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13.09.2018 - 03.02.2019

Rückansicht - die verborgene Geschichte eines Gemäldes von Adolph Menzel

Seit zwei Jahrzehnten untersucht Provenienzforschung nicht nur die Frage, ob ein Kunstwerk echt ist, sondern auch, ob es immer korrekt den Besitzer gewechselt hat,ob es sich also um Raubkunst handelt. Provenienzforschung versucht, die Geschichte des Werkes möglichst komplett zu ergründen.

Im Deutschen Historischen Museum zeigt jetzt eine kleine Ausstellung aufs Genaueste, welchen Weg das Gemälde "Borussia" von Adolph Menzel gegangen ist. Sie veranschaulicht, welchen Hinweisen nachgegangen wurde und was zum Beispiel die Rückansicht des Gemäldes verbirgt. Deutlich wird dabei nicht nur, wie Provenienzforschung betrieben wird, sondern auch wie sich die juristischen und moralischen Vorstellungen von 1945 bis zur "Washingtoner Erklärung" 1998 gewandelt haben (seitdem untersuchen die Unterzeichnerstaaten die Herkunft der in ihren Sammlungen befindlichen Werke und geben sie gegebenenfalls den rechtmäßigen Eigentümern zurück).

Rückansicht_Borussia_DHM.jpgRückansicht_Borussia_Rück_DHM.jpgAdolph Menzels 1868 gemalte Borussia in Vorder- und in Rückansicht - wie man sie kennt und voller Informationen ... Fotos: Deutsches Historisches Museum

Die "Borussia" von Adolph Menzel (1815-1905) war das erste Kunstwerk aus deutschem Bundesbesitz, das im Jahr 2000 zurückgegeben wurde. Die Erben versteigerten das Bild, es wurde 2001 vom Deutschen Historischen Museum (DHM) erworben und die Ausstellung zeigt nun den Weg des Gemäldes vom Wohnort Menzels in der Luisenstraße bis ins nicht weit entfernte Zeughaus.

Gemalt wurde das Bild 1867, um für eine Hungersnot in Ostpreußen Geld zu sammeln. Unter den versteigerten Gemälden befanden sich allegorische Darstellungen preußischer Provinzen, die der Berliner Bankier Alexander Mendelssohn (1798-1871) erwarb - ein Jude, der als der Letzte in seiner Familie galt, der es ablehnte, zum Christentum überzutreten.

Als seine Nachkommen verfolgt und beraubt wurden, verkaufte Marie Mendelssohn 1937 die "Borussia" für 19000 Reichsmark dem Kunsthändler und NSDAP-Mitglied Karl Haberstock (1893-1963), der sie für 48 000 Reichsmark an die Reichskanzlei weiterreichte. 1952 erklärte er, von einer Verfolgung der Familie Mendelssohn sei ihm nichts bekannt gewesen und an eine Rückgabe dachte niemand - auch wenn in einem ovn 1945 bis 1949 erstellten Inventarverzeichnis der Vermerk "Restituiert" auftauchte, der durchgestrichen wurde.

Die Details der langen Geschichte erfährt man am Besten auf einem Flyer, den man unter www.dhm.de/ausstellungen/rueckansicht.html runterladen kann.
 


Zur Umkreissuche   Anschrift
Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin - Mitte
 
Telefon:  030 20 30 40
URL:  www.dhm.de
 
 Rubriken: 

Kunst und Kultur
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