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15.03.2018 - 16.09.2018

Oh Yeah! - Popmusik in Deutschland

Man kann ihr kaum entrinnen, der Popmusik, sie ist überall präsent - im Radio und im früheren Telefon, in Club oder Kneipe ebenso wie im Supermarkt. Entsprechend begleitet sie uns durch alle Lebenslagen und untermalt die verschiedensten Erinnerungen - an die erste und die große Liebe ebenso wie an den Mauerfall oder die letzte Fußball-WM. Sie formt die Menschen mit und spiegelt sogar das Lebensgefühl von ganzen Generationen, und das pbwohl sie sich ständig wandelt.

Nun lässt sich nicht nur meine jüngere Tochter von ihrer ominösen Musikquelle die Ohrwürmer der letzten 100 Jahre schicken, Auch das Museum für Kommunikation stellt sie samt der dazugehörigen Moden vor und beantwortet dazu noch ein paar Fragen, zum Beispiel zu der gegenseitigen Beeinflussung von Popmusik und gesellschaftlichem Leben oder zu den sich wandelnden Unterschieden zwischen Ost und West.

Betrachtet wird in der Ausstellung die Zeit von der Swing-Ära der 1920er-Jahre über Beat, Punk, die Neue Deutsche Welle, Techno und Hip Hop bis zu heutigen Trends, für die es noch gar keine richtigen Bezeichnungen gibt.
kmb_Ausstellungsansichtt_Martin Luther.jpgmkb_Walkman_Martin Luther.jpgBunte Ausstellung mit vielen Gelegenheiten zum reinhören... Rechts der erste Walkman, den Sony 1979 auf den Markt brachte. Fotos: Martin Luther

Zur Ausstellung gehören natürlich Kopfhörer, mit denen man an Soundstationen Musiktitel, Radio- und Filmbeiträge hören und durch die Geschichte der Popmusik streifen kann. Neben der Zeitreise durch die eigene Vergangenheit wird aber auch Kurioses, Randständiges und Vergessenes der Popgeschichte erzählt.

Herzstück der Ausstellung ist die Main Road, die den kulturellen Hintergrund der jeweiligen Popmusik-Epochen vermittelt. Der musikalische Trip beginnt Mitte der 1920er-Jahre, als ausgelassen Charleston und Shimmy in den Berliner Nachtclubs getanzt wurde und Schallplatte und Grammophon den Sound populär machten. Schlager wie "Veronika, der Lenz ist da!" ließen Anfang der 1930er-Jahre die A-Cappella-Formation Comedian Harmonists zum ersten international erfolgreichen Pop-Export Deutschlands werden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Swing und Jazz als "undeutsche" Unterhaltungsmusik verboten. Während die Hitlerjugend zu Trommelschlägen marschierte, lebten die Anhänger der illegalen Swing-Jugend mit Swing-Musik und -Tanz eine oppositionelle Jugendkultur.

In den 1950er-Jahren hielt der "American Way of Life" Einzug in Deutschland und Twist und Rock`n`Roll wurden zum Inbegriff des Lebensgefühls der Nachkriegszeit. Diesen auch in der DDR populären kapitalistischen Musikmoden suchte die SED-Führung unter anderem mit dem eigens kreierten, weniger hüftschwingenden Unterhaltungstanz "Lipsi" zu begegnen.

In der Beat-Ära der 1960er-Jahre kam die Pilzkopf-Frisur in Mode, Radio Bremen strahlte mit dem "Beat-Club" die erste deutsche TV-Sendung für junge Leute aus und die Friedensbewegung legte den Grundstein für die heutige Outdoor-und Festivalkultur. Mit verfremdeten Stimmen und elektronisch erzeugten Klängen brachen avantgardistische Bands wie CAN und Kraftwerk ab Ende der 1960er-Jahre die üblichen Songstrukturen und -längen auf, während Ton Steine Scherben mit sozialkritischen Texten auf raue Rhythmen rockte.

In den 1980er-Jahren gaben die Neue Deutsche Welle und der Punk den Ton an: Nena und Trio schafften mit "99 Luftballons" und "Da Da Da" den internationalen Durchbruch; mit ZK und Soilent Grün gründeten sich die Vorgängerbands der Toten Hosen und der Ärzte. Im Osten 1983 vom DDR-Regime als dekadente Subkultur zerschlagen, konnten Punk-Bands wie Müllstation, Schleim-Keim und Zwitschermaschine dort zunächst nur im Untergrund agieren. Über die 1990er-Jahre, in denen Techno, Euro-Dance und Deutschrap gleichzeitig in den Hitparaden waren, führt die Reise schließlich in die Gegenwart, in der Musik nicht länger zum Anfassen ist, sondern in schillernder Vielfalt digital in Clouds existiert.

Zu jedem Zeitabschnitt bietet die Ausstellung einzigartige Objekte, Radio- und Filmbeiträge sowie Soundstationen mit passenden Musiktiteln. Dabei werden nicht nur Hits präsentiert, man kann auch Vergessenes und Kurioses entdecken wie den von Trio-Frontmann Stefan Remmler eigenhändig verzierten Anzug oder den skandalösen "Liebe ist für alle da"-Fankoffer von Rammstein.

Neben der Main Road kann man sich in der Sound Lounge 60 weitere Songs von Marlene Dietrich bis Helene Fischer anhören und im Backstagebereich sieht man zahlreichen Plakate, Platten- und CDCover aus Deutschlands popkultureller Musikvergangenheit.
 


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Leipziger Straße 16
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Telefax:  030 202 94 111
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