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04.05.2017 - 25.02.2018

Berlin 1937

Im Schatten von morgen

1937 war für die Berlinerinnen und Berliner ein merkwürdiges Jahr. Die Entspannungsphase der Olympischen Spiele war vorbei und an der Macht der Nationalsozialisten war nicht mehr viel zu rütteln. Die Wirtschaft lief gut (zunehmend vor allem in der Rüstungsindustrie) und die Zahl der Arbeitslosen lag nach mehr als zehn Jahren erstmals wieder unter einer Million (vor allem dank des Reichsarbeitsdienstes und der wieder eingeführten Wehrpflicht). Dass die Verfolgung der Juden immer weiter zunahm, wurde weitgehend akzeptiert. In Spanien wurde im Bürgerkrieg mitgemischt, die Schlagzeilen beherrschte aber eher der Bau eines KdF-Kreuzfahrtschiffes. Dass die Gustloff acht Jahre später in der größten Schiffskatastrophe aller Zeiten endet, konnte sich natürlich niemand vorstellen - oder gab es Vorzeichen? Hitler erklärte seine Kriegsabsichten auch 1937, aber im Geheimen, und in Russland sorgte Stalin mit seinen Säuberungen für noch schlimmereVerhältnisse. Es war schwer, damals die Lage vernünftig einzuschätzen, vor allem weil die Öffentlichkeit auf eigene Beobachtungen angewiesen war. Die veröffentlichte Meinung war gelenkt.
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Produkte des Jahres 1937: Das Motorrad würde sich wahrscheinlich auch heute noch gut verkaufen und das Radio könnte (ohne Symbol natürlich) für sein Design ausgezeichnet werden. Mit der Zeit wurde es deutlicher, welche Verbrechen im Zeichen des Hakenkreuzes begangen werden, anfangs nahmen viele die zur Nazizeit entstandenen Dinge aber vor allem als modern und fortschrittlich wahr. Fotos: NSU: Sammlung T. Rupp | Michael Setzpfandt, Radio: © Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin | Michael Setzpfandt

"1937 war eine Stille vor dem Sturm", sagte denn auch Paul Spies, der Direktor des Stadtmuseums Berlin, als er die neue Ausstellung "Berlin 1937. Im Schatten von morgen" eröffnete, die an 50 Objekten die Zwiespältigkeit der Zeit verdeutlichen will. Und das gelingt ihr ganz gut, denn in vielen Dingen stecken mindestens zwei Seiten. Ein schönes Beispiel ist eine Cola-Flasche, denn Cola wurde in Deutschland produziert und getrunken. Warum? Weil Coca Cola die Olympiade gesponsort hatte und zusagte, keine Juden und Ausländer in den deutschen Fabriken zu beschäftigen.

Aufhänger der Ausstellung ist eine Propaganda-Schau, mit der 1937 in den Messehallen auf die Erfolge des NS-Staates hingewiesen wurde: Mit dem Motto "Gebt mir vier Jahre Zeit" erinnerte sie an Hitlers nach seiner Ernennung zum Reichskanzler getätigten Ankündigung, dass das Volk danach über ihn richten dürfe. Und natürlich wurde hier nur vom erfolgreichen Wirken der Nationalsozialisten berichtet, es war sozusagen ein "identitätsstiftendes Geschichts-Event" kurz vor Berlins 700-jährigem Stadtjubiläum.

Die Ausstellung im Märkischen Museum versucht nun darzustellen, wie das System damals funktionierte - wie die Stadt wahrgenommen wurde, wie sich öffentlicher und im privater Raum veränderten und wie man sich anpassen musste. Und sie stellt anhand vieler alltäglicher Dinge die Frage: "Wie deutlich war der verbrecherische Charakter des Systems bereits vor Krieg und Holocaust erkennbar?" Darin könnte wohl ein ziemlich nützlicher Erkenntnisgewinn stecken ..1937_08_Croner.jpg.1937_02_Schreibmaschine Detail.jpg













Gleichzeitig zogen nationalsozialistische Symbole und Inszenierungen immer weiter in den Alltag ein - auf Schreibmaschinen ebenso wie im öffentlichen Raum, dem neuen Dienstalltag also ebenso dienlich wie der Selbstdarstellung und der Überhöhung von Staatsgästen (hier: Besuch Mussolinis). Fotos:© Stadtmuseum Berlin | links: Oliver Ziebe | rechts: Harry Croner
 


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Märkisches Museum
Am Köllnischen Park 5
10179 Berlin - Mitte
 
Telefon:  030 30 86 62 15
URL:  http://www.stadtmuseum.de/maerkisches-museum-0
 
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