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28.09.2017 - 11.02.2018

Kriegsalltag und Abenteuerlust - wie Frauen den Krieg fotografierten (1914-45)

lander_olga_truppenbetreuung_1944.jpgDie Bilder der Kriegsberichterstatterin Olga Lander von den "Veranstaltungen im Rahmen der Truppenbetreuung für die 36. Panzerbrigade" entstanden wohl im August 1944 am Bahnhof Rasdelnaja, 3. Ukrainische Front. Foto: Zentrales Museum der Streitkräfte, Moskau


Auch Frauen fotografieren gerne und selbstverständlich machten sie auch in den Kriegen Fotos - manche waren sogar als Kriegskorrespondentinnen akkreditiert. Sie machten Bilder in der Etappe und an der Front, in Lazaretten und an der "Heimatfront". Zurzeit kann man sich viele Beispiele im Verborgenen Museum in Charlottenburg ansehen.

Die Österreicherin Alice Schalek hat sich als erste akkreditierte Kriegsfotografin bis in die Gebirgszüge am Isonzo 1915-17 unter die Soldaten begeben und sich als Korrespondentin mit dem Wiener Pazifisten Karl Kraus in der Tagespresse aufsehenerregende Wortgefechte geliefert.

In Deutschland hatten Frauen keinen Zugang zu den Schlachtfeldern, also wurden die Einflüsse des Krieges auf den Alltag abgebildet. Die Amateurfotografin Käthe Buchler portraitierte 1916 Schaffnerinnen, Briefträgerinnen, Nachtwächterinnen und zeigte auch in Vorträgen, wie sich das (Berufs-)Leben der Frauen durch den Krieg änderte.

In England setzten sich die Suffragetten, die für das Wahlrecht der Frauen gekämpft hatten, auch für ihren Einsatz im Krieg ein. Die Ausstellung zeigt Aufnahmen von professionellen Studio- und Portraitfotografinnen aus London (Christina Broom, Olive Edis) und von knipsenden Krankenschwestern (Elsie Knocker, Mairi Chisholm), die in Belgien und Russland (Florence Farmborough) neben der Versorgung der Verwundeten den Kriegsalltag in der Etappe dokumentierten.

Die Rolle der Fotografinnen als Dokumentaristinnen des Spanischen Bürgerkriegs fand bisher mit einer Ausnahme kaum Beachtung: Gerda Taro ist heute die bekannteste Kriegsfotografin in Europa. Ihre Fotografien, in denen die Menschen, nicht die Waffen und das Kriegsgeschehen im Mittelpunkt stehen, sind eine politische Anklage gegen Krieg und Faschismus. Sie selbst ist 1937 auf Seiten der Internationalen Brigaden grausam zu Tode gekommen.

Im Zweiten Weltkrieg fotografierten Frauen noch häufiger. Germaine Krull erstellte zum Beispiel eine ausführliche Reportage über die Befreiung des Elsass für den militärischen Pressedienst der Freien Französischen Streitkräfte. Eva Besnyö, die als Jüdin in den Niederlanden überlebte, machte 1940 viele Bilder im zerbombten Rotterdam.

Besonders interessant sind auch die Aufnahmen der sowjetischen Kriegskorrespondentinnen Natalja Bode und Olga Lander, die im Dienst der Roten Armee für die zentralen Presse-Agenturen fotografiert haben. Man weiß nicht viel über ihr Leben und ihre Arbeit, ihre Bilder unter andnderem aus Stalingrad sind aber einmalige Dokumente und wurden außerhalb der Sowjetunion noch nie gezeigt.

Die Ausstellung schließt mit wenigen Beispielen des unbearbeiteten Kapitels deutscher Fotografinnen im Zweiten Weltkrieg (Erika Schmachtenberger, Lala Aufsberg, Liselotte Purper). Ilse Steinhoff fotografierte in den besetzten Gebieten in Libyen 1942 und auf dem Balkan 1941-43 für die nationalsozialistische Presse.

 


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Das Verborgene Museum
Schlüterstraße 70
10625 Berlin - Charlottenburg-Wilmersdorf
 
Telefon:  030 - 313 36 56
URL:  www.dasverborgenemuseum.de
 
Dokumentation und Ausstellungen der Kunst der Frauen e.V.
 
 
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