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02.09.2017 - 14.01.2018

Utopien vor 100 Jahren

Ein expressionistischer Farbenrausch

gropius-bau_hablik_kuppel.jpg"Freitragende Kuppel mit fünf Bergspitzen als Basis" heißt dieses 1918/23/24 entsttandene 166 x 191 cm große Ölbild von Wenzel Hablik. Foto: Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe


Wenzel Hablik (1881-1934) gilt als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Von ihm stammen utopische Architekturentwürfe und expressionistisches Interieur, er verstand sich aber als Universalkünstler, der sich einem Gesamtkunstwerk verschrieb.

Und sein Werk bietet immer noch Überraschendes. Die Ausstellung zeigt seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. In der ersten umfassende Einzelausstellung in Berlin wird aber auch Malerei und Design vorgestellt, weil erst in der Kombination der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar wird.

Dabei hat Hablik enge Verbindungen zu Berlin. Er beteiligte sich an Ausstellungen der Berliner Secession und stellte in der Galerie "Der Sturm" von Herwarth Walden 1912 seinen ersten druckgrafischen Zyklus "Schaffende Kräfte" neben Werken von Picasso, Kandinsky, Kokoschka und Gauguin vor. 1919 nimmt er auf Einladung von Walter Gropius an der "Ausstellung für unbekannte Architekten" des Arbeitsrates für Kunst teil und wird kurz darauf dessen Mitglied. Als Teil der Briefgemeinschaft "Gläserne Kette" steht Hablik mit Walter Gropius, Bruno Taut sowie weiteren Architekten und Malern im regen Austausch über utopische Architekturideen; darunter auch Hermann Finsterlin, Hans und Wassili Luckhardt, Hans Scharoun und Max Taut. Mit ihnen nimmt Hablik im Mai 1920 auch an der der Ausstellung "Neues Bauen" im Graphischen Kabinett Neumann in Berlin teil.

Es war eine kleine Sensation, als 2013 das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers nach 80 Jahren weitgehend unbeschadet freigelegt werden konnte. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke, hatte er das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe gestaltet und lies es 1933 unter neutralen Tapeten verbergen. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin-Gropius-Bau zu sehen.
hablik_festsaal.jpgTolle Raumwirkung: Diesen Entwurf für einen Festsaal malte Hablik 1924, sein Esszimmer hatte er ganz ähnlich gestrichen. Foto: © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

1881 in Böhmen geboren, lernte Hablik schon während der Schulzeit das Tischlerhandwerk in der väterlichen Werkstatt. Damals sammelte er auch Kristalle und Naturalien, was sein künstlerisches Schaffen immer beeinflusste - seine Architekturutopien basieren auf Kristallen, die sich zu Märchenschlössern aufbauen oder steile Berghänge bilden. Diese "Kristallbauten", wie er sie nennt, gehören zu den frühesten bekannten Entwürfen kristalliner Architektur in der europäischen Kunstgeschichte. Und die Kristallarchitektur wird für Hablik zu einer Gesellschaftsutopie auf dem Weg in eine bessere Lebenswelt. Von Schriftstellern wie H. G. Wells, Paul Scheerbart, Kurd Laßwitz und Jules Verne inspiriert, werden seine Architekturentwürfe auch zunehmend technischer - er entwirft Flugmaschinen und Luftkolonien, beschreibt ihre Konstruktion und Nutzung und erdenkt neuartige Maschinen. Mit moderner Technik die Realität überwinden, das bedeutete für ihn auch, die Gesellschaft zu verändern.

Hablik hinterlies auch kunsthandwerkliche Arbeiten, aus Messing und Silberblech gefaltete Dosen und Tintenfässer erinnern an die utopischen Bauten, werden zu Kleinarchitekturen oder Himmelskörpern. Hablik leistet als Mitglied des Deutschen Werkbundes in fast allen Bereichen der angewandten Kunst - vom Entwurf von Webmustern, Möbeln und Tapeten, Schmuckdesign, Lampenentwürfen, Metallarbeiten bis hin zum Besteckdesign - einen grundlegenden Beitrag zur Moderne.

 
Eintritt:  11 / 9 Euro, Schülergruppen p. P. 7 Euro, Eintritt frei bis 16 Jahre 
URL:  https://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb17_wenzel_hablik/ausstellung_wenzel_hablik/ausstellung_wenzel_hablik_196390.php


Zur Umkreissuche   Anschrift
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchner Straße 7
10963 Berlin - Mitte
 
Telefon:  030 254 86-0
Telefax:  030 254 86 107
Email:  post@gropiusbau.de
URL:  www.gropiusbau.de
 
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