Home

23.02.2017 - 21.05.2017

"Gesang der Zeiten"

Jan Toorop-Ausstellung im Bröhan-Museum

Bilder des niederländischen Malers Jan Toorop seien "das krauseste Zeug, das uns je geboten wurde", urteilte das Berliner Tageblatt im Jahre 1893, "aus diesen absolut subjektiven Darstellungen eines malaiischen Gemüts kann kein Mensch von europäischer Zivilisation schlau werden." Und um die Bilder zu erklären, fügte der Kritiker an: "Es ist eine Mischung aus Naivität und tiefem Sinn, von Kühnheit und Unbekanntheit mit dem Malen; der Betrachter verwirrt sich darin und wird zugleich angespornt, ins Labyrinth der Fantasien vorzudringen ..." Nun sah man das am Hofe damals anders und das Amsterdamer Handelsblad meinte nur, "in Berlin ist der Geschmack für Malerei noch sehr unentwickelt". Die Entwicklung von Jan Toorop (1858-1928) wurde damals in den Niederlanden jedenfalls mit großem Interesse verfolgt, heute gilt er als einer der bedeutendsten niederländischen Symbolisten und man fragt sich, was damals an ihm so unbegreiflich fremd war. Die neue Ausstellung "Jan Toorop. Gesang der Zeiten" im Bröhan-Museum ändert vielleicht ein wenig daran, dass Jan Toorop bei uns nur wenig bekannt ist.

Toorop, Salat+Âl.jpg
Toorpos Plakat "Delftsche Slaolie" warb 1895 für eine Salatöl-Firma. Die Lithografie war in den Niederlanden so bekannt, dass der Jugendstil eine Zeit lang als "Salatöl-Stil" bezeichnet wurde. Foto:Gemeentemuseum Den Haag

Schwer machte es der auf Java geborene Künstler seinem Publikum ein wenig dadurch, dass er sich stilistisch nie festlegte. Er beschäftigte sich mit allen für ihn erreichbaren künstlerischen Entwicklungen und probierte dabei viel aus - vom Impressionismus über den Pointillismus bis hin zum Jugendstil. Im Ergebnis war er dadurch einer der überraschendsten und vielseitigsten Maler seiner Zeit, und er entwickelte nach Seitenblicken auf James Ensor, van Gogh und Malern des Symbolismus seinen eigenen symbolistischen Stil. Seine Arbeiten werden nun erstmals in Deutschland in einer großen Übersichtsschau präsentiert - mit gut 200 Bildern, Illustrationen und Plakaten.
Toorop, Fatalisme.jpg
Fatalisme (Fatalismus) heißt dieses 1893 entstandene Bild, in dem schon Toorops Ängste und die oft beschriebenen "Abgründe seiner Seele" erkennen sind. Foto: Kröller-Müller Museum, Otterlo

Jan Toorop kam 1858 in der niederländischen Kolonie Java auf die Welt, elf Jahre später wurde er zur besseren Ausbildung nach Europa geschickt. Für seine künstlerische Ausbildung besuchte er die Akademien in Amsterdam und Brüssel, er lernte viele namhafte Künstler kennen und war Mitbegründer der Künstlergruppe Les Vingts. Sein Privatleben verlief allerdings mit einigen Schwierigkeiten - seine erste Tochter starb, er führte eine unglückliche Ehe und Syphilis und andere Krankheiten fesselten ihn schließlich bis an sein Lebensende an einen Rollstuhl. Im Ergebnis beschäftigte er sich in seinen Zeichnungen und Grafiken vor allem mit religiösen und existenziellen Themen und trat nach langer Überlegung 1905 in die katholische Kirche ein.

Das Publikum wollte oder konnte seine Arbeiten aber nicht immer verstehen. Toorop hängte auf Ausstellungen einige Zeit sogar verdeutlichende Texttafeln auf, aber der Erklärungsbedarf ging ihm einfach auf den Nerv - er wollte seine Bilder und ihre Symbolik nicht immer allen begreiflich machen müssen. "Ich werde müde und habe allmählich die Nase voll, den Erklärer für Leute zu spielen, die vom Kunstgehalt dessen von allein ja doch nichts fühlen und auch nichts von der dramatischen Expression begreifen", schrieb er 1898 anlässlich einer Ausstellung in Rotterdam und war froh, dass seine aussagestärksten Bilder nicht ausgestellt wurden.
Toorop, Rodeurs.jpg
Rôdeurs, Herumtreiber heißt dieses 1892 gemalte Bild, das Jan Veth damals so beschrieb: "Alles ist ihm recht, was Mittel des Ausdrucks ist. Das Gemälde ist hier keineswegs die Abbildung von einem Stück Wirklichkeit, sondern in seiner überreichen plastischen Sprache ein Stimmenorchester, aufgefangen aus Leben und Erinnerung und vom Künstler in einem konzentrierten Ganzen von dramatischer Macht neu erschaffen." Foto: Kröller-Müller Museum, Otterlo


Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung:
-Kostenlose öffentliche Führungen (zzgl. Museumseintritt) an jedem Sonntag um 15 Uhr, Anmeldung nicht erforderlich
-Kostenlose öffentliche Kuratorenführungen an jedem 1. Mittwoch im Monat um 17 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich
-Die Konzertreihe "Junge Musiker begegnen dem Jugendstil" an jedem 1. Donnerstag im Monat um 14 Uhr ist von März bis Mai thematisch auf die Ausstellung abgestimmt, Anmeldung nicht erforderlich
Für die folgenden Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich; Unfos und Buchung möglich bei n.mueller@broehan-museum.de oder Tel. 030/32 69 06 25.
-Bröhan Lab - Kinder und Jugendatelier: Jan Toorop - Expressive Selbstporträts, So, 12.3., 7.5., 14.5., jeweils 14:30 Uhr, ab 8 Jahre, 90 min, 5,- p.P.
-Workshop für Schulklassen: Geister, Nixen und andere Fabelwesen. Jan Toorop - fantastische Zauberbilder. Interaktiver Rundgang und praktischer Teil, ab 8 Jahre, 120 min, 80,- pro Klasse.
-Workshop für Erwachsene: Surreale Schmuckwelten, Sa, 8.4., 14-15:30 Uhr, 15,- p.P.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Gemeentemuseum Den Haag, der Villa Stuck und dem Bröhan-Museum. Sie wird neben Berlin auch in Den Haag un din München zu sehen sein.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, 280 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, 30,- an der Museumskasse

 
Eintritt:  8/5 Euro, Am 1. Mittwoch im Monat ist der Eintritt frei 
URL:  http://www.broehan-museum.de/non-classe/jan-toorop-gesang-der-zeiten/


Zur Umkreissuche   Anschrift
Bröhan-Museum
Schloßstraße 1a
14059 Berlin - Charlottenburg-Wilmersdorf
 
Telefon:  +49/(0)30/326 906 00
Telefax:  +49/(0)30/326 906 26
Email:  info@broehan-museum.de
URL:  http://www.broehan-museum.de
 
 
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de