tänzern werden, wenn sie es nicht sogar gelernt haben. Und nebenbei wird die Geschichte der Babelsberger Studios an den vielen Filmen deutlich, in denen Musik und Tanz eine große Rolle spielen - in Musik- und Revuefilmen, in Operetten-, Tanz- oder Ballettfilmen. Und alle hier tätigen Firmen und Gesellschaften, von Bioskop, Decla und Ufa bis zur DEFA, haben immer den Unterhaltungswert des Tanzes geschätzt.

Beleuchtet wird die Rolle des Tanzes im Film nun in fünf thematischen Räumen. Nummer eins zeigt den Glamour der Ballsäle mit großen Roben und eleganten Silhouetten einer tanzenden Gesellschaft, der eine bunt schillernde Disco gegenübergestellt wird: Die edlen Kostüme aus dem Film Onegin kontrastieren mit dem knappen Club-Outfit aus Der Nachtmahr und die Disco im Saturday Night Fever mit dem Mambo aus Dirty Dancing.

Raum zwei wirft einen Blick zurück in die Stummfilmzeit. Kurzfilme zeigen Volkstänze, traditionelle, etablierte Tanzformen und vor allem Showtanz, zum Beispiel die den Körper gleichsam auflösenden Serpentinentänze. Tanzreformer wie Mary Wigman, Rudolf von Laban oder Gret Palucca stellen ihre Kreationen in Produktionen wie Wege zu Kraft und Schönheit (1924) vor, aber auch Josephine Bakers Bananentanz erregt die Gemüter. Durch ein Guckloch können pikante Tanzdarbietungen betrachtet werden, die die damalige Filmzensur entfernt wissen wollte. Der erotische Apachentanz der Stummfilmdiva Asta Nielsen in Afgrunden wird prominent in Szene gesetzt udn wer will kann frühe Trickfilmschleifen mit einem Spielzeugprojektor in Bewegung versetzen.

Die in zahlreichen Filmen der 1930er Jahre auftretenden Tangruppen übertragen in ihrem Revuen fast militärische Bewegungsformationen auf die Bühne. Raum drei widmet sich deshalb dem Blick, den der Film auf das Gleichmaß der Körper, den Drill und den Gleichschritt ihrer Bewegung wirft. Revuefilme aus Deutschland und aus aus Hollywood ähneln sich dabei durchaus und versuchen, mit ähnlichen Schauwerten aufzutrumpfen. Zur Illustration der rhythmischen Uniformität der Tanzenden dient hier eine großformatige Videoinstallation auf drei aneinander gekoppelten Bildschirmen. Filme wie Metropolis, Jud Süß oder Iwan der Schreckliche bebildern die innige Verbindung von Tanz und Gewalt dort, wo diktatorisch über Körper geherrscht wird. Hier ist aber auch der Ort der großen Film-Verführerinnen aus Mythos, Geschichte und Religion, der femmes fatales des Tanzes, die in Salome (1923) und Mata Hari (1934) das Geschehen dominieren.

FMP_Heisser Sommer_F_Herbert Kroiss (sw3)_FMPkl.jpgBeliebtes Musical aus DEFA-Zeiten: "Heißer Sommer" von 1964 Foto: FMP/Herbert Kroiss

Raum vier lädt in die Welt des Musicals ein, in dem der Tanz die Hauptrolle spielt. Filmoperetten und Musicals ersetzen realistisches Kino durch Traumbilder, durch Lilian Harvey, Fred Astaire, Gene Kelly und viele andere bestens dargestellt. Kult wurden im Osten auch die Tanzformationen im DEFA-Musical Heißer Sommer (1964), der in einem begehbaren Set mit den "Männern, die noch keine sind" zum Greifen nah wird. Musical-Klassiker wie West Side Story oder The Rocky Horror Picture Show runden das Bild ab.

Raum fünf erinnert schließlich daran, dass Tanz vor allem harte Arbeit ist und er erzählt Film-Geschichten von Tanzenden und den mit ihnen verbundenen Problemen. Sie durchleben Krisen, feiern triumphale Erfolge oder zerbrechen, wie dies Black Swan (2012) auf das wirkungsvollste unterstreicht. Und es gibt Dokumentar- und Schulfilme zum Beispiel über Gret Paluccas Unterricht in neuem künstlerischen Tanz oder Rhythm is it! aus dem Jahre 2010, die den Alltag der Beteiligten darstellen. Raum fünf ist auch angelegt, als läge er Backstage und die Besucher können auch an einer Ballettstange ihre Bewegungsfähigkeit testen oder sich vor Schminkspiegeln zurechtmachen. Wenn man dazu die Strapazen anderer sehen kann, fällt es vielleicht leichter.

Zu der von Ursula von Keitz und Johanne Hoppe kuratierten Ausstellung wird im Kino ein umfangreiches Filmprogramm gezeigt, dazu kommen Kuratorinnenführungen, Live Acts und Angebote, die auch eigenes tänzerisches und filmisches Agieren ermöglichen. Übersicht Begleitprogramm.

Zur Ausstellung erscheint der Begleitband "Alles dreht sich und bewegt sich. Der Tanz und das Kino", 252 Seiten, zahlreiche Abb., 24,90 Euro
Geöffnet ist tägl. außer montags von 10 bis 18 Uhr.
 
Eintritt:  4,50 / 3,50 Euro 
URL:  http://www.filmmuseum-potsdam.de/Wechselausstellung-index.html


Zur Umkreissuche   Anschrift
Filmmuseum Potsdam
Breite Straße 1A
14467 Potsdam
 
Telefon:  (0331) 27 18 117
Telefax:  (0331) 27181-26
Email:  info@filmmuseum-potsdam.de
URL:  www.filmmuseum-potsdam.de
 
Öffnungszeiten:  Museum:
Di bis So 10 bis 18 Uhr Einlass bis 17.30 Uhr
Kino:
Di bis So 17 und 19 Uhr, Do bis Sa zusätzlich 21 Uhr
Kinderkino:
Mi, Sa & So 15 Uhr
 
 Rubriken: 

Kunst und Kultur
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