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07.03.2018 - 08.03.2018

Alfred Breslauer, Architekt

Seine Bauten jetzt online abrufbar - aktuelles Colloqium

Das ein wenig in Vergessenheit geratene Werk des Architekten Alfred Breslauer wurde digitalisiert,man kann sich nun mehr als 200 Fotos und Drucke zu 70 seiner Bauten online ansehen. Jetzt findet zu dem Forschungsprojekt ein öffentliches Colloquium statt, bei dem die bisherigen Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden können - am 7. und 8. März jeweils von 10 bis 18 Uhr im Hörsaal A 053 des Architekturgebäudes der TU.

Alfred Breslauer (1866-1954) war Absolvent der Technischen Hochschule Berlin, also der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, und zählt zu den vergessenen Architekten des frühen 20. Jahrhunderts. Zu seinem 150. Geburtstag im Juli 2016 startete das Architekturmuseum der TU Berlin ein Forschungsprojekt zu Leben und Werk des Architekten, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von ihm stammen zum Beispiel der Umbau der Italienischen Botschaft, das Schloss Bärenklau nicht weit von Guben und viele prächtige Landhäuser und Villen.
TUArch_schloss Bärenklau_n.jpgTU_Arch_Breslauer_Schloss Bärenklau.jpgDas Schloss Bärenklau in der Nähe von Guben wurde erst 1927 von Breslauer und Salinger entworfen und bis 1930 gebaut. Es war eines der größten Landhäuser der Zwischenkriegszeit, wurde in der DDR vor allem als Erholungsheim genutzt und steht heute für rund vier Mio. zum Verkauf. Rechts eine alte Aufnahme von Halle und Treppenhaus. Fotos: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege (oben), Architekturmuseum TU (re.)

Im Mittelpunkt des Colloquiums steht die Einordnung von Alfred Breslauers architektonischem Lebenswerk in die Baukunst seiner Zeit, verbunden mit seiner nach 1933 erfolgten Isolation und Entrechtung. Von entscheidender Bedeutung für seine architektonische Laufbahn waren zweifellos seine Zeiten im Architekturbüro Alfred Messels, während deren er sich vor allem als Bauleiter beim Neubau des Warenhauses Wertheim an der Leipziger Straße verdient machte. Bei dieser Inkunabel moderner deutscher Architektur sammelte Breslauer einige Erfahrungen im Umgang mit Eisenkonstruktionen und anderen bautechnischen Neuheiten und adaptierte Wertheims viel gelobte vertikale Pfeilerfassade bei seinen ersten Bauaufträgen.

Bereits ab 1906 wandte sich Breslauer - wie kurz zuvor sein Mentor Messel - bei der Außenhülle seiner Villen und Landhäuser dem Stil des preußischen Spätbarock und Frühklassizismus zu. Spätestens seit Paul Mebes' Publikation "Um 1800" von 1908 wurde diese höchst innovative Stilphase des ausgehenden 18. Jahrhunderts zum Ausdrucksmittel deutscher Reformarchitektur erklärt. Auch nach Ende des Ersten Weltkriegs verfolgte Breslauer diesen Formenkanon weiter und errichtete in seiner größten Schaffensphase zahlreiche Bauten in diesem nunmehr als eher traditionell empfundenen neoklassizistischen Stil. Diese besondere Eigenart Breslauers wird in mehreren Beiträgen erläutert werden, und der besondere Stellenwert seines Werks unter der Perspektive "Avantgarde oder Tradition" wird im Vordergrund stehen.

TU_Arch_Villa Bleichröder_Tg.jpgBreslauer baute auch die Villa Bleichröder um, die Bismarcks Bankier am Knie errichtet hatte, der damals feudalsten Wohngegend der Stadt. Daneben entstand die Technische Hochschule, vor 100 Jahren nach dem Kölner Dom der größte Bau Preussens. Foto: Architekturmuseum TU

Mit seinen spätbarock-frühklassizistisch preußischen Landhausbauten traf Breslauer offensichtlich auch den Geschmack der bürgerlich-jüdischen Eliten im Berlin der Weimarer Republik. Eventuell war hierfür der Wunsch nach bürgerlicher Gleichstellung und Anerkennung ausschlaggebend, ließ doch bereits der Stil des Wohnhauses den wahrhaft preußischen Ursprung seiner Besitzer erkennen.

Im Forschungsprojekt wird derzeit an der Erstellung eines vollständigen Verzeichnisses seines Gesamtwerkes von rund 200 Bauten (gegenwärtiger Stand) in Buchform gearbeitet. Die Sammlung Breslauer findet man online unter
https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=222


 


Zur Umkreissuche   Anschrift
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin
Straße des 17. Juni 152
10623 Berlin - Charlottenburg-Wilmersdorf
 
Telefon:  +49 (30)314-23116
Telefax:  +49 (30)314-23116
Email:  architekturmuseum@ub.tu-berlin.de
URL:  architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/
 
Das Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin wurde 1885 als erste öffentliche Architektursammlung Deutschlands gegründet. Es bewahrt überwiegend Architekturzeichnungen preußischer und deutscher Architekten des 19. und 20. Jahrhunderts. Schwere Verluste im Zweiten Weltkrieg reduzierten den Bestand um mehr als die Hälfte auf ca. 20.000 Zeichnungen, inzwischen sind die Bestände wieder auf mehr als 100.000 Zeichnungen und Fotografien angewachsen. Herausragend sind die (Teil-) Nachlässe von Alfred Messel, Hans Poelzig, Otto Kohtz, Hermann Jansen und Hermann Mattern.

Der gesamte inventarisierte Bestand ist online zugänglich.

Die Darstellung auf der Karte ist leider nicht korrekt. Das Architekturmuseum befindet sich an der Ecke Marchstraße / Straße des 17. Juni.
 
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