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12.04.2018 - 15.04.2018

Das Berliner Ensemble im Schlosspark-Theater

Es lohnt sich oft, das eigentlich gar nicht abgelegene Theater in Steglitz zu besuchen, aber an vier Abenden in dieser Woche macht eine Besonderheit den Weg noch spannender: Das Haus übernahm "Die Kleinbürgerhochzeit", eine Inszenierung von Philip Tiedemann, die 17 Jahre lang im Berliner Ensemble gespielt wurde. Zu sehen sind dieselben Schauspieler wie am BE und ihnen zuzuschauen ist ein Genuss, ein lustiger. Man verdankt ihn dem neuen BE-Intendanten Oliver Reese, der die Produktion aus der Peymann-Ära nicht übernehmen wollte. Dieter Hallervorden freute sich darüber und die Besucher des Schlosspark-Theaters können das auch.

schlosspark_kleinbuergerhochzeit_urbschat_derDehmel.jpgHat sich der Vorhang gehoben, steckt man gleich in dem wunderbaren Bühnenbild, das der Regisseur Philip Tiedemann das ganze Stück bestimmen lässt: Die Hochzeitsfeier findet bei einfachen Leuten statt und es geht entsprechend eng zu. Die Geschichte eines "kleinbürgerlichen" Paares hat einen so engen Rahmen, dass in der neunköpfigen Feierrunde jede Aktion die Lachmuskeln strapaziert. Und die "andauernde Situationskomik hält tatsächlich volle anderthalb Stunden vor, es gibt keinen Hänger, kein Loch, keinen Aussetzer, nichts dergleichen", schrieb ein bekannter Theaterkritiker. Ein besseres Lob ist schwer auszudenken.

Im Bild rechts haben das Brautpaar, die Brauteltern und eine Freundin noch Platz auf der Bühne, im Stück sind noch Stühle im Weg und wenn man auf einem Tisch liegt, kracht der normalerweise zusammen. Aber hier handelt es sich ja um ein gestelltes Poster-Motiv ... Foto: DerDehmel/Urbschat

Allen Personen an der Hochzeitstafel schaut man gerne zu, denn alle haben ihre Macken. Da ist der nervende Brautvater, der immer dieselben Geschichten erzählen will, der eifersüchtige Bräutigam, der alle nacheinander zerfallenden Möbel der Wohnung selbst gebaut hat, da gibt es die natürlich schwangere Braut und sehr unterschiedliche Gäste, die ständig aneinander vorbeireden und bei denen man bald schon vorher weiß, was sie zu sagen haben. Auch wenn jemand nicht viel redet wie die Brautmutter, dann reicht es, wenn Carmen-Maja Antoni jemanden anschaut, wenn sie stumme Kommentare gibt oder wieder einmal nicht zu Wort kommt - sie ist einfach auf wunderliche Art gewitzt und saukomisch.

Dass der von Brecht kurz nach dem ersten Weltkrieg geschriebene Einakter die wirtschaftliche Lage und die nicht gerade rosige Stimmung dieser Zeit gut einfängt, ist klar. Seiner Beschreibung einer "Orgie der Hohlheit, der Langeweile, der Öde und der Vereinzelung" muss man nicht unbedingt zustimmen, dazu ist das Verhalten heutzutage wahrscheinlich zu normal. Aber die Geschichte ist einfach eine wahnsinnig unterhaltsame Komödie voll klugem Wortwitz, bei der man sich prächtig amüsiert. Also: hingehen!

Die Vorstellungen von Donnerstag bis Sonnabend beginnen um 20 Uhr, die am Sonntag um 18 Uhr.
 


Zur Umkreissuche   Anschrift
Schlossparktheater
Schloßstraße 48
12165 Berlin - Steglitz-Zehlendorf
 
Telefon:  Kartentelefon 030 / 789 5667-100
Email:  berliner@schlossparktheater.de
URL:  www.schlossparktheater.de
 
 Rubriken: 

Kunst und Kultur
Theater

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