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08.04.2018 - 24.06.2018

"mal wieder auf anfang ..."

Bilder von Sador Weinsčlucker in der Thomaskirche

Die meisten Menschen kennen die Kirche St. Thomas am nördlichen Ende des Mariannenplatzes. Vor anderthalb Jahrhunderten war der spätklassizistische Bau einmal das größte Sakralgebäude der Stadt und beherbergte die weltweit größte evangelische Kirchengemeinde, nach Krieg und Mauerbau blieb davon aber nicht viel übrig. Zurzeit beleben aber neun Bilder von Sador Weinsčlucker die Kirche: In der Ausstellung "mal wieder auf anfang ..." wurden in der Apsis und Teilen des Chors vier Akte und fünf Raumdarstellungen aufgehängt.

Der Berliner Maler, von dem man in den letzten Jahren interessante Stadtansichten und Stillleben kennenlernen konnte, zeigt in der Kirche großformatige Akte und stark abstrahierte Räume, die einen außergewöhnlichen Dialog mit der sakralen Architektur eines sonst bildfreien Gebäudes eingehen.

Weinslucker_lass uns warten_140x160.jpg"Lass und warten" (1,40 x 1,60 m): Weinsčluckers realistische Bilder kommen auch ohne Menschen aus und erzählen dennoch Geschichten - auch wenn sie nur einen kleinen Teil eine leeren Raums zeigen.
Fotos: Sador Weinsčlucker

Für Sador Weinsčlucker war der Kircheninnenraum schon wegen der hohen Wände und der Ornamentierung eine Herausforderung, es stellten sich aber auch inhaltliche Fragen. So wollte er bei "mal wieder auf anfang ..." auf das das Verhältnis von Bild, Darstellung und Bedeutung eingehen, schließlich stand der Protestantismus schmückenden Dingen schon immer reserviert gegenüber (Allein die Schrift ...).

Die Frage, was eigentlich Bilder von leeren Räumen und nackten Menschen in einer Kirche bezwecken sollen, beantwortet Kurator Dr. Peter Funken ebenso einfach wie einleuchtend: Sie stellen Fragen nach der Existenz und der Vergänglichkeit - im Bild, in der Kirche, im Betrachter. Und wenn Menschen nichts anhaben, so zeige das bei Weinsčlucker vor allem ihre Hilflosigkeit und Verletzbarkeit - die Nackten besitzen nichts, nicht einmal ein Kleid. "Das Wechselhafte und Schwankende von heute (wird) mitgedacht - wir sind mitten in der Geschichte, wissen ein wenig von ihrem Anfang, aber nichts von ihrem Ende", schreibt Funken, und das passt ja wohl in eine Kirche.

Und noch ein Wort zur Arbeit des Künstlers: Er kann eine Wand und damit eine ganze Welt so malen, als würde sie atmen. "In diesem Gedanken entsteht mit Weinsčluckers Kunst so etwas wie Sinn, ein Verständnis und die tiefe Bejahung unserer Existenz - angesichts und trotz der Leere und Entblößtheit, die uns oft umfängt und mit der wir uns auseinander setzen müssen, spätestens dann, wenn das letzte Glas ausgetrunken ist."

Zur Ausstellung erscheint ein kleiner Katalog.

Weinslucker_im dunkel die augen schließen_160x140.jpg"Im Dunkel die Augen schließen", Öl auf Leinwand, 160x140 (2018)
 


Zur Umkreissuche   Anschrift
St. Thomas-Kirche
Mariannenplatz 28
10997 Berlin - Friedrichshain-Kreuzberg
 
Telefon:  030 612 37 22
Email:  gemeinde@stthomas-berlin.de
URL:  http://www.stthomas-berlin.de/
 
 
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