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11.10.2018 - 13.10.2019

"Architectura navalis" - wie im Barock Schiffe Palästen ähnelten

Schifffahrt-Ausstellung im Neubau (2. OG) des Technikmuseums

Die Frage, was große Segelschiffe in der Zeit des Barock (ca. 1575-1770) mit den Palästen Ludwigs XIV. zu tun haben, stellten sich die meisten Menschen bisher nicht. Eine Ausstellung gibt aber überraschende Antworten und bietet einen guten Einblick in die ausdrucksstarke und formengewaltige Epoche.

barockschiffe_1.jpgRechts ein Modell der SOLEIL ROYAL ("Königliche Sonne"), die um 1690 in Dienst gestellt wurde und zu den prächtigsten Linienschiffen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. zählte. © SDTB / Foto: C. Kirchner
Sie zeigt die Wechselwirkungen von repräsentativen Schiffsgestaltungen und herrschaftlicher Gebäudearchitektur in Frankreich und welchen Einfluss diese auf die Leitmotive des Barock und seiner Spätform, des Rokoko, hatte.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Schiffshecks, speziell im barocken Frankreich. Dort war der Schiffbau geprägt von strengen Organisationsstrukturen, hoch qualifizierten Künstlern und Wissenschaftlern sowie engen personellen Verbindungen zum Schlossbau. Exakt aus diesen Gründen lässt sich der Ursprung des Rokoko auf den Schiffbau Frankreichs zur damaligen Zeit zurückführen, so die These der Ausstellung.

Der "Sonnenkönig" Ludwig XIV. war wohl der erfolgreichste absolutistische Herrscher, den es je gab. Er war militärisch erfolgreich und sein Schwelgen im Luxus in Versailles wurde in ganz Europa bewundert. In seiner Zeit entwickelte sich Frankreich auch zur beherrschenden Seemacht, und so wurde die repräsentative Herrschaftsarchitektur an Land auch auf die Seefahrt übertragen: Die großen dreimastigen Segelschiffe wurden vor allem in ihrem weithin sichtbaren Heckbereich nach Art einer Gebäudearchitektur entworfen. Es entwickelte sich eine regelrecht architektonisch gestaltete Schiffsheckfassade - ein neues Kapitel der Schiffbaugeschichte.
Parallelen bei Schiffen und Schlössern: dreigeschossige Stockwerksgliederung, Erscheinungstüren und -balkone, Giebel, Portraitmedaillons, Risalite sowie Stütztrompen, Sockel und Verdachungen. Im Rokoko (Spätbarock) läuft der Austausch dann wieder rückwärts - Muscheln eroberten das Land.
Auf 250 Quadratmetern sind nun hochwertige Schiffsmodelle, Kunstgegenstände, Entwurfszeichnungen und Architekturfragmente zu sehen, darunter ein Spantenmodell aus dem 18. Jahrhunderts, eine Riesenmuschelschale mit ca. 100 cm Durchmesser sowie die Reproduktionen eindrucksvoller Entwurfszeichnungen aus der Feder der bedeutendsten Schiffsgestalter Jean Bérain (1640-1711) und François-Antoine Vassé (1681-1736), die als Vorlagen für die realen Schiffe dienten.Barockschiffe_2.jpg
LE FOUDROYANT ("Der Blitzeschleuderer"): Entwurf Heckfassade, Seitentasche und Galion von François-Antoine Vassé, 1723. © Service historique de la Défense, Vincennes / Repro
 
URL:  sdtb.de/technikmuseum/ausstellungen/architectura-navalis/


Zur Umkreissuche   Anschrift
Deutsches Technikmuseum
Trebbiner Straße 9
10963 Berlin - Mitte
 
Telefon:  030 90 25 40
Email:  info@dtmb.de
URL:  www.dtmb.de
 
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